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Themenwelten Berliner Morgenpost
Ausbildung & Studium 2021

Unverzichtbar für die Versorgung der Stadt

Abwasser, Wasser, Müll, Strom – während des Lockdowns wurden diese Branchen als systemrelevant eingestuft

Alles in Ordnung? Die Qualität des Trinkwassers muss regelmäßig überprüft werden. FOTO: MALTE JÄGER

Gerade während des Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie wurde deutlich, wie dringend die Stadt auf die Mitarbeiter in der Ver- und Entsorgung angewiesen ist. Sie hielten die Stadt am Laufen und wurden daher auch als systemrelevant eingestuft. Volker Gustedt, Sprecher beim Energieversorger 50 Hertz, begründet das so: „Wir sind ein Unternehmen der kritischen Infrastruktur, in dem hochspezialisiertes Personal arbeitet, das nicht einfach zu ersetzen ist.“ Egal ob Müllentsorgung, Wasser oder Stromversorgung: Alle Unternehmen hatten ihre Pandemiepläne in der Schublade, um die Versorgung sicherzustellen. Aber die Landesunternehmen leisten noch mehr. So übernehmen die Wasserbetriebe jetzt vier Lehrlinge des ersten Lehrjahrs aus in der Pandemie insolvent gegangenen Firmen. „Unabhängig davon, dass wir viele Talente suchen, sehen wir als landeseigenes Unternehmen auch eine Verpflichtung zur Entlastung des angespannten Ausbildungsmarktes“, sagt Kerstin Oster, Personalvorstand der Berliner Wasserbetriebe. Doch oft fehlt es an Nachwuchs. Hier ein Überblick. Simone Jacobius

Fachkräfte für Wasserversorgungstechnik

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Eine gute Wasserqualität und eine sichere Wasserversorgung sind lebenswichtig. Die Hauptaufgabe der Fachkräfte für Wasserversorgungstechnik besteht darin, einwandfreies Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Dafür muss das sogenannte Rohwasser, das über Brunnen aus der Erde gefördert wird, aufgearbeitet werden.

Das Wasser fließt in sogenannte Vorlagebehälter, in denen sich der Sand absetzt. Durch ultraviolette Strahlung werden zudem Keime abgetötet. In Filteranlagen oder Reaktionsbecken werden dem Wasser durch Zugabe verschiedener Chemikalien anschließend weitere unerwünschte Begleitstoffe entzogen. Nach der vollständigen Aufbereitung wird das Wasser in Hochbehältern gespeichert, aus denen es direkt ins Leitungsnetz abgegeben werden kann. Die Fachkraft für Wasserversorgung überprüft und dokumentiert die Wasserqualität, setzt Chemikalien zu, legt Rohre und Leitungen, setzt Hydranten und bedient Maschinen. Arbeitgeber sind in der Regel kommunale oder industrielle Wasserwerke, Wasseraufbereitungsunternehmen oder auch Pumpstationen. Die Ausbildung verläuft dual und dauert drei Jahre. Empfohlen wird der Mittlere Schulabschluss. Das Gehalt ist überdurchschnittlich zu anderen Ausbildungsberufen.
 
Ausbildungsdauer: 3 Jahre
Voraussetzung: MSA, befriedigende Kenntnisse in Mathe, Physik, Chemie, technisches Verständnis
Ausbildungsgehalt: 1. Jahr 874, 2. Jahr 949, 3. Jahr 1040 Euro. Wer im öffentlichen Dienst angestellt wird, verdient nach Tarif – etwa 100 Euro mehr im 3. Ausbildungsjahr.
Einstiegsgehalt: 1600–2400 Euro
Weiterbildung: Meister, Techniker, Umweltschutzfachwirt, Studium

Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft

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Papier, Plastik, Flaschen oder Metalle – es gibt zahlreiche Produkte, die noch weiterleben, obwohl wir sie längst weggeschmissen haben. Denn das Recycling schenkt ihnen ein zweites Leben und ist damit die umweltfreundlichste Entsorgungsmethode. Das funktioniert aber nur mit den entsprechenden Fachkräften für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Die abwechslungsreiche, aber anstrengende und manchmal auch anrüchige Arbeit wird gut bezahlt. Da der Mensch nie aufhören wird, Müll zu produzieren, entwickelt sich die Müll- und Recyclingindustrie stetig weiter. Immer nachhaltiger, immer komplexer werden die Verfahren. Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft ist ein Beruf mit Zukunft, der einen Beitrag zum Umweltschutz leistet. Die Ausbildung wird von Müll- und Recyclingfirmen angeboten. Später kann man im Büro, in den Leitständen im Labor oder auf dem Werksgelände eingesetzt werden.
 
Ausbildungsdauer: 3 Jahre
Voraussetzungen: MSA, Interesse für Naturwissenschaften, Teamplayer, Organisationstalent
Ausbildungsgehalt: 1. Jahr 610–850, 2. Jahr 660–900, 3. Jahr 730–950 Euro (in der Industrie wird weniger verdient als im öffentlichen Dienst)
Einstiegsgehalt: 1200–2000 Euro, je nach Region und Firma
Weiterbildung: Meister, Fachwirt, Techniker, Studium

Fachkräfte für Abwassertechnik

Kanalinspektion. FOTO: MALTE JAEGER
Kanalinspektion. FOTO: MALTE JAEGER
Kläranlagen sind zwar wichtig, aber nicht für jeden etwas. Wer empfindlich gegenüber unangenehmen Gerüchen ist, sollte keine Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik machen. Denn als solche muss man die Abläufe in Entwässerungsanlagen überwachen, steuern und dokumentieren, damit in allen Haushalten klares, sauberes Wasser fließen kann. Das meiste regeln Maschinen, die es zu überwachen gilt. Die Ausbildung wird hauptsächlich in Kläranlagen, bei Abwasserverbänden oder in Wirtschaftsbetrieben mit eigener Abwasserreinigung absolviert. Neben dem Überwachen der Maschinen in der Kläranlage müssen auch Messdaten abgelesen und analysiert werden.
 
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Daher findet die Arbeit zum Teil auch im Labor statt – ebenso wie im Büro. Denn alles muss in Berichten dokumentiert werden. Aber auch Reinigungsarbeiten oder Kanalinspektionen gehören in den Tätigkeitsbereich der Fachkraft für Abwassertechnik. Ebenso elektrotechnische Arbeiten an den Anlagen.
 
Ausbildungsdauer: 3 Jahre
Voraussetzung: MSA, räumliches Vorstellungsvermögen, gute Körperbeherrschung, Unempfindlichkeit gegenüber Gerüchen, technisches Verständnis, Spaß an Mathe, Bio und Chemie
Ausbildungsgehalt: 1. Jahr 874, 2. Jahr 949, 3. Jahr 1040 Euro
Einstiegsgehalt: 1600–2400 Euro
Weiterbildung: Meister, Techniker, Umweltschutzfachwirt, Studium

Elektrotechniker für Betriebstechnik

Komplexe elektrische Anlagen müssen überwacht und eingerichtet werden. FOTO: JAN PAULS
Komplexe elektrische Anlagen müssen überwacht und eingerichtet werden. FOTO: JAN PAULS
Kochen, Haare föhnen, telefonieren oder einfach nur für Licht und Wärme: Ohne Strom geht es nicht. Wer direkt in den großen Energiekonzernen arbeiten will, lernt am besten den Beruf des Elektrotechnikers für Betriebstechnik. Die hoch qualifizierten Fachkräfte arbeiten in der Betriebsüberwachung und sorgen dafür, dass möglichst kein Blackout passiert. Sie punkten mit einem umfangreichen Wissen über die Wirkungsweise sowohl elektrischer Energieanlagen selbst als auch über Maschinen und Anlagen, die durch elektrische Motoren angetrieben werden. Sie sind verantwortlich für die Instandhaltung, Wartung und Reparatur solcher Einrichtungen einschließlich deren Überwachung.
 
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Elektrotechniker für Betriebstechnik finden Jobs bei Energieversorgern und Kraftwerkbetreibern, aber auch in der Bauinstallation, der Elektroinstallation und im Elektromaschinenbau, sie sorgen für die richtige Verteilung des Stroms und für die richtigen Schaltungen. Auch bei der Herstellung von Elektromotoren punkten sie mit ihrem Wissen. Sie suchen Fehler, installieren, programmieren und erklären anderen die Nutzung. Während es in Handwerksbetrieben mehr um Neuinstallationen geht, geht es in der Industrie vor allem um Instandhaltung und Wartung bestehender Energieanlagen.
 
Ausbildungsdauer: 3,5 Jahre
Voraussetzung: Hauptschulabschluss, technisches Verständnis, Geschick und Geduld, Teamfähigkeit, Interesse an Mathe und Physik
Ausbildungsgehalt: 1. Jahr 700–930, 2. Jahr 750–980, 3. Jahr 800–1060, 4. Jahr 850–1120 Euro
Einstiegsgehalt: 2450–2800 Euro
Weiterbildung: Industriemeister, technischer Fachwirt, Prozessmanager, Techniker, Studium
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