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Abitur 2020

Wer bezahlt mein Studium?

Studierende sollten sich frühzeitig um die Finanzierung kümmern. Nicht immer sind die Eltern in der Lage, alles zu bezahlen

FOTO: MALERAPASO / ISTOCK

Ein Studium kostet Geld, und das, obwohl an den staatlichen Universitäten und Hochschulen in Deutschland keine Studiengebühren anfallen. Doch Miete, Krankenkasse und Lebensunterhalt müssen finanziert werden. Anders als Auszubildende, die von ihrem Arbeitgeber regelmäßig Lohn erhalten, müssen sich die Studierenden selber darum kümmern, wie sie sich während Bachelor und Master über Wasser halten können. Sie sollten die Kosten im Blick haben und sich schon frühzeitig um die Finanzierung ihres Studiums kümmern. Besonders Studierende, die Anspruch auf Bafög haben, müssen schnell dabei sein. Die Anträge sind kompliziert, aufwendig und bis zur Bewilligung vergehen oft Monate des Wartens und der finanziellen Unsicherheit.

Für ein dreijähriges Bachelorstudium an einer staatlichen Universität oder Hochschule müssen Studierende mindestens 29.500 Euro zur Verfügung haben, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, das ergab die 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, an der 2016 mehr als 60.000 Studierende an 248 deutschen Hochschulen teilnahmen. Hinzu kommen noch Semesterbeiträge, die je nach Uni bis zu 650 Euro im Jahr betragen können. Wer an einer privaten Hochschule studiert, muss noch mehrere Tausend Euro pro Jahr für Studiengebühren hinzurechnen.

Seit 2016 sind die Kosten explodiert

Laut Sozialerhebung brauchten Studierende im Jahr 2016 rund 819 Euro monatlich nur für Miete, Kleidung, Ernährung, Lernmittel, Mobilität, Krankenversicherung, Telefon und Internet, Freizeit und Kultur. Mittlerweile sind die Mieten explodiert, die Lebensmittelpreise sind gestiegen. Laut Deutschem Studentenwerk sollte in diesem Jahr eine neue Erhebung durchgeführt werden, die jedoch aufgrund der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben wurde. Man kann also davon ausgehen, dass Studierende, die in diesem Jahr ihr Studium aufnehmen, höhere Kosten im Blick haben müssen. Doch wer zahlt?

Zuerst sind die Eltern gefragt. Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Kindern eine angemessene Erstausbildung zu ermöglichen. Die aktuelle Unterhaltstabelle, die sogenannte Düsseldorfer Tabelle, legt dafür 860 Euro pro Monat fest – für Studierende, die außerhalb des Elternhaushaltes wohnen. Bei geringem Einkommen der Eltern können junge Menschen Bafög beantragen. Die Höhe des Bafögs ist abhängig vom Einkommen der Eltern. Der Betrag liegt bei maximal 853 Euro pro Monat. Bafög ist zu einer Hälfte ein zinsloses Darlehen, zur anderen Hälfte ein Zuschuss, der später nicht zurückgezahlt werden muss. Hier sind die Studierendenwerke erfahrene Ansprechpartnerinnen.

Vollzeit arbeiten in den Semesterferien

Empfohlen wird eine Kombi aus verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten. Auch Jobben gehört dazu. Hier kommt ein Minijob in Frage, wie zum Beispiel Kellnern oder eine Tätigkeit in einem studienfachnahen Beruf, um Praxiserfahrung zu sammeln. Wer mehr als einer geringfügigen Beschäftigung nachgeht, gilt als Werkstudent. Eine wöchentliche Arbeitszeit von 20 Stunden pro Woche darf während der Vorlesungszeit nicht überschritten werden, in den Semesterferien hingegen können Studierende auch Vollzeit arbeiten. Eine weitere Option ist, als studentische Hilfskraft an der Uni zu arbeiten, um beispielsweise Dozenten bei der Organisation von Lehrveranstaltungen zu helfen.

Die Aufnahme eines Kredits, wie der staatliche Bildungskredit, ist eine weitere Möglichkeit, das Studium zu finanzieren. Beantragen können ihn Studierende aus höheren Semestern beim Bundesverwaltungsamt. Er wird für maximal 24 Monate in monatlichen Raten von 100 bis 300 Euro gewährt. Viele Studierendenwerke und einige Banken vermitteln auch den sogenannten KfW-Studienkredit. Die monatlichen Auszahlungsbeträge liegen etwa zwischen 100 und 650 Euro.

Anstrebenswert ist ein Stipendium, auf das sich nicht nur Einser-Studierende bewerben können. Am bekanntesten dürften die 13 Begabtenförderungswerke sein – dazu gehören unter anderem die der Linkspartei nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung oder die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung –, die Studierende finanziell und ideell in ihrer akademischen Ausbildung unterstützen. Erwartet werden Leistungsbereitschaft und soziales Engagement. Die Höhe des Stipendiums richtet sich nach den Förderbeträgen des Bafögs, das Geld muss jedoch nicht zurückgezahlt werden.

Direkt an den Hochschulen können sich leistungsstarke Studierende um ein Deutschlandstipendium bewerben. Ein Jahr lang werden sie mit 300 Euro pro Monat gefördert.

Zudem gibt es mehr als 2000 kleine Stiftungen, die Studierende sehr individuell fördern. Die Webseite mystipendium.de ist hier eine wahre Fundgrube.

DAGMAR TRÜPSCHUCH
   
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