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Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: Ausbildung & Studium 2020

Berliner Ausbildungstipps informieren über den Ausbildungsberuf Forstwirt

Tausche stickiges Büro gegen eine Aufgabe in der Natur: Wir stellen Ausbildungs- und Studienberufe vor, deren Tätigkeiten hauptsächlich im Freien stattfinden

Angehende Förster müssen fürs Studium die Stadt verlassen, können aber ihre Praktika in Berlin absolvieren. FOTO: HIGHWAYSTARZ-PHOTOGRAPHY / ISTOCK

Max Müller

Forstwirte 

Fast ein Fünftel der Hauptstadt besteht aus Wäldern: 28 Forstreviere existieren auf einer Fläche von annähernd 30.000 Hektar Land. Um dieses wichtige Stück Stadtnatur kümmern sich die 220 Mitarbeiter der Berliner Forsten. Seit 110 Jahren sorgt sich die Stadt professionell um die Pflege und den Erhalt der Wälder. Der Job ist vielfältig: Forstwirte pflanzen Bäume und „ernten“ Holz, sie pflegen und erhalten Waldwege, Hochsitze und naturnahe Spielplätze. Zudem nehmen sie etwa an Waldführungen teil, um Besuchern einen Einblick in die heimische Flora und Fauna zu gewähren. Auch die Mitarbeit bei organisierten Jagden gehört zu ihren Aufgaben. Die dreijährige Berufsausbildung ist dual ausgelegt: Die theoretische Phase erfolgt am Oberstufenzentrum für Agrarwirtschaft der Peter-Lenné-Schule. Die praktische Ausbildung hingegen in einem von vier Ausbildungsrevieren in Tegel, Rahnsdorf, Eichkamp und Blankenfelde. Wer Forstwirt werden will, sollte mindestens einen mittleren Schulabschluss (MSA) vorweisen können.
Bewerber müssen zudem robust sein, denn gearbeitet wird bei Wind und Wetter. Auch handwerkliches Geschick und Teamfähigkeit sind gefragt. Die Entlohnung ist mit rund 850 Euro im ersten Lehrjahr verhältnismäßig hoch, allerdings verdienen ausgelernte Forstwirte später nur 2100 Euro brutto. Wer sich bewährt hat, kann zum Forstwirtschaftsmeister aufsteigen oder ein forstwissenschaftliches Studium nachholen.
Forstwirte sind vor allem in den Wintermonaten mit der Holzernte beschäftigt. FOTO: ABADONIAN / ISTOCK
Forstwirte sind vor allem in den Wintermonaten mit der Holzernte beschäftigt. FOTO: ABADONIAN / ISTOCK
Förster

Die schlechte Nachricht zuerst: Wer ein forstwissenschaftliches Studium absolvieren möchte, kommt nicht umhin, Berlin zumindest eine Zeit lang zu verlassen. Doch weit weg muss die Reise nicht gehen, forstliche Fakultäten existieren etwa an der Technischen Universität Dresden, an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde oder auch an der Fachhochschule Erfurt. Bundesweit gibt es sieben solcher Einrichtungen. An diesen lernen angehende Förster in Bachelor- und Masterstudiengängen wie Forstwissenschaften, Waldökologie oder „Wald und Umwelt“ alles, was für den späteren Beruf gebraucht wird – von Natur- und Waldschutz über Bodenkunde und Forstrecht bis zur Wildtierbewirtschaftung und Jagd. Außerdem beraten sie private Waldbesitzer, sorgen für die Durchforstung und führen waldpädagogische Veranstaltungen durch.
  
Die gute Nachricht: Zumindest studienintegrierte Praktika können in Berlin absolviert werden. Wer hier später Förster werden will, sollte sich nicht von Klischees blenden lassen. Dackel, Waldhorn und Hut sind schon länger nicht mehr en vogue, dafür hat die moderne Technik Einzug gehalten: Viele Stunden vor dem PC gehören heute (leider) zum Alltag. Studienabgänger müssen, je nach Bundesland, einen ein- bis zweijährigen Anwärterdienst absolvieren, ehe sie ein Revier übernehmen und es gemeinsam mit ihren Forstwirten bewirtschaften.
Garten- und Landschaftsbauer müssen auch Wege und Terrassen bauen. FOTO: OLAF DÖRING/IMAGO
Garten- und Landschaftsbauer müssen auch Wege und Terrassen bauen. FOTO: OLAF DÖRING/IMAGO
Gärtner

Gärtner ist nicht gleich Gärtner: Diese Tatsache lernen Azubis schnell, denn bereits bei Ausbildungsbeginn legen sich junge Menschen auf eine von sieben Fachrichtungen fest. In Berlin finden sich Ausbildungsbetriebe der Sparten Baumschule, Friedhofsgärtnerei, Garten- und Landschaftsbau, Staudengärtnerei und Zierpflanzenbau. In Flächenbundesländern gibt es zu dem Obst- und Gemüsebauern. Wie auch im Fall der Forstwirte findet die theoretische Ausbildung an der Peter-Lenné-Schule statt. In Kooperation mit der Beuth Hochschule existiert seit einigen Jahren zudem für Abiturienten die Möglichkeit, einen Bachelor in „Landschaftsbau und Grünflächenmanagement“ zu absolvieren.

Sowohl kleinere Betriebe als auch größere Gartencenter bieten jungen Menschen Ausbildungsmöglichkeiten. Zudem bildet die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) jährlich Gärtner der Fachrichtungen Zierpflanzen sowie im Garten- und Landschaftsbau aus. Bei der SPSG verdienen Azubis bereits im ersten Lehrjahr knapp 1000 Euro, in anderen Betrieben können es aber auch schon mal 250 Euro weniger sein. Berufsanfänger erwartet ein Lohn zwischen 2100 und 2500 Euro.

Die „Exoten“

Junge Menschen mit dem Berufswunsch Fisch- oder Pferdewirt mögen es in anderen Bundesländern leichter haben. Möglichkeiten, diese Berufe zu erlernen, gibt es in Berlin dennoch. Die Ausbildung zum Fischwirt bietet etwa das Fischereiamt in Tegel an. In der dreijährigen Ausbildung lernen Azubis etwa die Besonderheiten der Gewässer als Lebensräume für verschiedenste Fischarten kennen. Am Ende können sie Zander von Barsch unterscheiden, sie wissen, wie hoch die jeweilige Population in den Berliner Seen und Flüssen ist und kennen sich zudem bestens mit den Umweltstandards aus. Angehende Fischwirte brauchen mindestens einen Hauptschulabschluss und sollten ebenso belastbar wie flexibel sein, gerade auch beim Wohnort: Die theoretische Ausbildung findet in Sachsen statt.

An der Freien Universität Berlin gibt es zudem die Möglichkeit, sich zum Pferdewirt oder Tierwirt der Fachrichtung Imkerei ausbilden zu lassen und somit die moderne Forschung zu unterstützen. In beiden Fällen wird mindestens der MSA benötigt. Die Ausbildung zum Pferdewirt dauert drei Jahre. Hier wird alles rund um Pflege und Zucht der Tiere gelehrt. Ein Job, der Leidenschaft verlangt.
  
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