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Ausbildung & Studium

Fürs Portemonnaie, fürs Studium oder die Karriere?

Viele Studierende haben einen Nebenjob. Die einen brauchen ihn, um ihr Studium zu finanzieren, andere wollen die Weichen für den Berufseinstieg stellen. Welche Möglichkeiten gibt es?

Viele Nebenjobs lassen sich mit persönlichen Interessen und Talenten verbinden. FOTO: GETTY IMAGES

Polizei Brandenburg
Die vergangenen Monate waren auch für Studierende nicht einfach. Neben den Hürden der Onlinelehre plagten viele von ihnen Geldsorgen. Klassische Nebenjobs, wie sie die Gastronomie- und Eventbranche bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie boten, fielen schlagartig weg. Fündig wurden Studierende hingegen im Lebensmittelhandel, als Covid-Tester und Helfer in Impfzentren oder in der Sicherheitsbranche. Seit dem Ende des letzten Lockdowns erholt sich die Wirtschaft langsam. Und auch Studierende finden wieder einfacher Stellen.

Studierende finden Arbeitgeber per App

Was früher mittels eines Aushangs am Schwarzen Brett gelang, ist heute vor allem digital möglich. Große Unternehmen offerieren auf ihren eigenen Internetpräsenzen und auf den gängigen Jobportalen wie Stepstone und Indeed sowie auf Karrierenetzwerken wie LinkedIn und Xing ihre Vakanzen. Apps wie „Zenjob“ bringen explizit Studierende und Arbeitgebende zusammen. Und auch das Studierendenwerk Berlin als einer der zentralen Anlaufpunkte für die rund 200.000 Studierenden der Hauptstadt listet auf einer eigens eingerichteten Jobbörse eine Vielzahl unterschiedlicher Nebenjobs auf – von nützlich bis kurios, von regulärer Beschäftigung bis hin zu einzelnen Arbeitseinsätzen, die etwa bei Umzügen anfallen. Zudem gibt es eine Vielzahl privater Vermittlungsstellen und Zeitarbeitsfirmen, die Studierende als „Allrounder“ flexibel vermitteln. Wer eine Karriere an der Universität anstrebt, sollte darüber hinaus regelmäßig die Ausschreibungen der Lehrstühle im Blick behalten, um sich dort als studentischer Mitarbeiter oder studentische Mitarbeiterin zu bewerben.

Wer neben dem Studium arbeiten will, sollte sich zunächst darüber klar werden, welches Ziel er verfolgt. Ist man vor allem auf der Suche nach einem Nebenerwerb oder soll das im Studium erworbene Wissen vertieft werden? Besteht das Ziel darin, potenzielle Arbeitgeber kennenzulernen und Referenzen zu sammeln, mit denen man nach Studienabschluss auf der Suche nach einer festen Stelle auftrumpfen kann? Noch essenzieller ist die Frage, wie der Job überhaupt beschaffen sein soll. Geht es um ein dauerhaftes Auskommen, mit dem man Wohnen und Leben finanziert, oder reicht es, sporadisch, etwa während der Semesterferien, etwas dazuzuverdienen?
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Das Studium sollte „Hauptberuf“ bleiben

Manche Jobs sind körperlich anstrengend und müssen zu ungünstigen Zeiten erledigt werden, etwa nachts, wenn man eigentlich Energie tanken sollte. In einigen Positionen kommt es darauf an, ständig wachsam zu sein und Verantwortung zu tragen, wie etwa bei der Kinderbetreuung. Im Rahmen anderer Nebenjobs ist es hingegen möglich, die Zeit frei zu gestalten, nebenher Bücher und Aufsätze zu lesen oder Hausaufgaben zu erledigen. Gerade diese Jobs können vorteilhaft für all jene sein, die in ihren Studiengängen ein hohes Lesepensum absolvieren müssen und so beide Welten günstig kombinieren können.

Neben den eigenen Präferenzen müssen Studierende auch den rechtlichen Rahmen kennen. Verdienstobergrenzen gibt es für Bafög-Bezieher, Stipendiaten und Studierende, die familienversichert bleiben wollen, also selbst keine Abgaben für die Krankenversicherung aufbringen. Ist die Nebenerwerbsobergrenze bei Stipendiaten abhängig von der jeweiligen Förderung, gilt als Faustregel für all jene, die eine staatliche Ausbildungsförderung erhalten, die Summe von 450 Euro monatlich. Das ist auch der Betrag, der als Obergrenze für Minijobs beziehungsweise geringfügig Beschäftigte definiert ist.

Diese Obergrenze sollten auch all jene nicht überschreiten, die familienversichert sind, was bis zu einem Alter von 25 Jahren möglich ist. Andernfalls drohen Nachzahlungen. Neben dem Verdienst ist die Arbeitszeit maßgeblich. Sie sollte in der Regel nicht höher als 20 Wochenstunden liegen. Diese Zahl gilt übrigens auch als Obergrenze für die weitere Zahlung des Kindergeldes. Dies sind allerdings nur die oberflächlichen Regularien, bei denen es viele Ausnahmen und Sonderregeln gibt. Eine detaillierte Beratung zur eigenen Situation bietet etwa das Berliner Studierendenwerk an. Dort können immatrikulierte Studenten unbürokratisch einen Termin zur kostenlosen Sozialberatung vereinbaren.

Nicht zuletzt sollten ambitionierte Nebenjobber darauf achten, dass der Hauptberuf, also das Studieren, nicht zu kurz kommt. Gerade zu Beginn des Studiums, wenn alles noch fremd ist, empfiehlt es sich, kürzerzutreten, um nicht den Anschluss zu verpassen. Experten raten Studienanfängern, ihrem Nebenerwerb während der Vorlesungszeit an nicht mehr als zehn Stunden pro Woche nachzugehen. Auch um ausreichende Erholungsphasen zu haben. Denn auch Studierende sollten auf eine gesunde Work-Life-Balance achten. MAX MÜLLER
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