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Berliner Ärztemagazin 

Orthopädie 4.0: Neues Zeitalter in der Endoprothetik

Rapid Recovery und ein Roboter namens „Rosa“

Die Implantation eines Knie- oder Hüftgelenkes wird äußerst präzise vorbereitet Fotos: Marion Hunger

Im größten Endoprothesen-Zentrum der Maximalversorgung Berlins hat ein neues Zeitalter begonnen. Hier setzen nicht nur Arzt und Roboter millimetergenau das neue Gelenk ein, sondern die Patienten profitieren auch von einer schnelleren Genesung. Das Geheimnis: „Fast-Track-Chirurgie“ oder auch „Rapid Recovery“. Über 2000 künstliche Gelenke werden im Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau jährlich implantiert, alle im Fast-Track-Verfahren. Klinikdirektor Prof. Dr. Ulrich Nöth: „Dieses neue Konzept haben wir in zwei Jahre langer Kleinarbeit interdisziplinär etabliert. Die Patienten sollen so schonend und so schnell wie möglich wieder in Bewegung kommen.“
Prof. Nöth und sein Team prüfen die Funktion eines implantierten Kniegelenkes
Prof. Nöth und sein Team prüfen die Funktion eines implantierten Kniegelenkes
Der Betroffene kann am Vorabend noch ordentlich essen, kommt am Morgen dann selbstständig – ohne Rollstuhl oder Krankenbett – in den OP. Dies ist der erste wichtige Baustein der Genesung. Denn er übernimmt von Anfang an die aktive Rolle. Statt Vollnarkose reichen oft Teilnarkosen mit Betäubungsmitteln und, wenn gewünscht, eine Schlafinduktion.

Die interdisziplinäre Arbeit leisten Anästhesisten, Operateure, Pflegepersonal und Physiotherapeuten. Durch einen nur ein paar Zentimeter kleinen Schnitt wird das neue Hüftgelenk minimalinvasiv eingesetzt. Zurück auf der Station bekommt der Patient sofort Kohlenhydrate, zum Beispiel in Form eines Vanilleeis. Nach diesem leckeren Zwischensnack steht 3 Stunden später schon der Physiotherapeut am Bett und fordert zum Aufstehen auf. Viele Patienten können selbst kaum glauben, dass sie jetzt einfach ein paar Schritte gehen sollen. Erst vorsichtig mit „Krücken“, ein paar Minuten später oft völlig allein. Es funktioniert!

„Nach drei bis fünf Stunden steht der Patient schon wieder auf den Beinen.“

„Früher haben wir noch mit Drainagen, Blutsperren, Intensivbetten und Nahrungsentzug vor der OP gearbeitet“, so Nöth. „Das brauchen wir nicht mehr. Insbesondere Ältere profitieren und es entstehen auch deutlich weniger Thrombosen durch zu langes Liegen.“ Dank modernster Technik und der eigenen Rapid Recovery-Station können nun alle Patienten, die zum ersten Mal ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk bekommen, schneller genesen. Auch gibt es keine Verbote mehr. Der Sport, die Bewegung, die vorher ausgeübt wurden, sollen auch mit neuem Gelenk wieder möglich sein.

Modernste Technik und interdisziplinäre Zusammenarbeit garantieren eine sehr schnelle Genesung
Modernste Technik und interdisziplinäre Zusammenarbeit garantieren eine sehr schnelle Genesung
Die Chirurgie selbst wird immer feiner und präziser. Berlinweit als Erster hat Prof. Nöth nun die roboterassistierte Knie-Implantation eingeführt. Ein semi-aktiver Roboter namens „Rosa“ arbeitet im Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau eng mit dem Operateur zusammen. Nach Röntgen und einer exakten operativen Vorplanung wird der Roboter mit Daten gefüttert, ein OP-Plan entwickelt. Der Arzt setzt Markierungen am Ober- und Unterschenkel des Patienten. Eine Software überträgt die räumliche Stellung des Beines an die Navigationseinheit. Diese meldet alles an den Roboter weiter für die Knochenschnitte. Der Roboter hält dann einen Schnittblock über das Bein, so dass der Chirurg einen millimetergenauen Schnitt am Knochen durchführen kann.

Ulrich Nöth erklärt: „So haben wir keine Abweichungen mehr. Ziel ist, eine gerade Beinachse und eine korrekte Rotation der Prothesenkomponenten zu erreichen.“ Bislang funktioniert das nur für Knie-Vollprothesen. Aber schon ab 2021/22 soll der Roboter auch für Knie-Teilersatz und Hüftgelenke zur Verfügung stehen. Die Entwicklung dazu treibt Prof. Nöth derzeit mit einem kanadischen Team voran.

„Der Roboter kann das viel genauer als der Mensch. Heute fliegt auch niemand mehr ohne Autopilot.“

Natürlich wird in der größten orthopädischen allgemeinnützigen Klinik Berlins das komplette Leistungsspektrum der Orthopädie und Unfallchirurgie angeboten. 43 Ärzte arbeiten für rund 5300 stationäre Patienten im Jahr. Unter anderem gibt es hier das größte zertifizierte alterstraumatologische Zentrum – für die immer fitter bleibende ältere Generation.

Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau

Orthopädie 4.0: Neues Zeitalter in der Endoprothetik Image 1
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie
Stadtrandstraße 555
13589 Berlin
Tel.: (030) 3702-1002
Orthopaedie.waldkrankenhaus@jsd.de

Leistungen
■ Fast-Track: künstliches Knie- oder Hüftgelenk
■ Robotergestützte Knie-Endoprothetik
■ Teilgelenkersatz Kniegelenk
■ Wirbelsäulenchirurgie
■ Arthroskopie, Hüfte-, Knie- und Sportmedizin
■ Schulter- und Ellenbogenchirurgie
■ Fuß- und Sprunggelenkchirurgie
■ Unfallchirurgie und D-Arzt-Verfahren
■ Tumororthopädie
■ Kinderorthopädie
■ Hand-, Plastische und Mikrochirurgie
■ Osteologie und Knochendichtemessung

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