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Ausbildung & Studium

Am Reagenzglas

Eine Ausbildung zum Laboranten ist nicht nur abwechslungsreich – sie eröffnet auch spannende Perspektiven

WGLi
Sie arbeiten in der Pharmaindustrie und sind an der Herstellung von Farben- und Lacken, Nahrungsmitteln und Kosmetika beteiligt. Laboranten mit ihren unterschiedlichen Spezialisierungen sind in den verschiedensten Branchen gefragt. Dort bereiten sie Versuchsreihen vor und führen diese durch. Sie analysieren Stoffe, stellen chemische Substanzen her und werten die protokollierten Ergebnisse aus.

Wer sich für die Arbeit im Labor interessiert, kann zwischen unterschiedlichen Spezialisierungen wählen. Lacklaboranten arbeiten bei Unternehmen aus der Farben-Industrie in der Forschung und Entwicklung. Sie optimieren das bestehende Sortiment, erarbeiten neue Druck-, Lack- oder Wandfarben und prüfen sie – und das nicht ausschließlich im Labor, sondern auch in anderen Testumgebungen. Chemielaboranten findet man in der Industrie, in Forschungseinrichtungen, an Hochschulen, aber auch bei Umweltämtern. Ihre Arbeit besteht darin, organische und anorganische Stoffe zu prüfen und chemische Prozesse zu untersuchen. Zudem stellen sie Stoffgemische her und protokollieren ihre Arbeit. In Berlin bilden zum Beispiel Bayer oder Berlin Chemie, aber auch die Technische Universität Berlin (TU) Chemielaboranten aus.

Seit 2020 gilt eine neue Ausbildungsordnung

Jobs für Biologielaboranten gibt es zum Beispiel in der Forschung. Sie beschäftigen sich mit so unterschiedlichen Dingen wie Molekularbiologie, Gentechnik und Pflanzenschutz. Dabei können auch Versuche an Tieren oder mit radioaktiven Substanzen auf der Tagesordnung stehen.

"Die Digitalisierung schreitet auch in den chemischen und biologischen Laboren immer weiter voran."

Dr. Stephanie Conein, Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn

2020 trat für alle drei Laborberufe eine neue Ausbildungsordnung in Kraft. Sie soll der Digitalisierung der Laborberufe in der Praxis Rechnung tragen. „Die Digitalisierung schreitet auch in den chemischen und biologischen Laboren immer weiter voran“, erläutert Stephanie Conein vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Die Vernetzung von IT- und Labor-Management-Systemen, der Einsatz mobiler Endgeräte und Roboter, intelligenter Software und Apps, die Nutzung umfangreicher Datenanalysen (Big-Data) und Simulationen bis hin zum Einsatz künstlicher Intelligenz sind Beispiele für den Fortschritt der Digitalisierung in den Laborberufen.

Doch längst nicht alle Betriebe arbeiten mit diesen Technologien. „Der Stand der Entwicklung ist von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich“, betont Stephanie Conein. Aus diesem Grunde wurden das Thema Digitalisierung in Form von zwei Wahlqualifikationen in die neue Ausbildungsordnung eingeführt. So können die ausbildenden Betriebe selbst entscheiden, ob sie in diesen Schwerpunkten ausbilden möchten oder nicht.

Die Wahlqualifikation „Digitalisierung in Forschung, Entwicklung, Analytik und Produktion“ bündelt alle Kompetenzen, die für die Arbeit in einer digitalen Laborumgebung notwendig sind. Das reicht vom Arbeiten in virtuellen Teams oder von dem Durchführen von Simulationen über das Erfassen, Prüfen und Auswerten von Daten, bis hin zum Einhalten rechtlicher und betrieblicher Vorgaben zum Schutz und zur Sicherheit digitaler Daten.

Bei der neuen Wahlqualifikation „Arbeiten mit vernetzten und automatisierten Systemen“ geht es dann um das Einrichten, Prüfen und Optimieren von Labormanagement und Laborinformationssystemen sowie die Arbeit mit diesen digitalen Technologien. Sie beinhaltet auch das Erkennen von Störungen und die Einleitung von Maßnahmen zu deren Beseitigung.

Wer sich für diese Themengebiete interessiert, sollte sich gezielt einen Ausbildungsbetrieb aussuchen, der die Wahlqualifikationen anbietet. An der Dauer der Ausbildungen von üblicherweise dreieinhalb Jahren hat sich durch die neuen Regelungen nichts geändert. Bei sehr guten Leistungen kann die Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzt werden. Auch Abiturienten können die Lehrzeit reduzieren.

Angehende Labor-Azubis sollten einen guten mittleren Schulabschluss (MSA) mitbringen. Besonders ins Gewicht fallen die Leistungen in Chemie und Physik. Ein Interesse an Naturwissenschaften sollte vorhanden sein. Einige Ausbildungsbetriebe führen zusätzlich Eignungstests mit den Bewerberinnen und Bewerbern durch.

Laborarbeit erfordert Teamfähigkeit

Laboranten sind keine Eigenbrötler. Sie arbeiten in Gruppen oft über Fächergrenzen hinweg und sollten daher kommunikativ und teamfähig sein. Die Ausbildungen in den Laborberufen sind dual organisiert. Das bedeutet, je nach Ausbildungsort gibt es ein- bis zweimal pro Woche, oder im Block, Unterricht an der Berufsschule. Den Rest der Zeit arbeiten die Azubis in ihrem Betrieb.

Wer sich nach seiner Ausbildung in einem Laborberuf weiterbilden möchte, kann nach zwei Jahren einschlägiger Berufspraxis in seiner jeweiligen Fachrichtung die Prüfung zum Industriemeister ablegen. Auch ein Studium ist denkbar, zum Beispiel ein Bachelor of Engineering Chemietechnik, ein Bachelor of Science Chemie oder ein Bachelor of Engineering Pharmatechnik. Anschließend können sich Interessierte mit einem Master noch stärker spezialisieren und die Karriereleiter weiter emporklettern. JUDITH JENNER
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