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Extra: Ausbildung & Studium 2020

Berliner Ausbildungstipps stellen Beruf Physician Assistants vor

Physician Assistants arbeiten den Ärzten zu, assistieren im OP oder erläutern Behandlungspläne. Doch kaum ein Patient kennt ihren Beruf

Auch im OP unterstützen Physician Assistants das medizinische Personal. FOTO: SDI PRODUCTIONS / ISTOCK

Sylvia Chybiak 

In ihren weißen Kitteln werden sie gern „Schwester!“ gerufen oder als „Herr Doktor“ angesprochen, nicht nur von den Patienten, sondern oftmals auch vom hauseigenen Krankenhauspersonal. Die Tätigkeit des Physician Assistant (PA), des Arztassistenten, ist hierzulande noch weitgehend unbekannt, um die 300 gibt es derzeit in Deutschland. In den USA, in Kanada, Australien, Neuseeland, China, Südafrika und in den Niederlanden dagegen sind die PAs längst integrierte und geschätzte Mitarbeiter in Mediziner-Teams. Der demografische Wandel und der daraus resultierende Fachkräftemangel hat auch in Deutschland zunehmend neue Weiterbildungen und Qualifizierungen erforderlich gemacht.

Studium neben dem Job

Der PA ist nicht der „kleine Ersatzarzt“, sondern hat einen akademischen medizinischen Beruf. Der Studiengang Bachelor of Science – Physician Assistant kann in Deutschland ohne Numerus Clausus an verschiedenen staatlichen oder privaten Hochschulen studiert werden. In Berlin kommen für dieses Studium die Steinbeis-Hochschule (Kosten 300 Euro pro Monat) und die Medical School (Kosten 590 Euro pro Monat) infrage. Nicht nur Vollzeit kann die Ausbildung absolviert werden, sondern auch berufsbegleitend im Teilzeitmodell. In der Regel wird dabei die Berufstätigkeit zu etwa 50 Prozent während des Studiums fortgesetzt. Wie alle berufsbegleitenden Studien ist das eine echte Herausforderung.
Zugangsvoraussetzung für den Studiengang ist eine abgeschlossene dreijährige Ausbildung in einem Gesundheitsfachberuf. Dazu zählen zum Beispiel Medizinische Fachangestellte, Angehörige der Pflegeberufe, Notfallsanitäter und Operationstechnische Assistenten, aber auch Angehörige von therapeutischen oder medizinisch-technischen Fachberufen im Gesundheitswesen. Berufserfahrung ist immer erwünscht. Für die Bewerbung zählen aber auch die allgemeine Hochschulreife oder die fachgebundene Hochschulreife, jede Hochschule führt auf ihrer Webseite die Voraussetzungen auf.

Nach der Ausbildung stehen die Chancen für eine feste Anstellung gut. Das Jahresdurchschnittsgehalt liegt bei 37.300 Euro, je nach Bundesland. Für die Physician Assistants werden im jeweiligen Fachbereich der Klinik oder Arztpraxis die Tätigkeitsfelder entsprechend der Qualifikation festgelegt. Ob Einordnung von Laborbefunden, Mitarbeit bei Endoskopien, vorbereitende Auswertung von Befunden – entsprechend ihrer Kompetenz arbeiten die PAs den Ärzten zu. Denn viele Aufgaben der Ärzte dürfen gar nicht delegiert werden. Doch die PAs haben wahrlich genug zu tun.

In Deutschland werden die PAs in Krankenhäusern und Polikliniken, z. B. in Chirurgie, Anästhesie und in der zentralen Notaufnahme eingesetzt. Sie arbeiten in Rehabilitationskliniken, Medizinischen Versorgungszentren, Ärztehäusern, Tageskliniken und Arztpraxen. Sie sind quasi die Schnittstelle zwischen Ärzten und dem ohnehin meist überstrapazierten Pflegepersonal. Längst ist es auch kein Geheimnis mehr, dass Ärzte unter enormer Belastung stehen. Viele Stationen in Krankenhäusern sind dauerhaft unterbesetzt, Überstunden und Rund-um-die-Uhr-Dienste sind an der Tagesordnung. Und Ärzte haben oft keine Alternative, Aufgaben zu delegieren. An wen auch?

Ansprechpartner für alle

Wer schreibt die Arztbriefe und ermöglicht den Ärzten so mehr Zeit für die Patienten? Wer gleicht den täglichen Personalengpass im OP-Saal-Management aus? Wer assistiert bei Aufgaben in der Notaufnahme? Wer ist im Gegensatz zu den von Station zu Station rotierenden Assistenzärzten immer eine verlässliche Kontaktperson für die Patienten?

Mit den Physician Assistants gibt es endlich eine ergänzende Unterstützung, sie schließen eine klaffende Lücke und ihre Arbeit wird als Entlastung wahrgenommen. Sie sind in die Behandlungsorganisation eingebunden, übernehmen das ärztliche Prozessmanagement und sind oft die Ansprechpartner, wenn Ärzte in Spitzenzeiten unabkömmlich sind.

Es gab und gibt auch Vorbehalte gegenüber den PAs, denn der eklatante Mangel an medizinischen Kräften wird so nicht behoben. Und manche Pflegekraft sorgt sich darum, eine zusätzliche Hierarchieebene im Klinik- oder Praxisalltag überwinden zu müssen. Da sind Ärzte in ihrer Fähigkeit gefragt, kompetent zu leiten, um die Physician Assistants als diejenigen im Team zu etablieren, die sie sind: gut ausgebildete Unterstützer, die die Versorgungsqualität von Patienten verbessern und so Ärzte und auch Pflegekräfte entlasten.

Ausbildungswege

- Medicalschool Berlin: medicalschool-berlin.de/studiengaenge
- Steinbeis Hochschule: Steinbeis-pa.de
- Akkon Hochschule für Humanwissenschaften: akkon-hochschule.de
- Staatliche Studienakademie Plauen: ba-plauen.de
- Duale Hochschule Baden-Württemberg: karlsruhe.dhbw.de
- Hochschule Döpfer/Köln: hs-doepfer.de
- SRH Hochschule für Gesundheit in Gera: gesundheitshochschule.de
- Deutsche Gesellschaft für Physician Assitants e.V.: pa-deutschland.de
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