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Ausbildung & Studium

Ausbildungsstart 2021 – Blick Richtung Zukunft

Für Berlin wird in den kommenden Jahren ein Fachkräftemangel prognostiziert. Das bietet Bewerbern interessante Chancen

Freie Ausbildungsplätze: Arzt- und Praxishilfen werden gesucht. FOTO: GETTY IMAGES

Seit Jahren lag die Zahl der bundesweit neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge konstant bei knapp über 520.000. In den Jahren 2018 und 2019 ließ sich sogar ein leichter Anstieg verzeichnen. Dann kam im Jahr 2020 die Corona-Pandemie und mit ihr fielen die Zahlen um über neun Prozent auf rund 465.000.

Berlin war davon ebenso betroffen wie alle anderen Bundesländer. Zu Beginn dieses Jahres befürchteten Experten, der drastische Rücklauf könnte anhalten. Laut Silke Richter, Bereichsleiterin der Ausbildungsberatung bei der IHK Berlin, gibt es für die IHK-Berufe derzeit allerdings leicht positive Signale bei der Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge für 2021 im Gegensatz zum Vorjahr. Offizielle Zahlen wurden diesbezüglich für Berlin noch nicht veröffentlicht, dafür melden aber andere Bundesländer zum Teil einen Anstieg bis hin zum Vor-Corona-Niveau.
Gute Nachrichten also für alle Schulabgänger, die in diesem Jahr eine Ausbildung starten wollen? Nur bedingt, wenn sie es in Berlin versuchen. Der im August veröffentlichte Bericht zum Ausbildungsmarkt im Beratungsjahr 2020/21 der Bundesagentur für Arbeit zeichnet zwar ein Bild, in dem es in Deutschland wesentlich mehr unbesetzte Stellen als unversorgte Bewerber gibt. Auf Berlin trifft das jedoch nicht zu: Auf 100 betriebliche Ausbildungsstellen kamen hier 167 Bewerber. Trotz der angespannten Situation auf dem Ausbildungsmarkt appelliert Arbeitssenatorin Elke Breitenbach an junge Menschen, eine Ausbildung zu starten. In einer Pressemitteilung vom 31. August bezeichnete sie die Berufsausbildung als das „Fundament eines beruflich erfolgreichen Lebens“.

Fachkräftemangel öfter in Ausbildungsberufen

Nicht ohne Grund: Der IHK-Fachkräftemonitor 2021 prognostiziert einen Mangel von 377.000 fehlenden Fachkräften im Jahr 2035 allein in Berlin, davon 63.000 akademisch Qualifizierte und 314.000 betrieblich Qualifizierte. Hinzu kommt, laut Silke Richter, dass rund jeder dritte Studierende das Studium abbricht: „Vielleicht ist da eine duale Ausbildung mit Praxisnähe der bessere Einstieg ins Berufsleben.“

Gefragt sind Azubis etwa im Gesundheitsbereich

Trotz der ernüchternden Zahlen aus dem August herrscht auf dem Ausbildungsmarkt laut IHK noch sehr viel Bewegung – auch in Berlin. Für all jene, die bisher noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, bestehen durchaus noch Chancen. Um diese ein wenig zu verbessern, rät Silke Richter Jugendlichen, „sich immer erst mal über die eigenen Talente klar zu werden. Für alle Neigungen gibt es geeignete Berufsbilder und darunter sind auch sehr viele zukunftsrelevante Berufe.“

Um das Bewusstsein über die eigenen Begabungen zu fördern, wurden am Standort der Jugendberufsagentur der Talente Check Berlin und der Showroom Duale Ausbildung eingerichtet. Dort bekommen Schüler der achten Klasse die Möglichkeit, ihre Talente an einem außerschulischen Lernort zu erkunden. „Ich merke im Gespräch mit Unternehmen immer wieder, dass Jugendliche ihre Chancen verbessern, wenn sie wissen, wo ihre Stärken liegen, selbst die Initiative ergreifen und bereit sind, beispielsweise ein Praktikum zu machen, in dem sie ihre Stärken auch zeigen können“, sagt Silke Richter.

Gleiches gelte auch für diejenigen, die in diesem Jahr keinen Ausbildungsplatz finden: „Viele Unternehmen achten nicht allein auf den Schulabschluss, sondern insbesondere auf das Engagement der Jugendlichen.“ Zudem seien Jugendlichen viele der mehr als 300 Ausbildungsberufe oder kleinere Ausbildungsbetriebe mit attraktiven Ausbildungsplatzangeboten gar nicht bekannt. Hier lohne sich ein Blick auf Alternativen, um gegebenenfalls im nächsten Jahr fündig zu werden.

Wer sich bisher noch nicht für einen Ausbildungsberuf entscheiden konnte, wendet sich am besten an die Jugendberufsagentur. Eine entscheidende Rolle bei der Suche kann auch die Relevanz der einzelnen Ausbildungsberufe spielen. Vor allem in medizinischen Gesundheitsberufen, in Verkehrs- und Logistikberufen sowie in Verkaufsberufen stieg im Jahr 2021 deutschlandweit die Anzahl der gemeldeten Ausbildungsstellen im Gegensatz zum Vorjahreszeitraum. Auch in Bauberufen gab es einen leichten Anstieg der Stellenmeldungen.

Dementsprechend viele unbesetzte Stellen gab es im August dieses Jahres unter anderem noch im Verkauf oder als Arzt- und Praxishilfe. Einen deutlichen Rückgang an Ausbildungsplätzen mussten von den Lockdowns betroffene Branchen wie die Gastronomie hinnehmen. Trotzdem sind in diesem Bereich noch vergleichsweise viele Stellen unbesetzt. Allen, die mit einer Bewerbung zögern, macht Silke Richter Mut: „Wir sind davon überzeugt, dass die Gastronomie weiterhin eine starke Branche in Berlin bleiben wird. Aus dieser Richtung wird uns ein hoher Bedarf nach Fachkräften gemeldet.“ PHILIPP MÜLLER
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