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Geschäftsführer Frank Möller der Initiative Auslandszeit zu Sabbaticals und das Gap Year

Raus aus der Routine: Für Sinnsuche, Inspiration und neue Motivation werden Sabbaticals immer beliebter

Den Kopf freikriegen, andere Kulturen kennenlernen oder sich in Projekten engagieren. Die Gründe für ein Sabbatical sind vielfältig. FOTO: ASCENTXMEDIA / ISTOCKPHOTO

Max Müller 

Der Tag, an dem Gott die Welt vollendete, gilt im Judentum als heilig. Noch heute wird allwöchentlich der sogenannte Sabbat gefeiert. Im modernen Israel geht, zumindest in stark religiösen Gebieten, 24 Stunden lang nichts mehr. Die Arbeit ruht. An den Terminus lehnt sich ein Begriff an, der hierzulande eine längere berufliche Auszeit beschreibt. Früher sprach man vom Sabbatjahr, das vornehmlich Beamten, beispielsweise Lehrern oder auch Universitätsdozenten, für ein Forschungssemester zugestanden wurde. Heute wünschen sich branchenübergreifend immer mehr Menschen ein Sabbatical, wie die Auszeit vom Arbeitsalltag mittlerweile genannt wird.

Raus aus der Routine

Eine längere berufliche Auszeit liegt im Trend. Das ist nicht zuletzt den jungen Menschen der Generation Y geschuldet, die sich bereits nach der Schulzeit ein „Gap Year“ gönnen, und für die Freizeit sogar im Berufsleben einen anderen Stellenwert hat als für ältere Arbeitnehmer.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Umfrage des sozialen Netzwerks Xing, das vor allem für berufliche Zwecke genutzt wird. Für den „Urlaubsreport 2018“ wurden mehrere Hundert Arbeitnehmer gefragt, warum sie sich eine Auszeit wünschen. Mehr als 40 Prozent der Befragten gaben an, mehr Zeit für all das zur Verfügung haben zu wollen, was ihnen im Leben wichtig ist. Eine fast genauso große Gruppe klagt über anhaltende Erschöpfung, die sie nicht mehr loslässt. Dazu kommt der Wunsch, aus gewohnten Routinen auszubrechen (37 Prozent), Zeit zu genießen aufgrund ausreichender finanzieller Rücklagen (18 Prozent) oder eine neue familiäre Situation, etwa infolge der Geburt eines Kindes, zu meistern (zwölf Prozent).

Reiselust der Jüngeren

„Ich habe viele Wege beschritten, eine Auszeit zu nehmen“, sagt Frank Möller. Am Ende hätten sich diese fast wie von selbst ergeben. Eine Ausbildung brach er ab, um sich beruflich neu zu orientieren. In einem späteren Job habe er „zu viel Gas gegeben“ und hätte vor Erschöpfung eine weitere Pause einlegen müssen. Selbst heute, als Unternehmer, lässt er es sich nicht nehmen, an zwei Tagen von zu Hause zu arbeiten. „Dienstags und donnerstags bleibe ich dem Büro fern, diese Tage sind so etwas wie mein Micro-Sabbatical“, erklärt Möller, der sich mit dem Thema auskennt. Der Geschäftsführer der Initiative Auslandszeit ist zugleich der Betreiber der Website www.sabbatjahr.org, auf der sich Arbeitnehmer über Möglichkeiten informieren können, eine berufliche Auszeit anzugehen. Auf dem Portal geben Möller und sein Team Tipps dazu, wie das Sabbatical zum Erfolg wird, welcher Weg dorthin führt und was dabei alles beachtet werden muss.

"Durch den Mangel an Fachkräften sind Arbeitgeber gewillter, ihren Angestellten eine Auszeit zu gönnen"

Frank Möller, Geschäftsführer der Initiative Auslandszeit

Aus Erfahrung weiß Möller, dass die Gründe für eine Auszeit sehr unterschiedlich sind. „Während ältere Arbeitnehmer eine Pause brauchen, um etwa Angehörige zu pflegen oder sich nach Jahren der ‚Schufterei‘ selbst zu verwirklichen, sehen das jüngere Menschen sportlicher. Sie wollen reisen und dabei andere Kulturen entdecken, sich in sozialen Projekten engagieren oder einfach nur ihre Komfortzone verlassen und Neues ausprobieren“, sagt der Experte, der selbst mit dem Unternehmen Manatapu Sabbaticals in Südamerika vermittelt, bei denen berufserfahrene Menschen sich etwa um Tiere kümmern oder Kinder unterrichten.

Finanzierung klären

Möller merkt an, dass es keine feststehende Definition gibt, wie ein Sabbatical auszusehen hat oder wie lange es dauert. „Es muss nicht immer die zwölfmonatige Weltreise sein“, sagt er. Doch egal ob lang oder kurz, weit weg oder nah am angestammten Wohnort, einige Dinge sind bei der Planung unerlässlich. So muss vor allem die Finanzierung geklärt sein, auch eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber ist unumgänglich.

Gerade im Bereich der Finanzierung sieht der Experte einen großen Spielraum. Während die einen von ihren Ersparnissen leben, arbeiten andere in der Zeit zumindest eingeschränkt weiter, was vor allem Freelancer in Betracht ziehen sollten. Zudem gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten, kostengünstig zu reisen, etwa bei Work-and-Travel-Modellen oder beim sogenannten Housesitting.

Schwieriger wäre es da schon, den eigenen Vorgesetzten vom Plan zu überzeugen. Möller rät, gut vorbereitet in ein Gespräch zu gehen, dem Chef seine Motivation zu schildern, ihm die Vorteile einer beruflichen Auszeit auch aus Arbeitgebersicht aufzuzeigen und einen konkreten Zeitplan vorzulegen. „Je besser vorbereitet man in dieses Gespräch geht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich für beide Seiten ein guter Kompromiss aushandeln lässt“, ist der Experte überzeugt.

Möller selbst hat die Erfahrung gemacht, dass gerade große Firmen wie SAP oder BMW dem Thema gegenüber aufgeschlossen sind, auch weil ihre Mitarbeiter während der Auszeit wichtige neue Kompetenzen erlernen. Daher fördern diese Firmen auch den Austausch etwa zwischen einzelnen Standorten.

Auch in der Start-up-Szene gehört das Thema Sabbatical längst zum Alltag und wird bereits im Vertrag ausgehandelt. In anderen Metiers hingegen ist das Konzept noch unbekannt und wird mitunter von Personalern abgelehnt. „Da kommt den Angestellten die aktuelle Arbeitsmarktsituation entgegen. Durch den Mangel an Fachkräften sind Arbeitgeber gewillter, ihren Angestellten eine Auszeit zu gönnen. Andernfalls drohen diese, das Unternehmen zu verlassen. Und das möchte derzeit so gut wie kein Unternehmen riskieren.“
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