Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Ausbildung & Studium

Schnittstelle zwischen Idee und Umsetzung

Technische Zeichner arbeiten kaum noch mit Papier und Bleistift – das macht den Beruf umso spannender und anspruchsvoller

Technische Zeichnungen werden von Profis am Computer angefertigt. FOTO: GETTY IMAGES

Wer denkt, im digitalen Zeitalter sei die Bezeichnung „Technische/r Zeichner/in“ nicht mehr zeitgemäß, hat recht: Deshalb wurde sie auch vor zehn Jahren ersetzt. Bereits 2011 ging der Technische Zeichner in zwei Berufsbilder auf: den/die Technische/n Produktdesigner/in und den/die Technische/n Systemplaner/in. Es gibt zwar nach wie vor Stellenausschreibungen für Technische Zeichner/innen, gemeint sind aber die neuen Ausbildungswege. Gearbeitet wird in erster Linie mit CAD-Systemen. „CAD“ steht für „Computer-Aided Design“. Man zeichnet am Computer und fertigt bis ins Detail genaue technische Zeichnungen und Pläne an. Das geschieht in enger Zusammenarbeit mit Architekten, Ingenieuren und Konstrukteuren, an deren Konzepten und Ideen sich diese Pläne orientieren.

Zwei Berufsbilder, mehrere Fachrichtungen

Den Beruf des Technischen Produktdesigners kann man zum einen in der Fachrichtung „Produktgestaltung und -konstruktion“ erlernen: Azubis entwerfen und konstruieren in Zusammenarbeit mit Konstruktions- und Entwicklungsabteilungen Produkte oder deren Bauteile. Die Einsatzgebiete sind breit gefächert: Beim Schiff-, Fahrzeug- und Flugzeugbau kann man arbeiten, beim Möbel- und Innenausbau, bei der Medizintechnik oder in der Verpackungsindustrie – und diese Aufzählung ist nicht annähernd vollständig.
Auswärtiges Amt
Zum anderen kann man die Ausbildung zum Technischen Produktdesigner in der Fachrichtung „Maschinen- und Anlagenkonstruktion“ absolvieren. Hier entwirft, entwickelt und verbessert man später nicht die Produkte selbst, sondern deren spezielle Fertigungswege: Werkzeugmaschinen, Baugruppen oder Gesamtanlagen. Absolventen dieser Fachrichtung werden zusätzlich zu den oben genannten Branchen besonders im Maschinen- und Anlagenbau gebraucht. In beiden Berufen gehört die Erstellung von 3D-Datenmodellen, Schnittbildern und Detail-Ausarbeitungen an CAD-Systemen zu den typischen Arbeitsschritten. Immer geht es darum, konkrete Bauanleitungen anhand von Vorgaben zu entwickeln.

Die Technischen Systemplaner/innen arbeiten nach ihrer Berufsausbildung vor allem im Bereich der Gebäude- und Anlagentechnik. Angehende Systemplaner können ihre Ausbildung in drei verschiedenen Fachrichtungen erlernen. Eine befasst sich mit elektrotechnischen Systemen, die zweite mit Stahl- und Metallbautechnik und die dritte mit Versorgungs- und Ausrüstungstechnik. Auch die technischen Systemplaner entwickeln auf der Basis von Vorgaben Übersichtszeichnungen für Konstruktionen. Je nach Fachrichtung können die Endprodukte Brücken, Tore oder Fenster sein, Einzelteile eines Kranes, Schalt-, Stromlauf- und Verkabelungspläne oder Berechnungen von Heiz- oder Kühllast. Es gibt viel zu zeichnen.
In vielen Betrieben lernt man anfangs durchaus noch das Zeichnen mit der Hand – am Zeichenbrett oder an 3D-Zeichenplatten. Denn die Grundlagen des Zeichnens ändern sich durch den Computer genauso wenig, wie der Rechner Grammatik oder Rechtschreibung ändern kann. Der Computer ist ein Hilfsmittel. Deshalb heißt es CAD: „Computer-Aided Design“, computerunterstütztes Design. Im Laufe der Ausbildung lernen die Azubis die Fachabteilungen kennen. Hier unterstützen sie die Ingenieure bei der Erstellung der Pläne, die in der Fertigung benötigt werden. Auch Materialkunde gehört zu den Inhalten: Das eigenhändige Anfertigen von Werkstücken ist Teil der Ausbildung. Feilen, bohren, Gewinde einbauen: Wer später zeichnet, was andere bauen, sollte mal mit den Fingern am Material gewesen sein.

Azubis haben meist einen MSA oder Abitur

Die Aufgaben des Berufes sind anspruchsvoll. Wenn beispielsweise in Fabriken Heizungsanlagen entstehen oder umgebaut werden, muss die Zeichnung, anhand derer gebaut wird, sehr exakt und detailgetreu sein. Sonst kann gehörig was schiefgehen. Man muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Umso befriedigender ist dann das Gefühl, auf die Baustelle oder in die Fertigung zu gehen und mit den Händen anfassen zu können, was zuerst am Computer entstand.

Die Arbeit in all diesen Fachrichtungen ist Teamarbeit. Dass man gerne mit anderen zusammen an Projekten arbeitet, ist also eine Voraussetzung. Ein bestimmter Schulabschluss ist hingegen rechtlich nicht vorgeschrieben. In der Praxis werden überwiegend Auszubildende mit mittlerer Reife oder Abitur eingestellt. An zeichnerischem und technischem Talent sollte es selbstverständlich nicht mangeln. Ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und rechnerische Fähigkeiten sind ebenfalls wichtig. Nicht zu unterschätzende Grundvoraussetzungen für die Ausbildung sind außerdem Sorgfalt und Genauigkeit. Wem in der Schule Mathematik, Physik und Technik gelegen haben, könnte für diesen Berufsweg gut geeignet sein.

Die duale Ausbildung für die unterschiedlichen Fachrichtungen der dualen Ausbildungsberufe dauert dreieinhalb Jahre im Betrieb und in der Berufsschule. Die Verdienste liegen zwischen 525 Euro im ersten Ausbildungsjahr und bis zu 1264 Euro im vierten. Sie unterscheiden sich ein wenig von Fachrichtung zu Fachrichtung. Weiterführende Informationen gibt es auf berufenet.arbeitsagentur.de FELIX HASS
Weitere Artikel