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Themenwelten Berliner Morgenpost
Abitur 2021

Grußwort von Senatorin Sandra Scheeres

 

FOTO: RETO KLAR

Liebe Abiturientinnen, liebe Abiturienten des Abschlussjahrgangs 2021, 

ich gratuliere Ihnen herzlich zum bestandenen Abitur! Ihre Leistung ist in diesem Jahr ein besonderer Erfolg, nach Monaten der Corona-Pandemie mit ihren vielen Einschränkungen, Zumutungen und Sorgen. Eigentlich gehören Austausch und Tipps, gegenseitige Ermutigung und das Feiern von Erfolgen zur Abizeit genauso dazu wie Abi-Partys und Kursfahrten. Stattdessen mussten Sie unter schwierigen Bedingungen und oft zu Hause Ihren Stoff lernen, Klausuren vorbereiten und Prüfungen absolvieren. Schulschließungen und Wechselunterricht waren für Sie und Ihre Lehrkräfte, aber auch für Ihre Familien eine große Herausforderung, ein solidarischer Kraftakt zum Wohle der Gesellschaft. Sie haben damit einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass wir die Pandemie zurückdrängen und viele Infektionen vermeiden konnten. Dafür möchte ich mich bei Ihnen, auch im Namens des Senats und der ganzen Stadt, sehr herzlich bedanken!

Es war mir seit Beginn der Pandemie immer wichtig, dass die Abschlüsse der Jahre 2020 und 2021 keine „Abschlüsse zweiter Klasse“ sind, sondern überall als vollwertig anerkannt werden und Ihnen alle Chancen für eine Ausbildung oder ein Studium bieten. Deshalb sind die Anforderungen trotz der schwierigen Lernbedingungen hoch geblieben. Umso mehr können Sie stolz darauf sein, dass Sie Ihr Abitur erfolgreich absolviert haben. Die lang ersehnten Lockerungen und der Sommer sind gute Voraussetzungen, um Ihren erfolgreichen Abschluss doch noch ordentlich zu feiern und das Ende Ihrer Schulzeit zu genießen. Sie haben es sich mehr als verdient!

Viel Freude und Erfolg für Ihren weiteren Lebensweg wünscht

Ihnen Ihre

Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie

Hinaus ins Leben

Stellvertretend für alle Berliner Abiturienten haben uns drei Absolventen erzählt, wie es war, inmitten einer Pandemie den Schulabschluss zu machen – und was sie nach der Schule vorhaben
Anton H. (18) FOTO: A. HEINRICH
Anton H. (18) FOTO: A. HEINRICH
In der Grundschule sah es eigentlich noch nicht so aus, als würde Anton eines Tages sein Abitur machen. Trotz Empfehlung für die Sekundarschule hat sein Vater sich fürs Gymnasium starkgemacht. „Dafür bin ich ihm heute noch dankbar“, sagt der 18-Jährige. Er besuchte das Primo-Levi-Gymnasium in Weißensee. Seine Abi-Note: vermutlich 1,6. Trotz, oder gerade wegen, seiner Minimum-Maximum-Strategie: „Ich habe nur das Nötigste gemacht und mich bei dem, was wichtig war, richtig reingekniet“, sagt der junge Mann, der in seiner Freizeit gerne malt und auf Züge steht. Nach der zehnten Klasse hat er ein Jahr in Oregon/USA verbracht. „Da habe ich gemerkt, dass ich auch fern von zu Hause neue Kontakte knüpfen kann. Das hat mir auch geholfen, als ich zurückkam, weil ich dann in eine neue Jahrgangsstufe kam.“ Fürs Abitur zu lernen, sei mitunter eine echte Herausforderung gewesen: „Den Laptop musste ich mir von meinem Bruder leihen, WLAN haben wir nur im Erdgeschoss – wo meine drei kleinen Halbschwestern um mich herumtobten. Das war schon manchmal kompliziert.“ Außerdem hatte er das Gefühl, nie wirklich freizuhaben, weil immer etwas für die Schule gemacht werden konnte. „Aber frühs länger zu schlafen war schon cool.“ Eine seiner in dieser Zeit neu gewonnenen Erkenntnisse: Mit einem Pott Kaffee in der Hand lässt sich auch eine 90-minütige Videokonferenz gut aushalten. Dass Corona ihm seine Zukunft verbaut hat, glaubt er nicht. Er sieht das Homeschooling vielmehr als einen Vorgeschmack auf sein späteres Berufsleben. Im April will er eine Ausbildung zum Anästhesietechnischen Assistenten (ATA) machen und anschließend Medizin studieren. „Die Ausbildung zum Rettungssanitäter als Sprungbrett ist ja Standard. Das wollte ich nicht. Für seinen Berufswunsch ist ein Praktikum in der zehnten Klasse in der Kardiologie der Charité verantwortlich. „Da habe ich gemerkt, dass ich mehr lerne, wenn mir etwas Spaß macht und ich den Sinn darin sehen kann. Die Ärzte haben mir bestimmte Dinge nur einmal kurz erklärt und schon hatte ich sie mir gemerkt.“
Carolin Bluhm (17) FOTO: C. BLUHM
Carolin Bluhm (17) FOTO: C. BLUHM
Mit der Pandemie verbindet Carolin Bluhm nicht nur Negatives, hat das Virus doch ihren Berufswunsch offenbart: Die Abiturientin des Evangelischen Gymnasiums Köpenick möchte in die Forschung gehen. „Corona hat uns gezeigt, wie wichtig die Wissenschaft ist“, sagt sie. Bio hatte sie, neben Kunst, als Leistungskurs. Weil ihre große Liebe aber den Tieren gilt, macht sie zunächst ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei einem Tierarzt. Während sie bis zur achten Klasse immer eher eine mittelgute Schülerin war, hat die heute 17-Jährige zum Ende ihrer schulischen Laufbahn noch einmal kräftig zugelegt. Warum? Der Liebe wegen. „Mein Freund ist so gut in der Schule, da wollte ich mithalten. Er hat meinen Ehrgeiz angestachelt“, sagt sie und ist stolz auf ihren voraussichtlichen Abschluss von 1,4. Durch die Pandemie weniger gelernt zu haben, glaubt sie nicht. Im Gegenteil: „Ich habe gelernt, mich selbst zu organisieren und zu konzentrieren“, sagt die begeisterte Volleyballerin. Vor ihrem FÖJ wollte die junge Frau eigentlich noch für zwei Monate ins Ausland. Aber da könnte ihr Corona einen Strich durch die Rechnung machen. „Dann ist das so.“ Die Pandemie hat die Absolventin offensichtlich auch Gelassenheit gelehrt. Und so verwundert auch diese Aussage wenig: „Natürlich war es auch mal anstrengend, die ganze Zeit nur mit der Familie zusammen zu sein. Aber ich hatte immer unseren Garten und den Wald vor der Tür, in den ich mit unserem Hund zum Entspannen gehen konnte“, sagt die Müggelheimerin. Psychische Beeinträchtigungen sieht sie eher bei den jüngeren Schülern, die aufgrund ihres Alters weniger Möglichkeiten für Abstand und Eigeninitiativen hatten. Wenn sie ihr Abschlusszeugnis in der St. Laurentius Stadtkirche überreicht bekommt, wird sie wehmütig auf den nun endenden Lebensabschnitt zurückblicken – aber doch nicht ganz unkritisch: „Ich hätte mir gewünscht, dass mehr fürs Leben beigebracht worden wäre“, sagt Carolin. Nur gut, dass sie gelernt hat, auch selbst zu lernen.
Lucie Hübner (18) FOTO: L. HUEBNER
Lucie Hübner (18) FOTO: L. HUEBNER
Ein bisschen Angst hat Lucie Hübner schon, dass sie ihr ganzes Leben lang den Stempel des „Corona-Jahrgangs“ tragen muss, der „durchgeprügelt wurde“. „Dabei hat mich die Pandemie sogar weitergebracht“, ist sich die 18-Jährige sicher und meint damit die neu gewonnenen Erfahrungen in Selbstdisziplin und -management. Zu Hause habe sie sich auch besser konzentrieren können, weil nichts sie abgelenkt habe. Dass ihr Abiturjahrgang weniger gelernt hat als andere, glaubt sie daher nicht. Holprig sei es im Frühjahr 2020 aber schon gewesen, als plötzlich alle ins Homeschooling geschickt wurden. Viele Lehrer hätten eine Weile gebraucht, um sich auf die neue Situation einzustellen. „Auch der virtuelle Lernraum hakte immer wieder“, erinnert sich die Schülerin des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums in Friedrichshagen. Mit den Wochen und Monaten habe sich aber alles eingespielt. Videokonferenzen hätte Lucie gerne häufiger gehabt. „Ich bin eher extrovertiert und punkte vor allem durch meine Mitarbeit. Das war alleine zu Hause natürlich etwas schwierig. Ich musste mich ganz schön anstrengen, gute schriftliche Ergebnisse zu schaffen, und habe dann versucht, in den wenigen Videokonferenzen aufzuholen.“ Über den Präsenzunterricht ab Januar hat sie sich daher besonders gefreut. Nun, mit dem Abitur in der Tasche, möchte sie sich gerne auf die Kunst konzentrieren, vielleicht ans Theater gehen. Darstellendes Spiel hatte sie schon in der Schule und Kontakte zur Berliner Kulturszene über ihr Elternhaus. Aber auch eine Anstellung im Auswärtigen Amt mit Schwerpunkt Kultur kann sie sich vorstellen. Das würde auch gut zu ihren Leistungskursen Englisch und Spanisch passen. Wenn die Pandemie es zulässt, fliegt Lucie im September mit zwei Freundinnen nach Costa Rica, um dort freiwillige Arbeit zu leisten – einen Monat in einer Tierauffanggesellschaft, einen Monat in einer Einrichtung für Kinder und einen Monat reisen. Mit den frisch gewonnenen Erfahrungen will sie sich dann für einen Zukunftsweg entscheiden.
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