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Themenwelten Berliner Morgenpost
Ausbildung & Studium

Krisenfestes Handwerk

Traditionelle Handwerksberufe sind gefragter denn je – viele der Ausbildungsordnungen werden zudem stetig modernisiert und bleiben so zukunftsfähig. Mit diesen fünf handfesten „Klassikern“ schaffen sich Azubis eine sichere Perspektive

Augenoptiker

Meister der Präzision mit einem Blick für Ästhetik

Zwei von drei Erwachsenen benötigen eine Brille, um gut sehen zu können. In unserer alternden Gesellschaft werden es tendenziell noch mehr. Angehende Augenoptiker erwarten deshalb ausgezeichnete Zukunftsaussichten. Medizinisches Interesse und technisches Talent sind in diesem Beruf genauso wichtig wie ein natürliches Gespür für Stil und Mode. Augenoptiker arbeiten beratend im Geschäft, für die Feinarbeit ziehen sie sich aber in die Werkstatt zurück. Beim Schleifen der Gläser leisten sie handwerkliche Präzisionsarbeit. Motorisches Feingefühl und Genauigkeit sind wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Ausbildung. Noch interessanter wird die Arbeit für diejenigen, die am Ball bleiben und sich weiterbilden. Die Sehstärke bestimmen darf schließlich nur der Optikermeister! Er ist auch für die Kontaktlinsenauswahl und Anpassung der Gläser zuständig. Er kennt die genaue Beschaffenheit des menschlichen Auges und weiß, wie man mit Hightech-Geräten umgeht. Zudem dürfen nur Optikermeister einen eigenen Laden eröffnen. Im Anschluss an die Meisterprüfung besteht die Möglichkeiten, sich zu spezialisieren – ob im Bereich Kontaktlinsen, vergrößernde Sehhilfen, in der Sportoptik oder zum Optometristen. Augenoptik ist übrigens auch ein Studiengang, die Regelstudienzeit beläuft sich auf sechs bis sieben Semester.

Voraussetzungen: mindestens ein guter Hauptschulabschluss, naturwissenschaftliche Begabung, Sinn für Ästhetik und Kommunikationsfähigkeit
Dauer: 3 Jahre duale Ausbildung
Ausbildungsgehalt: 1. Jahr: 550 Euro, 2. Jahr: 649 Euro, 3. Jahr: 743 Euro

Tischler/Schreiner

Leidenschaft für Holz

Hollywoodstar Harrison Ford ist Tischler. Diese Tatsache überrascht immer wieder. Ein Mitarbeiter des Regisseurs George Lucas bestellte ihn an den Ort eines Castings, um eine Tür auszutauschen. Dabei wurde Ford von Lucas entdeckt. Doch selbst wenn es bei einem selbst nicht so läuft wie bei Harrison Ford: Wer den Geruch von Holz liebt, handwerklich begabt ist und ebenso sorgfältig wie kreativ arbeiten möchten, wird auch als Tischler glücklich. Die Arbeit ist denkbar vielfältig: Tischler setzen nicht nur Fenster und Türen ein – sie errichten Treppen, Küchen, Wandverkleidungen und Einbaumöbel aus Holz. Sie verlegen Parkettböden, reparieren Möbel oder fertigen Musterstücke an. Angehende Tischler sollten neben geschickten Händen auch räumliches Vorstellungsvermögen besitzen. Und ohne Verständnis für Mathematik wird es in diesem Beruf auch nicht gehen. Zunächst werden die Maße des jeweiligen Produktes berechnet und skizziert, damit es am Ende nicht krumm und schief auseinanderfällt. Hobel, Meißel und Säge gehören zur Standardausrüstung in der Werkstatt, aber auch Maschinentechnik kommt bei der Arbeit zum Einsatz. Früher wurde meist nur nach einer Skizze gearbeitet. Heute berechnet der Computer die präzisen Maße.

Voraussetzung: Vorausgesetzt wird der Hauptschulabschluss. In der Regel bilden Tischler jedoch überwiegend Azubis mit Mittlerem Schulabschluss aus.
Dauer: 3 Jahre
Weiterbildung: Nach der Weiterbildung zum Meister lässt sich ein Studium der Holzwirtschaft oder Architektur anschließen.
Ausbildungsgehalt: 1. Jahr: 550 Euro, 2. Jahr: 649 Euro, 3. Jahr: 743 Euro

Fahrradmonteure

Fit für eine Boom-Branche

Ein Fahrrad ist kein Drahtesel mehr, es ist ein Statussymbol. Ob Rennrad, E-Bike, Mountainbike, Tourenrad oder Citybike – für jeden Anspruch gibt es heute das passende Fahrrad. Kein Wunder, dass viele Berliner mittlerweile mindestens zwei Räder besitzen. Das Fahrad gilt als nachhaltig und cool, die Konstruktionen werden immer komplexer und teurer, auch aufgrund des seit Jahren wach senden E-Bike-Marktes. So ist der Fahrradmonteur heute auch kein Schrauber mehr. Sein Job ist es, Fahrräder zusammenzubauen, zu warten oder zu reparieren und den Kundenwünschen anzupassen. Häufig muss ein Monteur einzelne Fahrradkomponenten individuell nach Kundenwunsch zusammenstellen oder Standardmodelle mit Zusatzteilen ausstaffieren. Um Fahrräder zu warten, werden alle Bauteile useinandergenommen, geprüft und gereinigt. Fahrradmonteure beseitigen Mängel und übergeben dem Kunden das Rad funktionstüchtig und verkehrstauglich. Für das Montieren und Justieren von Fahrzeugkomponenten sind handwerkliches Geschick und Sorgfalt Grundvoraussetzungen für alle, die von einem Arbeitsalltag im Bike-Shop träumen. Technisches Verständnis ist außerdem erforderlich, um Fehlerquellen aufzuspüren, ebenso die Fähigkeit, „um die Ecke“ zu denken. Natürlich sollten Fahrradmonteure auch Freude am Umgang mit Menschen haben, um sie optimal beraten zu können.

Dauer: 2 Jahre
Voraussetzung: mindestens ein Hauptschulabschluss und technisches Verständnis
Weiterbildung: Im Anschluss an die Meisterterprüfung ist eine Ausbildung Zweiradmechatroniker möglich.
Ausbildungsgehalt: 1. 550 Euro, 2. Jahr: 649 Euro

Bäcker

Kreative Frühaufsteher

Was gibt es Schöneres als den Duft von frisch gebackenem Brot? Ob Sonnenblumenkernbrötchen, Hefezopf, Laugenbrezel oder Sauerteigbrot, Blätter-, Mürbe- oder Hefeteig, Roggen-, Weizen- oder Dinkelbrötchen – mehr als 400 Brotsorten und 1200 Sorten Kleingebäck kommen in Deutschland täglich aus dem Ofen. Kreative Bäcker überlegen immer wieder aufs Neue, was sie aus Mehl, Wasser und Hefe zaubern können. Heute geht der Trend zu ballaststoffreichen Broten, auch der arbeitsintensive Sauerteig gilt als en vogue. Außerdem haben immer mehr Bäckereien auch kleine, frisch zubereitete Snacks im Angebot. Für die Ausbildung ist handwerkliches Geschick unabdingbar: Bäcker müssen Zöpfe und Brezeln flechten, Laibe und Brötchen formen. Zudem sollen Kleingebäcke auch appetitlich aussehen. Trotzdem ist in der Backstube erstaunlich viel Technik im Spiel: Brötchenanlagen, Kneter und Ultraschall-Schneidemaschinen nehmen den Menschen die monotone Arbeit ab, sorgen für ein besseres Zeitmanagement und Präzision. Eine Computersoftware hilft beim Entwickeln neuer Rezepte. Allerdings ist das Bäckerhandwerk nur etwas für Frühaufsteher: Damit morgens um sechs die ersten Brötchen über den Tresen gehen können, müssen die tatkräftigen Bäcker mitten in der Nacht anfangen zu arbeiten. Ein Arbeitsbeginn um zwei oder drei Uhr früh ist nicht selten, dafür haben Bäcker früh Feierabend.

Voraussetzungen: mindestens ein Hauptschulabschluss und die Bereitschaft, früh zu Arbeiten
Dauer: 3 Jahre
Weiterbildung: Nach der Ausbildung können Bäcker ihren Meister machen und ggf. ein Studium der Lebensmitteltechnologie anschließen.
Ausbildungsgehalt: 1. Jahr: 565 Euro, 2. Jahr: 670 Euro, 3. Jahr: 800 Euro

Anlagenmechaniker für Heizungs- / Sanitär- und Klimatechnik

Experten für die Branchen der Zukunft

Ausgebildete Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sorgen nicht nur dafür, dass das Wasser fließt. Sie wissen, wie eine Mischbatterie funktioniert und wie eine Klimaanlage kühlt. Sie installieren und warten Heizungs- und Sanitäranlagen, sie montieren Bauteile, Rohrleitungen und Lüftungskanalabschnitte. Sie arbeiten für die Metallindustrie, in Betrieben für Elektroanlagenbau oder für Stadtwerke und größere Industrieunternehmen. Es ist durchaus sinnvoll, sich nach der Ausbildung zu spezialisieren. Zukunftsträchtig ist etwa eine Fortbildung in der Fachrichtung Umwelttechnik oder erneuerbare Energie. Hier montiert der Anlagenmechaniker etwa Photovoltaikanlagen auf Dächern oder installiert Wärmepumpen. Der Beruf ist sehr abwechslungsreich, auch was die Einsatzorte angeht: Anlagenmechaniker sind unterwegs auf Baustellen, bei Privatkunden oder in Großsiedlungen. Nicht alles lässt sich von einem Handwerker allein bewerkstelligen, daher ist auch Teamgeist gefragt. Das Wichtigste aber ist: Die Arbeit ist nicht nur körperlich anspruchsvoll. Anlagenmechaniker müssen technisch stets auf dem neuesten Stand sein.

Voraussetzung: mindestens ein Hauptschulabschluss
Dauer: 3,5 Jahre
Weiterbildung: etwa zum Techniker in der Fachrichtung Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik oder als Fachkraft für Solartechnik.
Ausbildungsgehalt: 1. Jahr: 550 Euro, 2. Jahr: 649 Euro, 3. Jahr: 743 Euro, 4. Jahr: 770 Euro
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