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Berlins Auto-Sharing-Anbieter Share Now von Daimler und BMW

Berlin ist der größte Markt für Sharing-Anbieter in Deutschland. Arbeitnehmer können auf das eigene Auto verzichten und sich für die Arbeitswege ein Fahrzeug mieten

Vier Sharing-Anbieter bestimmen den Berliner Markt: Bei den Autos Drive Now und Car2go (jetzt Share Now), beim Roller Emmy und Coup, bei Fahrrädern ist es Nextbike. FOTOS: PA/OCHEN ECKEL; HORST GALUSCHKA; KAY NIETFELD; PAUL ZINKEN

Jörn Käsebier 

Sharing erfreut sich als modernes Mobilitätskonzept großer Beliebtheit. Wie sehr in Berlin vor allem die kurze Ausleihe für den Arbeitsweg gefragt ist, kann jeder selbst sehen, der die App eines Anbieters auf sein Smartphone lädt: Früh am Morgen stehen die meisten Fahrzeuge noch in den Wohngebieten, tagsüber dann in den Innenstadtlagen und abends wieder in den Wohnstraßen.

Ohne App läuft es bei diesem Mobilitätskonzept nicht. Wer ein Fahrzeug benötigt, registriert sich, gibt dabei eine Bezahlmethode an und weist gegebenenfalls seinen Führerschein nach. In der App werden Fahrzeuge reserviert, ausgeliehen und zurückgegeben. Die einzelnen Fahrten werden in der Regel pro Minute, manchmal auch pro gefahrenen Kilometer, abgerechnet. Kosten für Versicherung, Tank, Wartung und auch Parkgebühren übernehmen die Anbieter.
Marktführer in Berlin ist Share Now, ein Zusammenschluss von Daimlers Car2go und BMWs Drive Now. Der Sharing-Anbieter hat nach eigenen Angaben mehrere Tausend Firmenkunden in der Stadt. Die Fahrten der Mitarbeiter werden automatisiert erfasst und abgerechnet. Das soll Firmenwagen ersetzen. „Unsere größte Konkurrenz im B2B-Geschäft ist der unternehmenseigene Fuhrpark und nicht unsere Wettbewerber in der Mobilitätsbranche“, sagt Sprecher Nikolai Worms.

Von denen gibt es verschiedene, und neue kommen jedes Jahr hinzu. So will etwa VW noch dieses Jahr mit rund 1500 Elektrofahrzeugen an den Start gehen. Erst seit wenigen Wochen ist zudem Sixt mit eigenem Sharing-Tarif am Berliner Markt. „Wir bieten ein neues Modell an“, sagt Sprecherin Julia Hoffstaedter. Der Münchner Autovermieter erlaubt seinen Kunden einen flexiblen Wechsel zwischen Kurzzeit-Sharing und längerer Miete. Dadurch müssen die Fahrzeuge nicht unbedingt im definierten Geschäftsgebiet abgegeben werden, sondern Kunden können auch spontan in eine andere Stadt fahren, wo sie das Auto an einer Sixt-Station abgeben.

Zweiräder sind gefragt

Die Flexibilität nutzt der Anbieter selbst. Je nach Bedarf vergrößert er die Sharing-Flotte oder verkleinert diese zugunsten der Vermietungsstationen in der Stadt. Ein spezielles Angebot für Geschäftskunden gibt es noch nicht, wird aber derzeit entwickelt.

"Unsere größte Konkurrenz im B2B-Geschäft ist der unternehmenseigene Fuhrpark.“

Nikolai Worms, Sprecher von Share Now

Arbeitnehmer setzen nicht nur auf Autos. Schließlich dauern in der deutschen Stau-Hauptstadt Fahrten auf vier Rädern häufig länger als gedacht. Besonders bei gutem Wetter nutzen viele Berliner Fahrräder und Elektroroller als Alternative zum Auto. Auch bei den Zweirädern sind sie nicht auf eigene Gefährte angewiesen, sondern können aus einem Angebot von Sharing-Anbietern wählen. Der Rollermarkt ist dabei der kleinere. Emmy und Coup bieten ihre E-Roller seit 2015 beziehungsweise 2016 an. Mehr als 1800 Fahrzeuge stehen mittlerweile innerhalb des S-Bahnrings zur Verfügung. Besondere Angebote für Geschäftskunden gibt es derzeit noch nicht.

Auf dem Fahrradmarkt ist man da bereits weiter. So bietet zum Beispiel Nextbike eigene Tarife für Geschäftskunden an. Dabei können die Fahrten entweder einzeln abgerechnet werden oder Unternehmen wählen ein Abo-Angebot, das Grundkosten deckt, aber auch Zusatzfahrten, die Unternehmen oder Mitarbeiter zahlen. Da Nextbike die Ausschreibung des Senats für ein Mietfahrradsystem gewonnen hatte, verwundert es nicht, dass vor allem öffentliche Unternehmen und Stellen das Angebot annehmen. So haben etwa das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag einen Vertrag mit dem Leihfahrradanbieter. Als Anreiz für die Mitarbeiter sind Stationen vor den Zentralen installiert. Während dort auch andere die Räder nutzen können, gibt es am Campus Berlin Buch ein eigenes System mit 50 Rädern, das ausschließlich Mitarbeitern zur Verfügung steht. Dieses Jahr könnten die Fahrradangebote noch einmal Auftrieb bekommen. Denn der Staat erhöht den Anreiz für Dienstfahrräder, weil private Fahrten nicht mehr als geldwerter Vorteil versteuert werden müssen.

Auto, Roller oder Fahrrad – die Auswahl für Berliner ist groß. Allerdings gibt es eine große Einschränkung bei fast allen Angeboten. Ausleihen und zurückgeben ist in der Regel nur im jeweils definierten Geschäftsgebiet möglich. Dazu gehören meist nur Flächen innerhalb des S-Bahnrings. Vielen Pendlern in Stadtrandlagen bleiben daher doch nur das eigene Fahrzeug oder der öffentliche Nahverkehr.

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