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Ausbildung & Studium

„Und anpacken kann ich auch“

Die Ausbildung zum Lagerlogistiker wird unter Berliner Jugendlichen immer beliebter

Lagerlogistik-Auszubildender Niklas Dietrich. FOTO: ATALA

Unmittelbar nach der Schule war für Niklas Dietrich noch nicht klar, welchen beruflichen Weg er einschlagen sollte. „Ein Jahr habe ich es auf dem Bau ausgehalten“, sagt der heute 20-Jährige. Doch die Arbeit scheint auf Dauer zu hart und eintönig. Auch ein Bürojob erwies sich nicht als Nonplusultra. „Ich wollte anpacken.“ Dietrich ließ sich von der Jugendberufsagentur beraten, die ihm schließlich zur Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik riet.

„Das ist genau mein Ding“, sagt der junge Mann aus Marzahn-Hellersdorf euphorisch. „Der Arbeitsalltag ist enorm abwechslungsreich: Ich pendele zwischen dem Arbeitsplatz am Rechner, dem Gabelstaplerfahren – und anpacken kann ich auch.“ Dietrich lernt bei Atala, einem familiengeführten Betrieb. Der renommierte Großhandel für Fliesen, Sanitär und Baddesign ist an fünf Standorten in Berlin und Brandenburg vertreten. Dietrich lernt in der größten Filiale des Unternehmens in Weißensee. „Die Ausbildung macht Spaß, weil ich mit unterschiedlichen Berufsfeldern in Kontakt komme und so auch Einblicke in die Buchhaltung und Disposition bekomme“, sagt Dietrich. Auch die kollegiale Atmosphäre wirkt motivierend: Der Azubi kann aufgrund seiner guten Leistungen die Ausbildung verkürzen: In einem halben Jahr steht die Prüfung an.
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Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für den Beruf, der früher als „Lagerwirtschaft“ beschrieben wurde. „Aber die Anforderungen haben sich mit der Zeit wie in so vielen anderen Berufsfeldern auch gewandelt“, betont Jakob Schmachtel, der als Ausbildungsberater der IHK Berlin im Bereich Logistik tätig ist. „Grundsätzlich zeichnen Lagerlogistiker für die Versorgungssicherheit der eigenen Produktion oder von Kunden verantwortlich.“ Stark vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um drei Tätigkeitsbereiche: „Bei der Warenannahme prüfen sie, ob die Mengen und die Qualität stimmen. Anschließend sind sie für das systematische Einlagern zuständig. Irgendwann verlassen die Waren das Lager wieder. Dazu müssen sie für den Kunden zu Sendungen zusammengestellt, verpackt und mit Begleitpapieren versehen werden.“

Formal gehört die Lagerlogistik zu den kaufmännischen Berufen. Die Verwaltung von Waren erfordert eine buchhalterische Schnittstelle. „Wenn der Bestand nicht mehr stimmt, hat das nicht nur Auswirkung auf die eigene Bilanz“, betont Schmachtel. Bei der Organisation eines Lagers ist der Computer inzwischen essenziell. Jedoch lässt sich die Arbeit nicht allein am Schreibtisch erledigen. „Die Mitarbeiter sind mit mobilen Geräten unterwegs und kümmern sich um die Bereitstellung der bestellten Ware.“ Häufig geht es darum, mehrere Aufträge parallel zu bearbeiten. Das erfordert von den Auszubildenden Abstraktionsvermögen. „Und ein gutes Zahlenverständnis ist günstig“, so Schmachtel. Ein Mittlerer Schulabschluss (MSA) ist von Vorteil, aber keinesfalls Bedingung. In einigen Branchen haben Lagerlogistiker zudem unmittelbaren Kundenkontakt und sollten Kommunikationskompetenz mitbringen.

Lagerlogistik ist ein Beruf mit Zukunftsperspektive, was vor allem an der steigenden Bedeutung von E-Commerce liegt. Dies spiegelt sich auch in aktuellen Zahlen wider. „Im Schnitt haben wir jedes Jahr berlinweit 120 Auszubildende, Tendenz steigend“, sagt der IHK-Berater. Mit mindestens 550 Euro steigen Azubis ins erste Lehrjahr ein. Jedoch ist die Vergütung branchenabhängig deutlich höher: Im Großhandel sind es 970 Euro, in metallverarbeitenden Betrieben sogar über 1000 Euro. RONALD KLEIN
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