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Ausbildung & Studium

Der Traum vom Künstlerleben

Eignungsprüfungen an Kunsthochschulen sind gefürchtet. Bei den staatlichen Angeboten in der Hauptstadt ist der Andrang der Bewerber dennoch weiterhin hoch

Freie künstlerische Entfaltung ist das Ziel vieler Studierender. FOTO: GETTY IMAGES

bbw Hochschule University of Applied Sciences
Musiker zieht es an die „Hanns Eisler“, Schauspieler an die „Ernst Busch“, Maler an die Universität der Künste und Designer nach Weißensee. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Auch an der „UdK“ werden Schauspieler ausgebildet. Malerei gehört in Weißensee ebenfalls zum Angebot. Und längst nicht alle Absolventen der Hochschule für Musik sind Instrumentalisten. Das Studienangebot ist weitaus größer.

Fakt ist aber, dass es ebendiese vier renommierten Kunsthochschulen sind, an denen aktuell mehr als 5300 Studierende zu professionellen Künstlern ausgebildet werden. Ein Berufswunsch mit Fallstricken: Nicht nur die Aufnahmeprüfung kann zur Tortur werden, auch die Jobaussichten sind alles andere als rosig – zumal die Absolventen noch mit jenen privater Institute konkurrieren müssen. Trotz unsicherer Zukunftsperspektiven ist der Andrang an den Kunsthochschulen hoch. Viele Berliner träumen von einem Künstlerleben. Für einige wenige wird dieses nach Jahren harter Arbeit Realität.

Talent und Erfahrung wichtiger als Noten

An den Kunsthochschulen gilt zunächst die Maxime: Wichtiger als gute Noten sind – je nach Studiengang unterschiedlich gewichtet – Talent, Begabung, Können und mitunter eine gewisse Vorerfahrung. Entsprechend dieser Maxime werden Studienplätze nicht nach Numerus clausus vergeben, stattdessen wird im Bewerbungsprozess die künstlerische Begabung geprüft. Wer Malerei, Mode-, Produkt- oder Textildesign studieren will, reicht in der Regel eine Mappe mit Arbeitsproben ein. Instrumentalisten müssen ein umfangreiches und gleichsam anspruchsvolles Programm vor einer Fachjury vortragen. Und angehende Schauspieler gleich in mehreren Runden Texte rezitieren und einstudierte Szenen spielen, Lieder vorsingen und in der Gruppe improvisieren.
Vor einer Spezialisierung, etwa auf Bildhauerei, gilt es, Grundlagen im Studium zu erlernen. FOTO: GETTY IMAGES
Vor einer Spezialisierung, etwa auf Bildhauerei, gilt es, Grundlagen im Studium zu erlernen. FOTO: GETTY IMAGES
Der Traum vom Künstlerleben beginnt bei vielen schon in jungen Jahren. Das ist beispielsweise bei Instrumentalisten der Fall. Gerade in den beliebten Fächern wie Violine und Klavierspiel, wo die spätere Virtuosität zumeist nur erreicht werden kann, wenn von Kindheitstagen an täglich mehrstündig geübt wurde. Es ist wenig überraschend, dass es vor allem die Absolventen der musikbetonten Bildungsinstitute wie dem Musikgymnasium „Carl Philipp Emanuel Bach Berlin“ oder des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums sind, die sich um eine Instrumentalausbildung an der „Hanns Eisler“ oder an der „UdK“ bewerben. Auch die öffentlichen Musikschulen dieser Stadt haben spezielle Förderprogramme für besonders talentierte Nachwuchskünstler. Ob diese eine Chance haben, angenommen zu werden, erproben sie in öffentlichen Vorspielen und vor allem in Wettbewerben wie „Jugend musiziert“.

Im Vorfeld der Aufnahmeprüfung ist es zudem ratsam, die Dozierenden der jeweiligen Hochschulen zu kontaktieren und von diesen eine Einschätzung einzuholen. Die „Hanns Eisler“ empfiehlt das Kennenlernen der Instrumentallehrer gar als Teil des Bewerbungsprozesses. Das ist auch sinnvoll, da die spätere Ausbildung in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptfachlehrer stattfindet. So vermeidet man von vornherein Disharmonie.

Konkurrenz aus dem Bundesgebiet

Anders sieht es da bei angehenden Schauspielern aus, die eher als Kohorte auftreten, als Gruppe, die schon im Bewerbungsprozess anfängt zusammenzuwachsen. Wer als Berliner in seiner Heimatstadt Schauspiel studieren will, muss sich mit Bewerbern aus der ganzen Republik messen, weil insbesondere die „Ernst Busch“ als eine der besten Schauspielschulen des Landes gilt. Diese nimmt allerdings erst wieder im Sommersemester 2023 neue Studierende an. Anders als die „UdK“, wo im Herbst der Bewerbungsprozess für den 22er-Jahrgang startet.

Unterm Strich ähnelt sich die Aufnahmepraxis: An der „UdK“ gibt es zwei Vorprüfungen, mittels derer rund 30 Bewerber ausgewählt werden. In einer sich anschließenden Zulassungsprüfung wird nicht Wissen abgeprüft, sondern Fähigkeiten, Anlagen, Möglichkeiten, Begrenzungen. Während der Ausbildung haben die Studierenden erste Chancen, Bühnenerfahrung zu sammeln: im Rahmen studentischer Projekte, aber auch in Kooperationen mit den großen Theatern dieser Stadt.

Bevor Kunststudierende in Weißensee sich in den Fächern Malerei, Bildhauerei oder einem der Designfächer spezialisieren, steht zunächst ein einjähriges künstlerisch-gestalterisches Grundlagenstudium auf dem Programm.

Gleiches gilt auch für das Studium der Bildenden Künste an der „UdK“, wo erst im Anschluss an dieses die Aufnahme in eine Fachklasse erfolgt. Das wichtigste Element im Bewerbungsprozess ist die eigene Mappe. Bewerbern wird geraten, sich dabei Hilfe zu suchen, etwa vom ehemaligen Kunstlehrer. Es gibt zudem spezielle Dienstleister, die bei Konzeption und Zusammenstellung beraten. Und auch die Kunsthochschulen selbst bieten Studieninteressierten diese Möglichkeit, teilweise auch in Einzelsitzungen. Die Termine hierfür werden regelmäßig auf den Websites der Hochschulen veröffentlicht.

Bei der Wahl des Studienfaches lohnt es sich, nicht zu festgelegt zu sein. Eine Absage in einem populären Fach muss nicht das Ende des Künstlertraums bedeuten. Denn die Kunsthochschulen bieten vielfach artverwandte Fächer an, bei denen es weniger Konkurrenz gibt. Statt Solist zu werden, können Musiker überlegen, auf Lehramt zu studieren. Die Jobaussichten sind ideal, da Musik in Berlin ein Mangelfach ist. Gleiches gilt auch für die Kunsterziehung. An der „Hanns Eisler“ gibt es zudem das Fach Puppenspiel, das ebenfalls in die elementaren Schauspieltechniken einführt. Und am Ende doch zum Traumberuf führen kann. MAX MÜLLER
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