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Berlins Top 200

Quality of Living Ranking von Mercer: Berlin auf Platz 13

Berlin ist durchaus lebenswert. Im Ranking der lebenswertesten Städte der Welt 2019 steht die deutsche Hauptstadt aber „nur“ auf Platz 13. Was ihr fehlt, um Wien und Zürich von den ersten Plätzen zu verdrängen

Die Themen Sicherheit und internationale Anbindung verschlagen Berlin im internationalen Vergleich der Metropolen auf Platz 13. FOTO: ISTOCK/BLUEJAYPHOTO

Max Müller 

Die gute Nachricht vorweg: Deutschland schneidet im internationalen Vergleich nicht schlecht ab. Mit München (Platz drei), Düsseldorf (Platz sechs) und Frankfurt am Main (Platz sieben) haben es immerhin drei hiesige Metropolen in die diesjährige „Top Ten“ geschafft. Die Rede ist vom sogenannten „Quality of Living“-Ranking, das die Unternehmensberatung Mercer alljährlich erstellt.

Die Grundlage dieser Studie bilden Faktoren, die für sogenannte Expats, also von internationalen Firmen ins Ausland entsandte Fach- und Führungskräfte, eine wichtige Rolle spielen. Dazu zählen das Kulturangebot, der Wohnungsmarkt und das öffentliche Transportnetz, aber auch Bildungsangebote, die medizinische Versorgung oder die öffentliche Sicherheit, um nur einige Aspekte zu nennen.

Platz eins belegt seit mittlerweile zehn Jahren in Folge die österreichische Hauptstadt Wien. Auch die drei Schweizer Städte Zürich (Platz zwei), Genf (Platz neun) und Basel (Platz zehn) finden sich unter den zehn lebenswertesten Städten. Dazwischen liegen Vancouver und Auckland (ebenfalls beide auf dem dritten Platz) sowie Kopenhagen (Platz acht). Berlin hingegen muss sich mit Rang 13 zufriedengeben.

Berlins Grün begeistert

Die deutsche Hauptstadt ist nicht abgeschlagen. Es sind im Prinzip nur Nuancen, die die Städte voneinander unterscheiden“, sagt Juliane Grüthner, Principal bei Mercer und Expertin für „Global Mobility“. „Dazu kommt, dass für Expats andere Faktoren wichtig sind als für Einheimische oder Zugezogene.“ Wie diese auch schwärmen viele Expats zuallererst vom kulturellen Angebot der Hauptstadt ebenso wie von den vielen Grünflächen und den zahlreichen Gewässern, die es überall im Stadtgebiet gibt. „Egal ob Yoga auf der Dachterrasse oder ein Theaterabend, das Angebot ist wirklich vielseitig und weitreichend“, bestätigt Grüthner diesen Eindruck. Dazu kommt, dass die öffentlichen Behörden verlässlich arbeiten, die gesundheitliche Versorgung gut ausgebaut ist und eine große Zahl internationaler Schulen existiert. Auch das multikulturelle Flair und die Offenheit der liberal eingestellten Berliner schätzten die Befragten.
Wien liegt seit zehn Jahren auf Platz 1 FOTO: ISTOCK/SAIKO3P
Wien liegt seit zehn Jahren auf Platz 1 FOTO: ISTOCK/SAIKO3P
Demgegenüber stehen Probleme, über die auch „Locals“ mitunter klagen. „Darunter fällt etwa die Kategorie ‚internationale Anbindung‘“, erklärt Grüthner. „Es gibt mit Schönefeld und Tegel zwar zwei Flughäfen, doch kaum internationale Flugverbindungen wie sie an den Drehkreuzen Frankfurt am Main und München bestehen.“ Hinzu kommt, dass die deutsche Hauptstadt zwar mit niedrigen Lebenshaltungskosten punktet, zugleich aber auch für vergleichsweise niedrige Gehälter bekannt ist. Ein ähnliches Problem ergibt sich auch im Bereich der Arbeitsplätze. „Auf der einen Seite boomt die Start-up-Branche, an international renommierten Firmen mangelt es hingegen“, gibt die Expertin von Mercer zu bedenken. Auch im Bereich der öffentlichen Sicherheit sieht die Mehrheit der Expats noch Nachholbedarf. „Im Vergleich zu München ist die Kriminalitätsstatistik deutlich schlechter“, bestätigt Grüthner. In diesem Segment landet die deutsche Hauptstadt lediglich auf Platz 28, wobei anzumerken ist, dass es zwischen den einzelnen Bezirken deutliche Gefälle gibt. Als kleinere Punkte kommen die hohe Staudichte sowie die schlechte Luftqualität gerade im Innenstadtbereich hinzu.

Es sind Probleme, die der Stadt und ihrer Verwaltung bekannt sind, und an denen gearbeitet wird. Die Eröffnung des BER ist für das Jahr 2020 anvisiert. Dann sollen auch neue Routen etabliert werden, die die chronisch überlasteten Flughäfen derzeit nicht stemmen könnten. Auch im Bereich der Bezahlung wird sich in den kommenden Jahren etwas ändern müssen, allein aufgrund der steigenden Mieten in der Stadt. Zudem ist die Politik deutschlandweit bemüht, die Luftqualität in den Ballungsgebieten zu verbessern.

Die Zukunft wird zeigen, ob Berlin all diese Aufgaben meistern und in die „Top Ten“ der lebenswertesten Städte aufsteigen kann. Doch der Weg dorthin ist ungewiss, auf jeden Fall aber lang.
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