Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Abitur 2020

Lernen zwischen Bienen, Äpfeln und Kaninchen

Sprachprofis und Naturliebhaber fühlen sich am Paulsen-Gymnasium gleichermaßen wohl. Viele Projekte sind fächerübergreifend

FOTOS: RAUFELD MEDIEN (3), SIMON GABERSCIK/ISTOCK

Manche Schulen haben einen Sprachschwerpunkt, andere betonen die naturwissenschaftlichen Fächer. Am Paulsen-Gymnasium gibt es beide Profile. Letzteres scheint auf der Hand zu liegen. Schließlich hat die seit 1908 existierende Schule einen der größten Schulgärten Berlins, eine praktische Spielwiese für angehende Biologen. „Tatsächlich ist unser bilinguales Profil aber älter als das naturwissenschaftliche“, sagt Schulleiter Stefan Kloppe-Langer schmunzelnd. Im Alltag spielt das allerdings keine Rolle, denn beide Profile haben sich in den vergangenen Jahren bewährt und sind heute in der Steglitzer Institution fest verankert.  

Dennoch ist es natürlich der Garten, der zuallererst auffällt. Wo sonst stehen jungen Berlinerinnen und Berlinern auf dem Schulgelände mehr als 6000 Quadratmeter Grün zur freien Verfügung – und das mitten in der Stadt? „Unser Schulgarten ist geteilt“, erklärt Kloppe-Langer. „Der vordere Abschnitt ist dem Hof angegliedert und steht den Schülerinnen und Schülern tagtäglich auch mit unserem ‚grünen Klassenzimmer‘ offen, im hinteren Bereich haben wir neben unserer großen Streuobstwiese auch Ställe für allerlei Kleintiere und Bienenkörbe.“

Wir haben eine Imker-AG, die mehrere Völker versorgt, sowie viele Freiwillige, die sich beispielsweise um die vielen Kaninchen kümmern und deren Fütterung auch in Ferienzeiten gewährleisten

Stefan Kloppe-Langer, Schulleiter

Kaninchenbesitzer auf Zeit

Um den riesigen Schulgarten zu versorgen, ist das Engagement der Schüler gefragt – auch über den Unterricht hinaus. „Wir haben eine Imker-AG, die mehrere Völker versorgt, sowie viele Freiwillige, die sich beispielsweise um die vielen Kaninchen kümmern und deren Fütterung auch in Ferienzeiten gewährleisten“, sagt Kloppe-Langer. Die Tiere sind dabei nicht Schuleigentum, sondern gehören den Schülerinnen und Schülern.
  
Der üppige Schulgarten mit 6000 Quadratmetern – und das mitten in der Stadt.
Der üppige Schulgarten mit 6000 Quadratmetern – und das mitten in der Stadt.
Das ist besonders praktisch, wenn der Platz im eigenen Zuhause zu knapp ist oder eine Tierhaarallergie die Haltung ansonsten unmöglich machen würde. Auch wilde Tiere fühlen sich auf dem Areal wohl. „Im vergangenen Jahr hatten wir einen Dachs, dieses Jahr hat sich eine Fuchsfamilie breitgemacht“, so der Schulleiter. Im Frühjahr und Herbst finden zudem Gartenarbeitstage statt. Besonders beliebt ist dabei die große Apfelernte. Eine örtliche Mosterei verarbeitet die Früchte zu Saft, der der Cafeteria überlassen wird. Dort können ihn die Schüler zu einem günstigen Preis erwerben.

Mehr als 650 Schülerinnen und Schüler besuchen das „dreieinhalbzügige“ Gymnasium, das im Wechsel drei beziehungsweise vier siebente Klassen zum jeweils neuen Schuljahr begrüßt. Ein Zug ist dabei naturwissenschaftlich, ein weiterer erhält bilingualen Unterricht. Die erste Fremdsprache ist hier Englisch. Der dritte ist fächerübergreifend, „was nicht heißt, dass sich die Schüler nicht an unseren AGs beteiligen“, sagt Kloppe-Langer. Die bilingualen Klassen haben in den Stufen sieben und acht eine Englischstunde mehr, in den Klassen neun und zehn werden Geschichte, Politik und Erdkunde in Englisch unterrichtet, teils von Muttersprachlern. Schüleraustausche sind integraler Bestandteil der Ausbildung, es geht nach England und in der Oberstufe auch in die USA.
   
Die Kaninchen versorgen die Schülerinnen und Schüler auch in den Ferien.
Die Kaninchen versorgen die Schülerinnen und Schüler auch in den Ferien.
Von Segelfliegern und lateinischen Festen

Diese Austausche sind nicht nur dafür da, die sprachlichen Fähigkeiten zu erweitern, sondern um über den Tellerrand hinauszuschauen. Das ist ohnehin Maxime am Paulsen-Gymnasium. Deshalb gibt es auch einen weiteren Schwerpunkt auf fächerübergreifendem Wahlpflichtunterricht. Wenn es um Farben geht, trifft Kunst auf Physik, in der Luftfahrt trifft Physik auf Erdkunde, praktisch angewandt im Segelflugunterricht. Natürlich können die Schüler und Schülerinnen auch beim klassischen Sprachprofil bleiben. Auf Englisch folgt als zweite Fremdsprache wahlweise Französisch oder Latein, als dritte ist Spanisch möglich.

Auch wenn das Paulsen-Gymnasium keinen altsprachlichen Zug hat, so ist doch der Lateinunterricht ausgeprägt. „Ich freue mich, dass häufig Latein-Leistungskurse zustande kommen“, so Kloppe-Langer. Das Interesse an dieser vermeintlich toten Sprache wird sicher auch durch die Lateinfeste, die alle zwei Jahre stattfinden, geweckt. Wagenrennen (auf Skateboards), Gladiatorenkämpfe (auf Bänken, mittels Kissen) und Lehrende, die sich auch mal in römische Togen hüllen, sieht man nicht alle Tage. 

MAX MÜLLER
        
Weitere Artikel