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Auf das richtige Verhältnis kommt es an

Die Work-Life-Balance ist heutzutage vielen Arbeitnehmern wichtiger, als gute Gehälter und zusätzliche Vergünstigungen

Karriere oder Familie? Viele Arbeitnehmer wünschen sich, dass Arbeit und Freizeit im Gleichgewicht bleiben. GRAFIK: FRANCESCA COATI / ISTOCK

Max Müller 

Deutsche sind Arbeitstiere, lautet ein weit verbreiteter Mythos. Allerdings hat sich hieran in den vergangenen Jahren einiges geändert. Ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit wird vielen Arbeitnehmern zusehends wichtiger. Die gute Nachricht: Um die Balance zwischen beiden Polen steht es hierzulande nicht schlecht. 

Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Grundlage dieser Erkenntnis bildet der „Better Life Index 2019“. Für diesen untersuchte die OECD die Work-Life-Balance in annähernd 40 Ländern. Zu den Kriterien zählte etwa, auf welcher Basis Arbeitszeiten erfasst werden, ob es möglich ist, zu Hause im sogenannten Homeoffice zu arbeiten oder wie und ob Überstunden reguliert, abgebaut oder ausbezahlt werden.
Deutschland ist unter den Top Ten

Ein besonders ausgeglichenes Leben zwischen Arbeit und Freizeit führen nach der OECD-Studie die Niederländer, die an der Spitze stehen. Deutschland schafft es im internationalen Vergleich auf einen respektablen neunten Platz. Auffällig: In der „Top Ten“ sind ausschließlich europäische Länder. Im hinteren Drittel landeten das Vereinigte Königreich, die USA, Australien, Japan, Korea sowie die Schlusslichter Mexiko und Kolumbien.

Dass deutsche Unternehmen arbeitnehmerfreundlicher werden, zeigt auch eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums unter Beschäftigten und Managern im vergangenen Jahr durchgeführt wurden. So bieten viele Unternehmen vermehrt Teilzeitmodelle an. Ebenso haben immer mehr Arbeitnehmer die Option, an bestimmten Tagen zu Hause zu arbeiten, oder auch längere Auszeiten, sogenannte Sabbaticals, in Anspruch zu nehmen – ohne nach ihrer Rückkehr mit karriereschädlichen Konsequenzen rechnen zu müssen.

In Zeiten des anhaltenden Fachkräftemangels bieten viele Arbeitgeber ihren Angestellten neben einem attraktiven Gehalt auch Benefits, also nichtmonetäre Vorteile. Rund 25 Prozent aller deutschen Arbeitnehmer profitieren aktuell hiervon. Vorzüge, von denen die gesamte Belegschaft profitiert wie etwa kostenloser Kaffee im Büro, frisches Obst und Gemüse oder gar eine gemeinschaftlich nutzbare Tischtennisplatte sind vor allem in der Start-up-Branche verbreitet. Wenig überraschend ist auch die Tatsache, dass in der Automobilbranche den Angestellten häufig günstige bis kostenfreie Firmenwagen zur Verfügung gestellt werden – ein Vorzug, der in zahlreichen anderen Branchen nur Führungskräften geboten wird.

Interessant für beide Seiten – auch aus steuerlicher Perspektive – ist etwa die Anschaffung neuer Technik, die auch privat genutzt werden kann wie Smartphone oder Tablet, die Übernahme oder ein Zuschuss der Kosten für den öffentlichen Personennahverkehr oder auch Weiterbildungsangebote, die insbesondere bei jungen Mitarbeitern hoch im Kurs stehen.

Benefits können auch ihre Tücken haben

Benefits sind Arbeitnehmern heute so wichtig, dass sie hierfür mitunter auch auf ein besseres Gehalt verzichten würden. Bei einer Umfrage des Arbeitgeberbewertungsportals Kununu gaben rund zwei Drittel der Befragten an, dass sie für attraktive Benefits sogar auf bis zu zehn Prozent ihres Jahresgehalts verzichten würden. Doch Obacht, es gibt auch Nachteile: Wer für allzu attraktiv erscheinende Benefits auf mehr Geld verzichtet, muss zugleich akzeptieren, dass im Krankheitsfall, während des Mutterschutzes oder der Elternzeit sowie im Falle von Arbeitslosigkeit weniger Geld ausgezahlt wird, da sich der jeweilige Satz dieser Leistungen am Grundgehalt bemisst.

Vorsicht ist auch geboten, damit Arbeitnehmer ihre Vorteile der Privilegien nicht umgehend wieder in den Job investieren.

Will heißen: Wer etwa im Homeoffice arbeitet, sollte auch eine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit schaffen, um sich im Endeffekt nicht selbst auszubeuten. Denn wer die hart erkämpfte Freiheit gleich wieder an den Job verliert, dem helfen auch all die praktischen Benefits nicht wirklich weiter.
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