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Extra: Ausbildung & Studium 2020

Berliner Goldschmiedin Maren Foryta stellt den Ausbildungsberuf Goldschmied vor

Goldschmiede fertigen und reparieren Schmuckstücke aus Edelmetallen. Dabei ist höchste Präzision gefragt

Goldschmiede arbeiten im Zehntelmillimeter-Bereich. FOTO: NAPURI / ISTOCK

Christine Persitzky 

Es ist nicht alles Gold was glänzt, sagt der Volksmund. Doch auch Gold kann nur dann richtig glänzen, wenn sich ein Goldschmied darum kümmert. Leon Gräser ist auf dem besten Weg, einer zu werden. Der 22-Jährige hatte nach dem Abitur zunächst begonnen, zu studieren, war aber mit Studiengängen und Unis nicht recht zufrieden. Auf der Suche nach einer Alternative stieß er auf den Beruf des Goldschmieds. „Ich dachte, das ist was ganz anderes und könnte mich eher ansprechen“, erinnert sich Gräser. Er bewarb sich und wurde von seiner jetzigen Chefin zum Probearbeiten eingeladen. Das gab den Ausschlag: „Ich wusste vorher nicht viel über den Alltag eines Goldschmieds, aber es hat mir Spaß gemacht und ich hab dabei gemerkt, dass ich genug handwerkliches Geschick mitbringe.“
Die Ausbildung Goldschmied/in dauert in der Regel dreieinhalb Jahre und findet dual einerseits im Handwerks- oder Industriebetrieb und andererseits in der Berufsschule statt. Je nach Ausbildungsbetrieb erfolgt sie in einer der drei Fachrichtungen Juwelen, Ketten oder Schmuck. Unabhängig vom Schwerpunkt werden in den ersten beiden Lehrjahren die Grundlagen des Berufs erlernt: Messen, wiegen, feilen und löten, legieren und schmelzen, Metalle umformen, Oberflächen behandeln – etwa durch Schleifen, Polieren, Bürsten und Mattieren der Werkstoffe. Außerdem lernen die Auszubildenden, Edelsteine zu erkennen und handzuhaben sowie Grundlagen der Gestaltung, der Geschichte der Goldschmiedekunst, aber auch berufsbezogene Mathematik, Deutsch, Wirtschafts- und Sozialkunde. Gute Grundkenntnisse in Physik und Chemie sind von Vorteil. Im dritten und vierten Lehrjahr erfolgt dann die Spezialisierung, die mit einer theoretischen und einer praktischen Prüfung abschließt.

"Wer zeichnen kann, oder gerne bastelt, hat schon mal einen großen Vorteil."

Maren Foryta, Obermeisterin der Gold- und Silberschmiede-Innung Berlin

Inzwischen ist Leon Gräser im dritten Lehrjahr. Unter Anleitung seiner Chefin fertigt er Schmuckstücke aus Gold, Silber und anderen Edelmetallen.

Goldschmiede arbeiten nach eigenen Entwürfen, nach Vorlagen oder nach den individuellen Wünschen der Kundschaft, die es kompetent zu beraten gilt. Aber auch Reparaturen und Umarbeitungen gehören zu den Aufgaben, zum Beispiel Ketten löten, Ringe weiten, ausgebrochene Edelsteine wieder einsetzen. Am meisten Spaß machen Leon Gräser Anfertigungen, „weil man dann wirklich den kompletten Fertigungsprozess vom Rohmaterial bis zum fertigen Schmuckstück hat“, sagt er.
FOTO: MACROWILDLIFE / ISTOCK
FOTO: MACROWILDLIFE / ISTOCK
Goldschmiedehandwerk ist Präzisionsarbeit, und die habe oberste Priorität, erklärt Maren Foryta, Obermeisterin der Gold- und Silberschmiede-Innung Berlin: „Wir arbeiten im Zehntelmillimeter-Bereich, das ist die normale Arbeitsgröße. Wir machen das alles per Hand, ohne Maschine“, so Foryta, „das heißt: man muss auf den Zehntelmillimeter genau feilen.“ Und das müsse man üben, üben, üben. Es sei zwar auch ein kreativer und künstlerischer Beruf, so Foryta, „aber man muss das Handwerkliche von der Pike auf lernen. Sonst kann man seine Kreativität gar nicht so steuern, dass am Ende ein tolles Schmuckstück herauskommt.“

Die dualen Ausbildungsplätze sind rar und sehr begehrt. Alternativ ist an wenigen Berufsfachschulen, wie in Pforzheim oder Hanau, eine komplett schulische Ausbildung möglich. Sich vorab schon mal handwerklich betätigt zu haben, ist ein Pluspunkt, ebenso sollte man auch zeichnen können, „das macht schon eine ganze Menge aus“, so Foryta. Auch wer gerne bastelt und dabei kreativ sei, habe gute Voraussetzungen. Handwerkliches Geschick – darin sieht auch Leon Gräser die wichtigste Eigenschaft, die angehende Goldschmiede mitbringen sollten: „Eine gewisse Kreativität kann man sich auch aneignen.“

Der Arbeitsmarkt biete Goldschmieden vielfältige Möglichkeiten, erklärt Foryta. Arbeiten kann man nicht nur in Juweliergeschäften, Schmuckdesign-Ateliers oder in Schmuck herstellenden Industriebetrieben. Auch in Bereichen, in denen feinmechanische Fertigkeiten gefragt sind, finden sich Jobs, beispielsweise in der Zahntechnik.
  

Fakten

Abschluss: Für eine Goldschmiedelehre ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe jedoch vor allem Abiturienten ein.

Gehalt: Mit durchschnittlich 500 Euro pro Monat verdient man während der Ausbildung relativ wenig. Das Einstiegsgehalt liegt bei etwa 1500 Euro.
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