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Themenwelten Berliner Morgenpost
Ausbildung & Studium 2021

Neue Umstände – anderes Lernen?

In diesem Herbst beginnen Studium und Berufsausbildung unter besonderen Corona-Einschränkungen – das gibt es zu beachten

Schutzmaßnahmen gehören aktuell auch während der Ausbildung zum Alltag. GRAFIK: GETTY

Die Universitäten lehren häufig nur digital. Auch die Ausbildungen laufen anders als normal. Für Eric Müller begann in diesem Sommer ein neuer Lebensabschnitt. Seit dem 3. August absolviert er seine Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker bei einem der größten Berliner Bauunternehmen. Dreieinhalb Jahre dauert die Lehre.

Eine Berufswahl, mit welcher der gebürtige Kieler, der seit 16 Jahren in Berlin lebt, sehr glücklich ist. Trotz der Corona-Pandemie läuft die Ausbildung des 29-Jährigen reibungslos. Er spürt keine großen Einschränkungen, denn er arbeitet hauptsächlich in einer Werkstatt des Unternehmens, wo er Baumaschinen, Lastwagen und Bagger repariert. Dort arbeiten nur wenige Personen, weshalb Abstands- und Hygieneregeln gut eingehalten werden können und die Infektionsgefahr gering ist, erzählt Müller. In seiner Berufsschule sind Mund- und Nasenschutz in öffentlichen Räumen – wie den Fluren – Pflicht. „Die einzige komische Situation war für mich das Bewerbungsgespräch“, erinnert er sich. Alle Beteiligten trugen eine Maske. „Da ist es gar nicht so einfach, die Mimik des Gegenübers zu deuten“, sagt er. Dem Erfolg seiner Bewerbung hat das nicht geschadet. Seiner beruflichen Zukunft blickt er optimistisch entgegen. Seiner Erfahrung nach gibt es im Tiefbau aktuell sehr wenig Einbußen: „Das Geschäft läuft ganz normal weiter.“
Die positive Erfahrung von Eric Müller entspricht laut IHK der günstigen Situation auf dem Berliner Ausbildungsmarkt. 13.900 Ausbildungsplätze werden insgesamt angeboten, mehr als 6300 Ausbildungsplätze sind noch immer frei, so Pressesprecherin Claudia Engfeld: „In den Bereichen Bau, Verkauf sowie Versicherungen und Finanzen verzeichnen wir sogar mehr Vertragsabschlüsse als im Vorjahr, auch wenn endgültige Zahlen noch ausstehen.“

Besonders viele vakante Ausbildungsplätze gibt es etwa noch im Einzelhandel, Büromanagement und bei Banken. Vor allem kleine und mittelgroße Betriebe hätten noch zahlreiche freie Plätze zu besetzen, beispielsweise in Ausbildungsberufen wie Feinoptiker, technischer Systemplaner, Maschinen- und Anlagenführer, Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft sowie Mechatroniker für Kältetechnik.

Schwieriger ist es in Branchen, die besonders von den Folgen der Pandemie betroffen sind, also bei Unternehmen, die noch nicht wissen, ob und wie sie die Krise überstehen. Das gilt vor allem für die Hotellerie, Gastronomie, Tourismus- und Veranstaltungsbranche. In diesen Bereichen gibt es in diesem Jahr weniger Ausbildungsplätze. Schätzungen zufolge sind es in der Gastronomie und Hotellerie bis zu 40 Prozent weniger als im Vorjahr, erläutert die IHK-Sprecherin.

Die größte Herausforderung bestand laut Engfeld in diesem Jahr darin, potenzielle Lehrlinge überhaupt zu erreichen. Jugendberufsagenturen mussten sich während des Lockdowns um andere Aufgaben kümmern, wie etwa um Kurzarbeitergeld-Anträge. Maßnahmen zur Berufsorientierung und Ausbildungsmessen fielen während der Schulschließungen komplett aus.

Auch die Universitäten in Berlin müssen sich auf besondere Schutzmaßnahmen für das Wintersemester 2020/2021 einstellen. Alle Berliner Hochschulen werden sowohl Digital- als auch Präsenz-Lehrveranstaltungen anbieten.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist etwa an der Freien Universität laut Goran Krstin, dem Pressesprecher des Präsidenten der Hochschule, aber längst nicht klar, wie viel digital und wie viel vor Ort stattfinden kann: „Die Fachbereiche, Zentralinstitute und -einrichtungen arbeiten derzeit noch daran, angesichts der jeweiligen Spezifika die Lehrveranstaltungen zu planen.“ Geht man von den aktuellen Rahmenbedingungen und den Abstands- und Hygieneregeln aus, werden an der FU Studium und Lehre im kommenden Wintersemester überwiegend in digitaler Form stattfinden, prognostiziert Krstin.

Wichtig ist der Hochschulleitung dabei aber, dass Lehrende und Studierende dennoch so oft wie möglich zusammenkommen, denn „Miteinandersein, Kommunikation und Interaktion vor Ort sind unersetzbare Dimensionen des Studierendenalltags an der Freien Universität“, betont Sprecher Krstin.

Deshalb sollen verschiedene Formate in Präsenz durchgeführt werden. Das betrifft etwa Angebote für den Beginn und Abschluss des Studiums, Lehr- und Begleitangebote für internationale Studierende und Austauschstudierende.

Wie schwierig es sein kann, den Präsenz-Studienbetrieb ordnungsgemäß zu gestalten, zeigt sich an der Belegung des Audimax im Hauptgebäude der TU Berlin. Das ist regulär für rund 1200 Personen ausgelegt. Unter den aktuellen Bestimmungen dürften sich darin derzeit aber nur 97 Personen gleichzeitig aufhalten. Ob das auch noch zu Semesterbeginn gilt, bleibt aber abzuwarten. Annette Walter
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