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Von Berufs wegen Held

Während der Corona-Pandemie zeigt die Gesundheitswirtschaft der Hauptstadtregion, wie stark und wichtig sie ist

Das Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße (CBZJ) auf dem Messegelände steht bereit. Dank Berlins Kapazitäten blieb es ungenutzt. FOTO: KAY NIETFELD / DPA

Selten vorher stand die Gesundheitswirtschaft so stark im Fokus wie zurzeit und zu Anfang der Corona-Pandemie. Tausende Menschen folgten dem mit zwei Grimme Online Awards ausgezeichneten Podcast „Das Coronavirus-Update“ mit dem Berliner Virologen Christian Drosten. Mindestens ebenso viele Menschen sahen die Pressekonferenzen des Robert-Koch-Instituts, auf der Präsident Lothar Heinz Wieler und seine Kollegen die aktuelle Covid-19-Lage bewerteten. Die Augen waren zudem auf Ärzte und Pflegepersonal in den Kliniken gerichtet. Ihr Einsatz wurde mit Applaus belohnt und einmal mehr wurde über eine faire Entlohnung für diese systemrelevanten Berufe diskutiert.

Und wie überrascht waren die Berliner, dass in nur knapp vier Wochen ein voll ausgestattetes Notfallbehandlungszentrum auf dem Messegelände errichtet werden konnte. „Das war nur möglich, weil viele der Akteure der Gesundheitswirtschaft geholfen und zusammengearbeitet haben“, sagt Kai Bindseil, Prokurist und Abteilungsleiter für Gesundheitswirtschaft in der Berlin Partner GmbH und seit 2010 Clustermanager Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg (HealthCapital). Aufgabe des Clustermanagements ist es, den Gesundheitsstandort Berlin-Brandenburg international weiter zum führenden Zentrum für Gesundheitswirtschaft und Life-Sciences auszubauen.

Eine der wichtigsten Branchen der Region
Die Forschungsarbeit am Institut der Virologie der Charité ist weltweit anerkannt. FOTO: CHRISTOPHE GATEAU / DPA
Die Forschungsarbeit am Institut der Virologie der Charité ist weltweit anerkannt. FOTO: CHRISTOPHE GATEAU / DPA
Schon jetzt gehört die deutsche Hauptstadtregion international zu den führenden Standorten in der Gesundheitswirtschaft und -versorgung sowie den Life Sciences. Dazu einige Fakten: Etwa 383.000 Beschäftigte arbeiten in den rund 21.800 Unternehmen der Gesundheitsbranche, zu der laut Erhebung der Berlin Partner für Wirtschaft GmbH etwa 34 Pharmaunternehmen, 255 Biotech-Unternehmen, 332 Medizintechnik- und Digital-Health-Unternehmen, über 70 Reha-Einrichtungen, die Charité Berlin als eine der größten Universitätskliniken Europas und acht Technologieparks wie der Wissenschafts- und Technologiepark Berlin-Adlershof und der Biotech-Campus Berlin-Buch, gehören. In der Versorgung – also zum Beispiel in den mehr als 130 Kliniken in Berlin und Brandenburg – arbeiten laut Bindseil rund zwei Drittel der Beschäftigten.

Die Gesundheitsszene bereichern Start-ups, die in der Biotechnologie, Diagnostik Medtech und Digital Health auf den Durchbruch hoffen. Dazu gehören bekannte und wachstumsstarke Jungunternehmen wie die Arztterminplattform Docotlib oder das auf Telemedizin spezialisierte Unternehmen Kry. Gerade in der Covid-19-Krise bewiesen sie durch Flexibilität und Innovation ihre Stärke. So integrierten beispielsweise Kry und auch die Ada Health GmbH kurzfristig neue Funktionen in ihre Apps, um die Nutzer dabei zu unterstützen, Symptome von Covid-19 einfacher zu erkennen.

Innovation treiben die rund 40 wissenschaftlichen Einrichtungen der Biowissenschaften oder Life Sciences voran, darunter – neben den bereits erwähnten Akteuren Charité und Robert-Koch-Institut – die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane, das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH), das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), das Deutsche Herzzentrum Berlin sowie weitere Fraunhofer-, Helmholtz-, Leibniz- und Max-Planck-Institute.

Vorn in der Forschung an Covid-19 dabei

Für den Fachkräftenachwuchs sorgen rund 30 Universitäten und Hochschulen mit mehr als 200 Studiengängen rund um Gesundheit und Lebenswissenschaften. Neben der Lehre nimmt die Forschung einen hohen Stellenwert ein. Unter dem Dach der Berlin University Alliance zum Beispiel – eines Verbunds der Freien Universität, der Humboldt-Universität, der Technischen Universität und der Charité Berlin – forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch zu Sars-CoV-2. Sie arbeiten unter anderem an der Entwicklung von Impfstoffansätzen und forschen zu möglichen gesundheitsökonomischen Folgen. Gemeinsam mit dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie und dem Robert Koch-Institut wollen sie dazu beitragen, die Pandemie zu kontrollieren und einer weiteren Ausbreitung vorzubeugen.

Ihre Vielfalt und ihre einzigartige Vernetzung sind es, die die Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg so stark machen. „Unsere Aufgabe ist es, diesen Wirtschaftsbereich, von dem wir glauben, das er überdurchschnittliche Chancen hat, zu unterstützen, zu pushen und dafür zu sorgen, dass die Exzellenz aus der Wissenschaft der Region bei den Unternehmen ankommt und zu Innovationen führt“, sagt Kai Bindseil. Er blickt positiv in die Zukunft. „Ich bin da in jeder Beziehung optimistisch.“ Viele Gründe sprächen dafür, dass Akteure aus Deutschland und Europa in Zukunft ihre Präsenz in Berlin weiter ausbauen werden. DAGMAR TRÜPSCHUCH
    
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