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Ausbildung & Studium

Gelbe Flotte Berlins

Die BVG gehört zur Stadt – und zu deren Top-Arbeitgebern. Im Portfolio: 168 Ausbildungsplätze in 13 Berufen

Auch in den handwerklichen Berufen besteht bei der BVG Bedarf an talentierten Auszubildenden. FOTO: T. KOEHLER/PHOTOTHEK / IMAGO

Eine gelbe Großfamilie, die auf den Straßen der Stadt und in ihrem Untergrund unterwegs ist: Das ist die BVG. Das größte Nahverkehrsunternehmen des Landes wirbt für sich selbst als guter Arbeitgeber. 13 Ausbildungsberufe sind im Angebot, zusätzlich etwa sechs duale Studiengänge. Insgesamt arbeiten 15.700 Menschen für die Berliner Verkehrsbetriebe, 460 davon sind Auszubildende quer durch alle Berufsgruppen. „Berlin und die BVG sind einfach eins. Bald feiern wir unser 100-jähriges Bestehen. Das wissen die Mitarbeiter zu schätzen“, sagt Ausbildungsleiter Timo Wille.

Das betont auch die Auszubildende Annamay Werbel: „Obwohl hier so viele Menschen arbeiten, ist es richtig familiär. Man grüßt sich, auch wenn man sich nicht kennt, nur wegen der Dienstkleidung“, erzählt sie. Werbel hat sich deshalb spontan, noch aus dem Praktikum heraus, für die Ausbildung zur Mechatronikerin entschieden. „Ich habe nach dem Abitur im Rahmen des Programms ,Technisches Jahr für junge Frauen‘ mehrere Praktika gemacht – auch bei der BVG.“
Bundesnachrichtendienst
Übernahme für ein Jahr nach der Ausbildung

Das Ausbildungszentrum und die Atmosphäre hätten sie begeistert, erzählt sie. Als man ihr einen Ausbildungsplatz anbot, hat sie zugesagt, obwohl es bereits mitten im Ausbildungsjahr war. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung zum Mechatroniker oder zur Mechatronikerin. Von den zehn Azubis sind zwei Frauen. Für Annamay Werbel ist die Berufswahl nichts Besonderes. Sie ist von Kindesbeinen an mit Technik groß geworden. Ihr Vater, ein Elektriker, hat sie ans Tüfteln herangeführt. In einem halben Jahr ist sie fertig mit ihrer Ausbildung. Ihr Wunsch wäre es, anschließend in der Straßenbahn-Werkstatt zu arbeiten. Das erste Jahr nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss ist gesichert. Die BVG gibt für 366 Tage eine Übernahmegarantie. In der Zeit müssen sich die Frischausgebildeten beweisen und haben dann die Chance auf eine Festanstellung.

"Es geht familiär zu. Man grüßt sich, auch wenn man sich nicht kennt, nur wegen der Dienstkleidung."

Annamay Werbel, Auszubildende bei der BVG

Insgesamt 4800 Bewerbungen erhält die BVG jedes Jahr auf alle Berufe. 168 Auszubildende werden pro Jahr eingestellt. Die Nachfrage ist durch die Pandemie noch gestiegen. „Wir bekommen als Grund für die Bewerbung oft zu hören, dass wir ein Landesbetrieb sind und zudem systemrelevant. Das gibt den jungen Menschen Sicherheit“, sagt der Ausbildungsleiter.

Das Stadtbild bestimmen vor allem die Männer und Frauen, die die großen Gelben durch die Stadt kutschieren. „Fachkraft im Fahrbetrieb“, kurz FiF, nennt sich diese Berufsgruppe. Sie hält die Stadt in Bewegung. Zweimal im Jahr werden dafür jeweils 21 Auszubildende eingestellt. Gleich am Anfang der dreijährigen Ausbildung spezialisieren sie sich. Je nachdem, ob sie zum 5300-köpfigen Busfahrer-Team gehören möchten oder lieber im Untergrund arbeiten, dem zweitgrößten Bereich der BVG mit 2338 Mitarbeitern. Aber auch fürs größte Straßenbahnnetz Deutschlands, und dem nach Melbourne und St. Petersburg drittgrößten der Welt, werden immer wieder Fahrerinnen und Fahrer gesucht.

Aber auch im Handwerk besteht Bedarf. Gleisbauer werden dringend für die derzeit 830 Kilometer Schienen der Stadt benötigt. Pro Jahr gibt es hier 16 Ausbildungsplätze. In der Elektrotechnik gibt es pro Jahr 24 Ausbildungsplätze plus vier in Reserve, beispielsweise für Geflüchtete. „Wir haben jetzt in der Pandemie als Landesbetrieb Verantwortung übernommen und mehr Ausbildungsplätze geschaffen als normalerweise“, sagt Timo Wille. Zwei Drittel aller Ausbildungsplätze sind technische oder handwerkliche Berufe. Neben Mechatronikern, Elektronikern und Gleisbauern sind das auch Kfz-Mechatroniker, Industriemechaniker, IT-Systemelektroniker, Fachinformatiker Systemintegration, Fachinformatiker Anwendungsentwicklung und Elektroniker für Informations- und Systemtechnik.

Aber auch die kaufmännischen Berufe sind Teil des Portfolios: Personal-Dienstleistungs-Kaufleute, Industriekaufleute oder Kaufleute für Büromanagement. Derzeit arbeiten auch 14 dual Studierende in sechs verschiedenen Fachrichtungen in dem Landesbetrieb. „Wir reagieren damit auf den jeweiligen Bedarf im Unternehmen. Mal sind es Studierende aus dem Facility-Management, mal Elektrotechniker, Wirtschaftsinformatiker oder BWLer, die benötigt und eingestellt werden“, sagt Wille.

Praxisausbildung bald am Olympia-Stadion

Überhaupt bildet die BVG in erster Linie für den eigenen Bedarf aus, stellt daher auch gewisse Ansprüche. Immer wieder stellen sie jedoch fest, dass den Bewerbern Vorkenntnisse fehlen. „Wir sind eine Konsum- und Wegwerfgesellschaft geworden. Einen Toaster schraubt heute kaum noch jemand auseinander um ihn zu reparieren. Deswegen wäre es für die technischen Berufe sehr wichtig, mehr MINT-Schulen zu haben, statt alle zum Abitur zu überreden“, meint Timo Wille.

Die Ausbildung bei der BVG soll übrigens bald noch schöner werden. Voraussichtlich im September 2023 wird das neue Ausbildungszentrum nahe dem Olympia-Stadion fertiggestellt. Es wird doppelt so groß wie das bisherige sein und vereint alle technischen Berufsgruppen. Speziell für die Gleisbauer gibt es dann auch eine eigene Halle. Das Ausbildungszentrum wird nicht die Berufsschule ersetzen, sondern Teil der Praxisausbildung sein und den Azubis das nötige Rüstzeug geben, bevor sie in den einzelnen Abteilungen mitarbeiten dürfen. „Wir fördern die Azubis, sind ein stark mitbestimmtes Unternehmen und jeder ist willkommen“, schwärmt Timo Wille und verweist auf die Auszeichnung als Top-Arbeitgeber. Über die Auszeichnung des Top Employers Institute konnte sich die BVG bereits fünf Mal freuen. SIMONE JACOBIUS
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