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Extra: Ausbildung & Studium 2020

Berliner Ausbildungstipps empfehlen Au-pair-Aufenthalt im Ausland

Selbstständigkeit lernen: Au-pair als Alternative zum sofortigen Studium

Au-pairs sollten Spaß an Kindern haben. FOTO: A. DIAZ/ISTOCK

Judith Jenner 

Ferne Länder sehen, Sprachen lernen, Kinder hüten und dabei bei einer Familie leben, das verspricht ein Au-pair-Aufenthalt im Ausland. Er kann nach dem Schulabschluss eine Alternative dazu sein, sofort mit dem Studium oder einer Ausbildung zu beginnen.

Interessierte sollten sich rechtzeitig an eine Vermittlungsorganisation wenden. „Je nach Land kann es bis zu drei Monate dauern, bis eine geeignete Gastfamilie gefunden ist“, sagt Katharina Gast, Association Manager bei der Au-pair-Society e. V. Der Bundesverband für Au-pair-Agenturen, Gastfamilien und Au-pairs in Deutschland empfiehlt, sich an einen zertifizierten Vermittler zu wenden und den Aufenthalt nicht über private Kontakte zu vermitteln. Eine seriöse Agentur informiert im Vorfeld gut und steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Ein Überblick über Agenturen, die sich freiwillig bestimmten Qualitätsstandards unterworfen haben, findet sich auf der Website au-pair-society.org. Üblich ist eine Vermittlungsgebühr, die sich zwischen 400 und 1000 Euro bewegen kann. Je nach Land kommen Reisekosten oder Visa-Gebühren hinzu.
Für Au-pairs ist das Mindestalter 18 Jahre. Voraussetzung sind zumindest Grundkenntnisse, besser noch gute Kenntnisse der Landessprache. Als Familienmitglieder auf Zeit bekommen Aupairs freie Kost und Logis und erhalten ein Taschengeld, das je nach Land um die 250 Euro liegt. Bewerber sollten gerne Kinder betreuen und auch schon Erfahrung darin mitbringen, denn das wird ihre hauptsächliche Aufgabe sein: Kinder beschäftigen, mit ihnen spielen, singen und lernen, sie zur Schule, in die Kita oder zum Sport begleiten und abholen. Ein Führerschein kann dabei von Vorteil sein, ist aber keine Bedingung. Hinzu kommen leichte Hausarbeiten, die im Tagesablauf anfallen. Bei sogenannten Demi-Pair-Programmen besuchen die Au-pairs vormittags eine Sprachschule, während die Kinder in der Schule sind.

"Je nach Land kann es bis zu drei Monate dauern, bis eine geeignete Gastfamilie gefunden ist."

Katharina Gast Au-pair-Society e.V.

In der Regel arbeiten Aupairs 30 Stunden pro Woche. Wie diese aufgeteilt sind und ob die Wochenenden frei sind, sollte man im Vorfeld klären. Von Land zu Land variiert auch die Anzahl an Urlaubstagen. Für Unfall-, Haftpflicht und Krankenversicherung gibt es bestimmte, auf Au-pairs spezialisierte Versicherungsagenturen. Unterstützung kann dabei die Vermittlungsorganisation leisten. Sie ist auch dann Ansprechpartner, wenn es Probleme mit der Gastfamilie gibt. Dann kann es ein sogenanntes „Rematch“ geben, also einen Wechsel in eine andere Familie.

Natürlich sollten beide Seiten Offenheit und Interesse mitbringen. Ein erstes Kennenlernen kann zum Beispiel über einen Skype-Call erfolgen. Für die angehenden Au-pairs organisieren viele Anbieter vorab ein Vorbereitungstreffen. Dort bekommen sie Insidertipps von erfahrenen Teilnehmern und können Kontakte zu anderen knüpfen.

Übrigens sind derartige Aufenthalte keine reine Frauensache. „Immer mehr junge Männer zeigen Interesse an einem Au-pair-Aufenthalt“, beobachtet Katharina Gast. „Die Nachfrage bei den Gastfamilien ist nicht so groß wie nach weiblichen Au-pairs, aber es haben bereits eine ganze Reihe junger Männer den Au-pair-Aufenthalt erfolgreich abgeschlossen.“

Im Lebenslauf macht sich das gut, denn in der Regel sind die Sprachkenntnisse nach sechs bis zwölf Monaten in einer Gastfamilie sehr gut bis fließend. Wer ein pädagogisches Studium oder eine entsprechende Ausbildung anstrebt, für den können Erfahrungen in der Kinderbetreuung von großem Vorteil sein. Auch interkulturelle Kompetenzen erwerben die Au-pairs, was ebenfalls für viele Berufe wichtig sein kann. „Viele Au-pairs berichten, dass sie ‚erwachsen‘ geworden sind und nun viel selbstständiger und unabhängiger durchs Leben gehen“, sagt Katharina Gast. Das Wichtigste, das ein Au-pair mit sich bringt, ist also die gewonnene Lebenserfahrung.
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