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Gefragte Begleiter für die Jüngsten

Ausgebildete Erzieher werden in Berlin händeringend gesucht. Wer Empathie und Engagement mitbringt, hat beste Aussichten

Nur zehn Prozent der gelernten Erzieher sind männlich. FOTO: GETTY IMAGES

Erzieher und Erzieherinnen sind heute extrem gefragt. Nicht nur, dass die Geburtenzahlen wieder steigen, auch die Betreuungsangebote für den Nachwuchs wurden in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiter ausgebaut, nicht nur in Berlin. Weil dadurch immer mehr Kinder immer jüngeren Alters in die Kita kommen, steigt die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften drastisch.

Gleichzeitig wachsen die Ansprüche an eine hochwertige Kindertagesbetreuung, denn die Bedürfnisse der Jüngsten erfordern eine entsprechende Begleitung und Betreuung durch aufmerksame und beziehungsfähige Erwachsene. Diese sollten unbedingt über umfangreiches psychologisches und pädagogisches Wissen sowie sich daran orientierende Handlungskompetenzen verfügen.
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Viele Kitas suchen jüngere Kollegen

All das führt dazu, dass die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für umfassend qualifizierte Fachkräfte für die Bildung und Erziehung der Kinder in den nächsten Jahren sehr gut sind. „Wer jetzt seine Prüfung zum staatlich geprüften Erzieher (m/ w/d) ablegt, muss sich zukünftig wohl kaum Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen“, ist Reinhard Biging, Kita-Leiter in der Schloßstraße in Charlottenburg, überzeugt.

"Wer jetzt seine Prüfung zum staatlich geprüften Erzieher ablegt, muss sich zukünftig wohl kaum Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen."

Reinhard Biging, Kita-Leiter in Charlottenburg

Für seine insgesamt 150 zu betreuenden Kinder inklusive Krippengruppe stehen ihm 23 volle Stellen, die derzeit mit 28 Kolleginnen und Kollegen besetzt sind, zur Verfügung. Auch zwei Azubis sind aktuell in der Kita tätig. Die dreijährige schulische Ausbildung an einer der zahlreichen staatlichen Fachschulen für Sozialpädagogik oder staatlich anerkannten beziehungsweise staatlich genehmigten Fachschulen für Sozialpädagogik in Berlin wird von Praktika begleitet. Als Voraussetzung gelten das Abitur, die Fachhochschulreife, das Fachabitur oder der Mittlere Schulabschluss (MSA) mit einer beruflichen Vorbildung.
Erzieher begleiten kindliche Lernprozesse. FOTO: GETTY IMAGES
Erzieher begleiten kindliche Lernprozesse. FOTO: GETTY IMAGES
Vollausbildung wird außerdem auch eine berufsbegleitende Teilausbildung angeboten, denn es wird auch verstärkt um pädagogische Quereinsteiger geworben. Egal, auf welchem Weg angehende Erzieher ihre Ausbildung absolvieren, Nachwuchs sei dringend nötig, meint Biging, es fehlen vor allem die mittleren Jahrgänge. „Zwei Drittel der Kolleginnen und Kollegen in unserer Kita sind inzwischen über 50 Jahre alt“, beschreibt der Kita-Leiter die aktuelle Situation. Ein Grund hierfür: Zu Regierungszeiten von Klaus Wowereit und Finanzsenator Thilo Sarrazin wurden jahrelang praktisch keine Erzieher eingestellt.

Ansprüche an den Job sind heute höher

Aber als Erzieherin oder Erzieher kann man natürlich nicht nur in einer Kita arbeiten, sondern auch an Schulen – vor allem an Grundschulen –, der Jugendsozialarbeit, Jugendfreizeitstätten oder im Rahmen der Hilfen zur Erziehung. Überall werden engagierte Fachkräfte gebraucht. Dabei sind die Anforderungen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, insgesamt wurde die Arbeit immer anspruchsvoller. Längst gehen die Aufgaben über die reine Betreuung der Kinder, wie es früher üblich war, weit hinaus. „Erzieher und Erzieherinnen müssen heute beispielsweise regelmäßig mit den Eltern Entwicklungsgespräche führen, Bildungsdokumentationen erstellen und Sprachlern-Tagebücher für die einzelnen Kinder anlegen“, erläutert Reinhard Biging.

Kreativität, Empathie und Freude an der Arbeit mit Kindern reichen also als Voraussetzung für den Erzieherberuf nicht mehr aus. Dennoch, die Hauptaufgabe bleibt: Erzieherinnen und Erzieher sind neben den Eltern maßgeblich an der Bildung und Erziehung der Kinder beteiligt. Lernprozesse vollziehen sich dabei während des gesamten Kita-Alltags, denn Kinder lernen spielend, sind neugierig und stellen viele Fragen. Erzieher begleiten die Kinder bei ihren individuellen Lern- und Entwicklungsschritten und gestalten entscheidend deren Lernumfeld. Ihre erzieherische Arbeit ist entscheidend für die geistige und körperliche Entwicklung der Kinder. Bei der Betreuung von Kleinkindern kann aber auch das Windelwechseln mit zu den Aufgaben gehören. Im Alltag geht es aber auch um ganz profane Dinge. So müssen Erzieher etwa darauf achten, dass die Kinder regelmäßig genug essen und trinken.

All dies lernen die angehenden Kinderbetreuer während ihrer dreijährigen Ausbildung, wenden das Gelernte später aber häufig nicht an. Kita-Leiter Reiner Biging weiß: „Viele, die eine Ausbildung zum Erzieher oder zur Erzieherin machen, wechseln später in einen anderen Beruf.“ Ein Grund ist die nicht gerade üppige Bezahlung. Oder sie üben den Job nur einige Jahre aus, weil danach die eigene Familiengründung im Vordergrund steht. Aufgrund der guten Berufsperspektiven sollte jedoch in diesen Fällen ein späterer Wiedereintritt in den Job problemlos möglich sein.

Im Übrigen werden auch gezielt männliche Erzieher gesucht – ihr Anteil liegt derzeit bei nur etwa zehn Prozent. Und es ergeben sich für ausgebildete Erzieher immer neue Gelegenheiten, etwa in der Tourismusbranche: Ob in Hotels oder Ferienclubs – als Erzieher kann man in ganz unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden, um Kinder und Jugendliche beim Heranwachsen zu betreuen. UWE LEHMANN
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