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Themenwelten Berliner Morgenpost
Ausbildung & Studium 2021

Berufe für Zahlenjongleure

Azubis und Studierende können in einem Steuerbüro verschiedene, aussichtsreiche Karrierewege einschlagen. Gefragt sind Genauigkeit, Spaß am Umgang mit Zahlen – und Diskretion

Zahlen, Zahlen, Zahlen. In der Wirtschaft dreht sich alles um Zahlen. Um positive wie negative. Wer dafür ein besonderes Faible hat, dem stehen gleich verschiedene Berufe in einem Steuerbüro offen. Dort sind Experten wie Steuerfachangellte/-r, vereidigte/-r Buchprüfer/-in, Steuerberater/-in oder Wirtschaftsprüfer/-in sehr gefragt und, bieten interessante Entwicklungsperspektiven.

Karriereperspektive bis hin zum Steuerberater

Steuerfachangestellte/-r ist sozusagen der Einstieg in die Zahlenjobs, wenn man nicht gleich ein Studium beginnt. Sie sind die wichtigsten Helfer der Steuerberater. Demzufolge werden die meisten Ausbildungsplätze auch in Steuerberatungskanzleien und -büros angeboten. Die duale Ausbildung dauert drei Jahre. In Berlin können Steuer-Azubis während eines vierjährigen Ausbildungsgangs gleichzeitig die Allgemeine Hochschulreife erwerben – die beste Voraussetzung für ein anschließendes Studium und die weiteren Karrierechancen.

Die Steuerfachkräfte erstellen Finanzbuchführungen und Lohn- und Gehaltsabrechnungen, bereiten Jahresabschlüsse vor, erarbeiten Steuererklärungen und prüfen Steuerbescheide. Nach der Ausbildung ergeben sich Aufstiegschancen durch Weiterbildungen, etwa zum Betriebswirt, Finanz- und Bilanzbuchhalter – der Einstieg in die Buchhalter-Berufe kann auch über eine andere kaufmännische Ausbildung erfolgen – oder Steuerfachwirt. Wer die Hochschulzugangsberechtigung besitzt, hat die Möglichkeit, nach der Ausbildung noch ein Steuerberater-Studium im Bereich Steuern und Prüfungswesen oder in Betriebswirtschaft zu absolvieren und später mit genügend Berufserfahrung die staatliche Steuerberaterprüfung abzulegen.

Spezialisierung im Studium ist sinnvoll

Die Steuerberaterprüfung ist eine der schwersten Prüfungen in Deutschland und hat eine hohe Durchfallquote – nur etwa die Hälfte der Prüfungsteilnehmer besteht im ersten Anlauf. „Alle anderen Themen müssen sich unterordnen, sonst schafft man das Examen erfahrungsgemäß nicht im ersten Versuch. Das ist dann nicht nur frustrierend, sondern auch sehr kostenintensiv, da man noch einmal weitere Lehrgänge absolvieren muss. Mein Tipp: Gründen Sie in der Zeit keine Familie, kriegen Sie keine Kinder und bauen Sie kein Haus“, rät daher der Berufsberater Stefan Mälz.

"Mein Tipp: Gründen Sie in der Zeit keine Familie, kriegen Sie keine Kinder und bauen Sie kein Haus"

Stefan Mälz, Berufsberater, über die Steuerberaterprüfung

Die hohen Anforderungen haben jedoch durchaus ihre Berechtigung, hat ein Steuerberater doch eine besondere Vertrauensposition inne. Zudem können Fehler bei der steuerlichen Beratung oder der Abgabe der Steuererklärung fatale Folgen für die Mandanten haben. Selbstverständlich muss sich der Steuerberater deshalb auch nach bestandener Prüfung kontinuierlich fortbilden und über sämtliche Änderungen des Steuerrechts informiert sein.

Ohne eine vorherige Ausbildung zum Steuerfachangestellten führt der Weg zum Steuerberater über ein Bachelor- oder Master-Studium, etwa in Betriebswirtschaft, in Volkswirtschaft, Wirtschaftswissenschaften oder in Jura. Mit einem Bachelor-Abschluss sind dann drei, mit dem Abschluss als Master zwei Jahre Berufserfahrung nötig, um zur Steuerberaterprüfung zugelassen zu werden.

Ein wirtschaftswissenschaftliches Studium ist normalerweise auch der erste Schritt für alle, die den Beruf des Wirtschaftsprüfers anstreben. Rund 85 Prozent der praktizierenden Wirtschaftsprüfer besitzen einen Abschluss in diesen Studiengängen. Zwingend erforderlich ist dieser jedoch nicht. Die Zulassung zur Prüfung als Wirtschaftsprüfer beziehungsweise Wirtschaftsprüferin setzt nur den Nachweis einer abgeschlossenen Hochschulausbildung sowie Berufspraxis voraus. Der Abschluss einer bestimmten Studienrichtung wird nicht verlangt.

Wirtschaftsprüfer beraten Unternehmen

Da das Wirtschaftsprüfungsexamen jedoch einen hohen Kenntnisstand im Bereich der Wirtschaftswissenschaften erfordert, erleichtert eine entsprechende Spezialisierung die weitere berufliche Laufbahn.

So sind im Rahmen des wirtschaftswissenschaftlichen Studiums die Studienschwerpunkte „Wirtschaftsprüfung“ und „Betriebliche Steuerlehre“ sowie „Steuerrecht“ zu empfehlen. Wirtschaftsprüfer haben vor allem die Aufgabe, betriebswirtschaftliche Prüfungen von Wirtschaftsunternehmen, insbesondere von Jahresabschlüssen, durchzuführen und die Ergebnisse solcher Prüfungen zu testieren. Auch die steuerliche Beratung der Unternehmen gehört zumeist zu ihren Aufgaben. Häufig gehen daher auch Steuerberater den Schritt zum Wirtschaftsprüfer, zumal sie eine verkürzte Prüfung ablegen können.

Neben den Wirtschaftsprüfern gibt es noch die vereidigten Buchprüfer, allerdings mit geringeren Kompetenzen und Zugangsvoraussetzungen. Vereidigte Buchprüfer dürfen beispielsweise keine Jahresabschlüsse großer Unternehmen prüfen und testieren. Meist handelt es sich bei ihnen um Steuerberater und Rechtsanwälte mit entsprechender Fortbildung. Künftig ist eine Zusammenführung der beiden Prüfberufe angedacht. Uwe Lehmann

Steuerfachangestellte/-r

Ausbildungsdauer: 3 Jahre
Voraussetzung: MSA, befriedigende Kenntnisse in Mathe und Deutsch
Ausbildungsgehalt: 1. Jahr 800, 2. Jahr 850, 3. Jahr 950 Euro
Einstiegsgehalt: 1600–2200 Euro
Weiterbildung: Steuerberater, Steuerfachwirt, Bilanzbuchhalter, Controller

Steuerberater/-in

Voraussetzung: Zulassung zur Steuerberaterprüfung
Ausbildung: Ausbildung zum Steuerfachangestellten, plus 10 Jahre Praxiserfahrung, oder: Ausbildung zum Steuerfachangestellten mit anschließender Weiterbildung zum Steuerfachwirt, plus Praxiserfahrung von 7 Jahren,
oder: Studium (z. B. BWL, VWL, Wirtschaftswissenschaften), plus 2–3 Jahre Praxiserfahrung
Einstiegsgehalt: ca. 4000 Euro

Wirtschaftsprüfer/-in

Ausbildung: Prüfung zum Wirtschaftsprüfer
Voraussetzung: Abgeschlossenes Hochschulstudium (vorzugsweise in einem wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang), plus mehrjährige Praxiserfahrung
Einstiegsgehalt: 3000–4500 Euro

Buchprüfer/-in

Ausbildung: Fortbildung zum/zur vereidigten Buchprüfer/-in
Voraussetzung: Laufbahn als Rechtsanwalt oder Steuerberater, plus Praxiserfahrung
Einstiegsgehalt: ca. 3500 Euro
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