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Themenwelten Berliner Morgenpost
Ausbildung & Studium

Berufe mit grünem Nebeneffekt

Nachhaltigkeit, Ökologie und Umwelttechnik spielen in vielen Branchen eine große Rolle. In Berlin und Brandenburg gibt es einige Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten mit diesen Schwerpunkten

Ökolandbau und Vermarktung zu studieren hilft, einen Bio-Bauernhof erfolgreich zu betreiben. FOTOS (2): GETTY IMAGES

Polizei Berlin
Erneuerbare Energie weiter entwickeln, kreative Abfallvermeidungslösungen finden oder die biologische Vielfalt erhalten: Viele Motive bewegen junge Leute dazu, sich für einen Beruf mit Bezug zu Umwelt- und Naturschutz zu interessieren. Sich genau über Studien- und Ausbildungsinhalte zu informieren und über die eigenen Ziele klarzuwerden, ist wichtig. Denn davon hängt ab, ob der Schwerpunkt mehr auf Technik, Naturwissenschaft, Wirtschaft oder kreativen und sozialen Aspekten liegen soll.

Technische Studiengänge

Bereits seit mehr als 40 Jahren bietet die Technische Universität (TU) Berlin den Studiengang „Technischer Umweltschutz“ an – ein klassisches Ingenieurs-Studium, das sehr naturwissenschaftlich und mathematisch geprägt ist. Ebenfalls an der TU angesiedelt sind der Bachelor und der Master „Ökologie und Umweltplanung“. Auch die Beuth-Hochschule für Technik Berlin bietet zwei technische Bachelorstudiengänge an: „Green Engineering – Verfahrenstechnik“ und „Umweltingenieurwesen Bau“. Ganz allgemein „Umweltingenieurwesen“ kann man im Bachelor und im Master auch an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus studieren.

An der Schnittstelle zwischen Technik und Wirtschaft bieten die Wirtschaftsingenieurs-Studiengänge Inhalte aus beiden Welten auch mit Umweltbezug an, etwa in „Wirtschaftsingenieur/-in Energie und Umweltressourcen“ und „Wirtschaftsingenieur/-in Umwelt und Nachhaltigkeit“, die von der Beuth-Hochschule und der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Kooperation angeboten werden. Ebenfalls an der HWR befasst sich ein Master-Studiengang mit „Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement“. Und auch die TU Berlin bietet „Nachhaltiges Management“ (Bachelor) an.
Solaranlagen gehören mittlerweile zur Energie- und Gebäudetechnik.
Solaranlagen gehören mittlerweile zur Energie- und Gebäudetechnik.
Gleich vier Studiengänge, die wirtschaftliche Inhalte mit Nachhaltigkeit zusammenbringen, finden sich an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNEE). Neben „Nachhaltige Ökonomie und Management“ (Bachelor) und „Nachhaltige Unternehmensführung“ und „Nachhaltiges Tourismusmanagement“ (beide Master) startet nun neu in diesem Wintersemester der Masterstudiengang „Sustainable Entrepreneurship and Social Innovation“. „Die Wirtschaftsstudiengänge sind bei uns auf Nachhaltigkeitsthemen spezialisiert“, erklärt Josefine Brodhagen, Leiterin des Career Service der HNEE. „Zu der klassischen betriebswirtschaftlichen Ausbildung kommen immer auch ökologische und soziale Fragestellungen hinzu.“ Daneben gibt es an der Fachhochschule nördlich von Berlin mehr als 15 weitere Studiengänge mit Nachhaltigkeitsbezug, etwa „Ökolandbau und Vermarktung“ oder auch „Holztechnik“.

Die Berufsperspektiven der Absolventinnen und Absolventen sind breit gefächert. „Laut der letzten Befragung sind 29 Prozent im öffentlichen Dienst, 13 Prozent bei NGOs und 58 Prozent in der Privatwirtschaft tätig“, so Josefine Brodhagen. Dazu gehören auch die Unternehmensnachfolge, die Übernahme eines landwirtschaftlichen Betriebes oder Neugründungen und Start-ups. „Die Absolventen wollen mit einer Gründung nicht nur sich selbst verwirklichen, sondern als Unternehmerin oder Unternehmer das an der Hochschule gelernte in der Praxis anwenden“, berichtet Robert Schmidt, Leiter des Gründungszentrums an der HNEE, von der Motivation der Gründerinnen und Gründer.

Auch wer etwas Ausgefalleneres sucht, wird in Berlin und Brandenburg fündig: An der Beuth-Hochschule und an der Technischen Hochschule in Brandenburg an der Havel werden Bachelorstudiengänge zur Elektromobilität angeboten. Mit Stadtbäumen und generell der städtischen Umwelt beschäftigt sich – ebenfalls an der Beuth-Hochschule – der Studiengang „Urbanes Pflanzen- und Freiraum-Management“. Und Nachhaltigkeit in der Modebranche ist Gegenstand im Bachelor „Sustainable Fashion“ an der privaten Business School Berlin - Hochschule für Management und im Masterstudiengang „Sustainability in Fashion and Creative Industries“ an der AMD Akademie Mode & Design der ebenfalls privaten Hochschule Fresenius in Berlin. Mit Stichworten wie „umwelt“, „nachhaltig“, „ecologic“ oder „sustainable“ lassen sich all diese und noch mehr grüne Studiengänge auf Studienwahl.de finden.

Grüne Jobs ohne Studium

Jobs mit Umweltbezug gibt es aber nicht nur für Akademiker. Zahlreiche umweltrelevante Berufe sind über eine duale Ausbildung erreichbar. Als Voraussetzung wird meist mindestens ein mittlerer Schulabschluss erwartet. Im ursprünglichen Verständnis werden als „grüne Berufe“ 14 Ausbildungsberufe in den Bereichen Land- und Ernährungswirtschaft bezeichnet, die unmittelbar mit Natur oder mit Naturprodukten zu tun haben. Gärtner, Landwirt, Forstwirt oder Tierwirt gehören dazu, aber auch Pflanzentechnologe, Brenner, Revierjäger, Winzer und Pferdewirt.

Es gibt jedoch noch weitere Berufe, die zum Umweltschutz, zu ressourcenschonender Produktion oder fairem Handel beitragen. Neue Berufsbilder sind in den vergangenen Jahren vor allem in der Umwelttechnologie entstanden. Solarpanels und Wärmepumpen installieren, Gebäude mit effizienter Klimatechnik ausstatten oder Fahrzeuge mit Elektroantrieb warten – die Grundlage für solche Tätigkeiten ist oft eine „klassische“ Ausbildung mit modernen Inhalten. Dazu gehören zum Beispiel Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik oder Kfz-Mechatroniker.

Umweltrelevante Tätigkeiten üben auch die Fachkräfte für Wasserversorgungstechnik, Abwassertechnik oder Kreislauf- und Abfallwirtschaft aus. Schließlich sind sie für sauberes Trinkwasser, die Reinigung von Abwässern oder die korrekte Entsorgung oder Wiederverwertung von Abfällen zuständig. Zur Elektromobilität zählen nicht nur die Fahrzeuge, sondern auch Batterie-Technik und Ladeinfrastruktur. Das Thema ist Bestandteil der meisten dualen Ausbildungsgänge für Berufe mit Relevanz für die Elektromobilität, etwa in der Elektro- und IT-Industrie, in den elektro- und informationstechnischen Handwerken und im Kfz-Gewerbe. CHRISTINE PERSITZKY
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