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Themenwelten Berliner Morgenpost
50 Jahre Jugend trainiert für Olympia

Unter einem guten Stern

In fünf Jahrzehnten hat sich Jugend trainiert für Olympia immer wieder verändert – die Begeisterung der Schüler blieb gleich

Am ersten Bundesfinale 1969 nahmen 1650 Schüler teil. Regionale Vorausscheide gab es damals noch nicht. FOTO:HO

Jörn Käsebier 

Im wiedervereinigten Berlin ist es kaum noch vorstellbar – doch der Schulwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ ist ein Kind des Kalten Krieges. Dass die Wettkämpfe überhaupt ins Leben gerufen wurden, ist eng mit den Olympischen Spielen 1968 verknüpft. Erstmals traten bei Olympia zwei getrennte deutsche Mannschaften an. Und die kleinere DDR lag am Ende im Medaillenspiegel drei Plätze vor der größeren Bundesrepublik.

Bei der Ursachenforschung geriet schnell der Schulsport in den Fokus. Er sollte stärker auf Leistung setzen, Talente fördern und die Spitzensportler von morgen hervorbringen. Hierbei wurde ebenfalls auf den Osten verwiesen, dem es gelungen war, dass Schulen und Sportorganisationen für die Jugendspartakiaden eng zusammenarbeiteten. Ende Januar 1969 diskutierten daher die für Bildung zuständigen Kultusminister der damals elf Bundesländer über ein „Bundessportfest der Schulen“.
Da passte es, dass nur wenig später das Magazin „Stern“ Pläne für ein solches Sportfest schmiedete. Vorbild war die Aktion „Jugend forscht“, die Herausgeber Henri Nannen bereits ins Leben gerufen hatte. Es dauerte rund ein Vierteljahr, daraus ein gemeinsames Projekt zu machen. „Der Zug stand bereits auf dem Gleis. Es fehlte nur die Kohle“, fasst es Klaus Paul zusammen, ehemaliger Schulsportreferent Hessens und erster Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Schulsportstiftung.
  
Leichtathletik gehörte zu den ersten beiden Sportarten. FOTO: HO
Leichtathletik gehörte zu den ersten beiden Sportarten. FOTO: HO
Mit finanzieller Hilfe des „Stern“ gelang es, bereits am 26. September 1969 das erste Bundesfinale im Berliner Olympiastadion auszurichten. Wobei der Begriff „Finale“ noch nicht ganz passte. Denn erst bei der zweiten Ausgabe kam es zu den Vorausscheidungen in den Bundesländern, die nur noch ihre Landessieger nach Berlin schickten.

Mit Schwimmen und Leichtathletik waren zunächst nur zwei Sportarten vertreten. Im zweiten Jahr kamen bereits Turnen und Volleyball hinzu, 1971 folgte Rudern, 1973 und 1974 dann Fußball, Handball und Basketball. Fußball entwickelte sich rasch zum König – hier nehmen jedes Jahr die meisten Schulmannschaften teil. Insgesamt gehören mittlerweile 19 olympische und sieben paralympische Sportarten dazu. Lediglich die Wintersportler tragen ihr Finale nicht in Berlin aus.

Mit der Zahl der Sportarten stieg auch die der Teilnehmer. Zum zehnjährigen Jubiläum näherte man sich bereits der Marke von 400.000 Schülern. Mittlerweile sind es jedes Jahr sogar rund 800.000 – damit nimmt „Jugend trainiert“ in Anspruch, der weltweit größte Schulmannschaftswettbewerb zu sein.

Zur 50-jährigen Geschichte gehören auch schwierige Phasen. Die erste bereits Ende 1972, als der „Stern“ sein finanzielles Engagement zurückfuhr. Doch es gelang, auf anderem Wege ausreichend Mittel zu finden und die Organisation neu aufzustellen. Nach mehreren Umstrukturierungen wirken seit 2003 unter dem Dach der Deutschen Schulsportstiftung die 16 Kultusbehörden der Länder, der Deutsche Olympische Sportbund und seine am Bundeswettbewerb beteiligten Sportfachverbände sowie der Deutsche Behindertensportverband an der Planung und Durchführung mit.

Den erhofften Schub für Olympische Spiele brachte der Wettbewerb zunächst nicht, denn die DDR blieb vor der Bundesrepublik. Die Zahl der prominenten Leistungssportler, die als Schüler teilgenommen haben, ist aber über die Jahre stetig gewachsen. Und auch die Vereine haben von dem Schülerwettkampf profitiert. „Gerade auf der Bezirks- und Kreisebene bietet sich die Chance, neue Talente zu sichten“, meint Klaus Paul. Und die Schüler reisen noch immer mit großer Freude nach Berlin.
  
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