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Auszeit 2018

Kannst du Wein?

In geselliger Runde mit Wein kann man gut mit Kennerwissen glänzen. So vermeiden Sie dabei beliebte Fettnäpfchen

Teure Bio-Lebensmittel boomen, doch beim Wein sind viele Käufer eher knauserig ISTOCK/ECLIPSE_IMAGES

Vier Farben Wein: Rot, Weiß, Rosé und Orange. Bitte was? Orange? Willkommen in der immer wieder überraschenden Welt des Rebensaftes.

In einer geselligen Runde fallen gerne mal schlaue Bemerkungen selbst ernannter Kenner, wie: „Der hat Kork“, „Champagner aus Frankreich“, „Der braucht noch Luft“, „Zu Käse nur Rotwein“ – vieles ist Unsinn. Kork ist zum Beispiel nicht der einzige Fehler, den ein Wein haben kann. Und selbstredend kommt Champagner grundsätzlich aus der Region Champagne unweit von Paris. Andere Schaumweine, auch wenn sie nach der „Méthode Traditionelle“ (Flaschengärung) hergestellt werden, dürfen sich so nicht nennen.

Gerade besseren Rotweinen tut Luft gut, aber die bekommen sie auch in einem passenden großvolumigen Glas. Dekantieren, das Umfüllen in eine Karaffe, ist meist überflüssig. Die Frage, ob Rote nur bei Zimmertemperatur genossen werden sollten, beantwortet sich mit einem „Jein“. Diese Regel stammt aus Zeiten, als die Zimmertemperaturen etliche Grade unter denen von heute lagen. Viele Rotweine werden daher zu warm getrunken, könnten leicht gekühlt werden. Käse nur mit roten Reben, das ist eine Mär. So vielfältig wie Käse ist, so vielfältig kann man die Begleitung im Glas gestalten.

Qualität hat ihren Preis
Auch in Sachsen-Anhalt wird Wein angebaut ISTOCK/ZIVA_K
Auch in Sachsen-Anhalt wird Wein angebaut ISTOCK/ZIVA_K
Schön, wenn man in einem Weinland lebt, das bedeutet hier in erster Linie in einem Riesling-Land – die Steillagen der Mosel mit ihren Schieferböden sind weltberühmt. Die Crème de la Crème sind die immer trocken ausgebauten Großen Gewächse (GG) der im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) organisierten Weingüter. Und: Es gibt auch ganz regionale Weine. Aus Sachsen-Anhalt kommt Wein aus Deutschlands nördlichstem Anbaugebiet. Es heißt Saale-Unstrut und ist bekannt für schlanke Weiße wie den wetterfesten Müller-Thurgau.

Die internationale Weinwelt liegt etwas weiter weg von Berlin, zum Beispiel in Frankreich. Gut zu wissen, dass ein Chablis immer aus der französischen Gemeinde Chablis aus dem Burgund kommt und immer ein Chardonnay ist – die höchste Qualitätsstufe sind die Grand Crus. Die Region ist auch die Heimat der Pinot-Noir-Traube. In Deutschland wiederum heißt die Spätburgunder und sorgt neben Roten auch für schöne „Blanc de Noirs“ – aus roten Trauben gekelterte Weißweine. Apropos berühmte Rote: Ein Bordeaux ist immer eine Cuvée, in der Regel aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc.

Geht es um Italien, hat der Ahnung, der weiß, dass Chianti und Brunello stets aus der Sangiovese-Traube gekeltert werden und aus der Toskana kommen. Gut und unbekannter sind etwa Grüner Veltliner und Blaufränkisch aus Österreich, Pinotage aus Südafrika, Zinfandel aus Kalifornien oder Malbec aus Argentinien. In Südengland wird übrigens auch Wein angebaut, ebenso in Dänemark – der Klimawandel lässt grüßen.

Generell hat beim Wein Qualität ihren Preis. Ein guter Tropfen für unter fünf Euro die Flasche ist die Ausnahme. Dennoch liegt hierzulande der Durchschnittspreis für eine Flasche knapp unter drei Euro. Und das, obwohl bei den Lebensmitteln Bio boomt.

Beim Wein ist Bio übrigens ein Hinweis auf umweltschonende Produktionsweise, jedoch kein generelles Geschmacks-Gütesiegel. Orangefarbene Weine sind Bio und genau genommen Weißweine. Bei diesen „Natural Wines“ wird der Winzer zum Naturburschen. Er lässt die Rebstöcke „einfach mal“ machen und hält die Chemie raus. Der Rebensaft wird mit kellereigenen Hefen spontan auf der Maische vergoren, kommt unfiltriert und möglichst ohne Schwefel in die Flasche. Was orange im Glas schimmert, kann großartig sein, die ungeübte Nase aber unter Umständen auch mit dem Begriff „Stinker“ bekannt machen.
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