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Themenwelten Berliner Morgenpost
Ausbildung & Studium 2021

Aller Anfang ist schwer

Wer sich frühzeitig informiert, ist gut gewappnet für das erste Semester an Universität oder Hochschule – Studienberatungen helfen mit Tipps

Studienanfänger empfinden die Uni am Anfang oft als unübersichtlich. UNITONEVECTOR / ISTOCK

Und wieder einmal beginnt für viele junge Menschen der berühmte „Ernst des Lebens“. Wie oft denn noch, mögen sich viele fragen. Dabei lockt das Studierendenleben mit Unabhängigkeit, Auslandssemestern, Partys und vielen neuen Freunden. Aber das Verlassen der Komfortzone Schule, die mit Stundenplan, und Anwesenheitspflicht noch geregelt und kontrolliert war, hin zum selbstbestimmten Studienalltag an der Uni ist ein großer Schritt. Wer sich gut informiert, kommt gut durchs Studium.
Die wohl bekanntesten Anlaufstellen für Beratungen sind die Allgemeinen Studienberatungen der Universitäten und Hochschulen. Unbekannter sind die Studienfachberatungen an den einzelnen Fakultäten, die noch spezifischer auf die Fragen antworten können.

Der Lerntyp ist wichtig

Und dann gibt es noch private Studienberatungen wie PlanZ, für die Petra Murray arbeitet. In ihre Sprechstunde kommen viele junge Menschen, die Hilfe suchen. „Viele sind verunsichert, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt“, sagt sie. Zunächst klärt sie mit ihnen ab, was für ein Lerntyp sie sind. Wer gerne theoretisch und wissenschaftlich arbeite und wenig soziale Kontrolle wolle, könne das Studium an einer großen Universität aufnehmen. An Fachhochschulen hingegen sei das Studium oft anwendungsorientierter und verschulter. „Hochschulen bilden einen geschützten und sicheren Rahmen“, sagt sie. Schon die richtige Entscheidung im Vorfeld darüber, welcher Hochschul-Typ man sei, könne bei einem guten Start in die akademische Ausbildung helfen. Ihrer Meinung nach bereiten die Schulen die jungen Menschen nicht optimal auf den Alltag an einer Hochschule vor. „Das Schulsystem ist so ausgelegt, dass die Jugendlichen nicht lernen, wie sie sich selbst organisieren, selbstständig lernen und sich Wissen aneignen können.“ Sie lernten für die Klausuren, die engmaschig durchgeführt würden. Belohnt oder bestraft würde ihre Leistung durch Noten.

"Es dauert ein Semester, bis man sich in seine neue Rolle an der Uni gefügt hat"

Petra Murray, Studienberatung PlanZ

„Viele haben im Alter von 17 oder 18 Jahren noch nicht die Erfahrung gemacht, dass sie Wissen für sich selbst erlangen, um es später in anderen Kontexten wieder zusammenzusetzen“, sagt sie. Natürlich sei das von Schule und Elternhaus abhängig, fügt sie relativierend hinzu. Aber für viele sei genau das eine Hürde. „Studieren ist eine neue Art zu lernen“, sagt sie. „An der Uni gibt es keine kurzfristigen Kontrollen, sondern am Semesterende eine Klausur.“ Sie empfiehlt den Studierenden, sofort damit zu beginnen, Vorlesungen aufzuarbeiten – und sich das Wissen bis zu den Klausuren nach und nach aufzubauen.

Petra Murray findet es wichtig, sich schon vor Semesterstart mit dem Studium zu befassen und nicht ins kalte Wasser zu springen. „Es ist gut, sich die Modulpläne anzuschauen und sich mit ihren Inhalten auseinanderzusetzen.“ Auch ein Campus-Besuch der Wunsch-Uni sei zu empfehlen, um die Gegebenheiten vor Ort kennenzulernen – wo ist die Mensa, wo liegt die Bibliothek – und wo die eigene Fakultät. „Viele Hochschulen bieten auch Brückenkurse an, in denen Schulabgänger Wissen zum Beispiel in Mathe oder Physik auffrischen können“, sagt sie. Die Kurse geben erste Einblicke in das Studium. Zurzeit finden sie vorwiegend online statt. Doch auch über Zoom ist es möglich, schon Menschen aus dem eigenen Semester kennenzulernen.

Sie rät, sich im Vorfeld an die Studienfachberatungen der Universitäten und Hochschulen zu wenden. Hier arbeiten Studierende für Studierende. Sie kennen die Fakultät, den Fachbereich, sind oft in einem höheren Semester des gewählten Studiengangs und können detaillierte Informationen zu Lehrenden, dem Studienaufbau und zur Gestaltung des Stundenplans geben.

Erfahrungen sammeln

Sie wissen auch, wo sich die Erstsemester engagieren können, um Kontakte zu anderen Studierenden zu finden. Denn in Corona-Zeiten, wo viele Erstsemestertage virtuell stattfinden, ist das eine besonders große Herausforderung für Studienanfänger.

Zwei Ratschläge möchte Petra Murray noch unbedingt loswerden. Abiturienten sollten mit Familie und Freunden reden, die schon studiert haben oder noch dabei sind, und ihre Erfahrungen einholen. Und wenn sie dann an der Uni sind, sollten sie in Ruhe die neuen Strukturen kennenlernen. „Es dauert ein Semester, bis man sich in seine neue Rolle als Studierender gefügt hat“, sagt sie. Und die Zeit der Eingewöhnung solle man sich nehmen.
Dagmar Trüpschuch
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