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Auf der Startbahn Richtung Zukunft

Das Projekt „Berlin TXL – The Urban Tech Republic“ auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel nimmt Gestalt an. Ab 2027 soll in den stillgelegten Terminals und Hangars zu urbaner Technologie geforscht werden

Früher Flughafen, bald Campus: 5000 Studierende werden erwartet. FOTOS (3): TEGELPROJEKT

13 Jahre nachdem erstmals öffentlich über die Zukunft des Flughafens Tegel diskutiert wurde, nimmt der geplante Forschungs- und Industriepark „Berlin TXL – The Urban Tech Republic“ Gestalt an. Die Akteure haben ein großes Ziel: dass die Städte auch in Zukunft lebenswert sind.

In den nächsten Tagen geht der erste Umzug über die Bühne. Die Tegel Projekt GmbH zieht nach vielen Jahren in Charlottenburg an ihren ersten Sitz am Rand des früheren Flughafens zurück. Das ist eine schöne Symbolik: Nun geht es los mit der Schaffung des Forschungs- und Industrieparks für urbane Technologien. Die Übernahme des Geländes im August durch die landeseigene Tegel Projekt GmbH ist der erste große formelle Schritt. Bis 2040 soll das gesamte Vorhaben in vier Bauabschnitten realisiert werden.

"The Urban Tech Republic ist ganz klar ein Forschungs- und Industriepark."

Philipp Boutellier, Geschäftsführer Tegel Projekt GmbH

Wo einst Passagiere nach Mallorca und Marokko abhoben, werden demnächst kluge Köpfe die Zukunft der städtischen Gesellschaften in neue Bahnen lenken. Bis zu 1000 Unternehmen mit 20.000 Beschäftigten haben auf dem 500 Hektar großen Areal Platz. Es werden Messe- und Kongressflächen geschaffen, Experimentierfelder, Hotels und Restaurants. Zudem werden 5000 Studierende erwartet. Alleine 2500 Studierende der Fachbereiche urbaner Technologien werden mit der renommierten Beuth Hochschule, die in Kürze in Berliner Hochschule für Technik umfirmiert, einziehen. Die Hochschule ist einer der ersten Ankernutzer. Ein weiterer ist die Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienste-Akademie. Über weitere Nutzer gibt die mit der Standortentwicklung betraute Tegel Projekt GmbH derzeit noch keine Auskunft. Aber so viel ist klar: Es wird ein Mix aus Start-ups und etablierten Firmen sowie Wissenschaftlern und Forschern sein. Es wird hingegen „kein Raum für Kulturelles“, sagt Geschäftsführer Philipp Boutellier. „The Urban Tech Republic ist ganz klar ein Forschungs- und Industriepark.“ Die Akteure suchen allesamt Antworten auf die drängenden Fragen zur Zukunft der Städte.
Der Innovationscampus wird auch Restaurants, Hotels und Kongressflächen beherbergen.
Der Innovationscampus wird auch Restaurants, Hotels und Kongressflächen beherbergen.
Innovationscluster zu nachhaltigem Bauen

Im Fokus stehen dabei unter anderem sauberes Wasser und Recycling beziehungsweise die Kreislaufwirtschaft, ferner klimaneutrale Energiesysteme und umweltschonende Mobilität – und zwar beides gekoppelt. Das heißt: In Tegel geht es nicht mehr rein um E-Fahrzeuge, sondern darum, wie sie zum Beispiel überschüssige Energie im Netz aufnehmen oder gespeicherte Energie ins Netz einspeisen.

In einem weiteren Haupt-Forschungsthema wird sich nachhaltigem Bauen gewidmet. „Holzbauhütte“ haben die Macher das Innovationscluster genannt, das sich zum Ziel setzt, den klimafreundlichen Holzbau auf industrielles Niveau zu heben und ihn mittelfristig gegenüber konventionellem Bauen günstiger zu machen. Alleine der Begriff „Bauhütte“ zeigt dabei, wie ehrgeizig dieses Vorhaben ist. Denn er knüpft sowohl an die Dombauhütten des Mittelalters als auch an das Bauhaus an. In beiden Fällen suchten führende Ingenieure wegweisende Lösungen für das Bauen der Zukunft. Die Tegeler Bauhütte hat ähnlich Großes vor, nämlich, so Boutellier, „eine kulturelle Bewegung in Gang zu setzen“. Und natürlich „gänzlich neue Fertigungsmethoden zu entwickeln“. Konkret sollen etwa standardisierte komplette Bauteile, also inklusive Kabelage, entwickelt werden, sodass sie für jegliche Gebäude verwendet werden und sogar aus dem einen entfernt und ins andere eingefügt werden können. Praktische Umsetzung erfährt dieser revolutionäre Ansatz in direkter Nachbarschaft von Berlin TXL: Das ‚Schuhmacher Quartier‘ mit rund 5000 Wohnungen für mehr als 10.000 Menschen, Geschäften, Kitas und Schulen soll die weltweit größte Holzstadt werden. Selbstverständlich ist sie zudem autofrei. Vorhandene E-Autos parken im Mobility-Hub.
„Tech Republic“ öffnet 2027.
„Tech Republic“ öffnet 2027.
Die ersten Bagger rollen bereits diesen Herbst an

Ein weiterer Knotenpunkt ist der „Futr Hub“, eine hoch leistungsfähige IT-Plattform zur intelligenten Vernetzung digitaler Infrastrukturen. Denn alles neu Entstehende in TXL wird unter dem Primat der „totalen Digitalisierung“ passieren, sagt Philipp Boutellier. „Wenn wir unseren Lebensstil halten oder gar verbessern wollen, gleichzeitig aber damit konfrontiert sind, dass die Ressourcen endlich sind, wir diese also schonen müssen, ist die Digitalisierung die einzig mögliche Antwort.“

Noch ist das Zukunftsmusik, die aus der Ferne klingt. Lediglich in den früheren Versorgungs- und Verwaltungsgebäuden am Rand des Airports werden schon dieses oder spätestens nächstes Jahr Firmen einziehen, eventuell Künstlerateliers. Es soll Flächen für eine kulturelle Nutzung geben. „Die Interessenten stehen Schlange“, sagt Boutellier.

Das komplette Terminalgelände hingegen wird jahrelang eine riesige Baustelle sein, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die ersten Bagger sollen noch diesen Herbst anrücken. Bis der Innovationspark in Betrieb genommen werden kann, wird es, sofern die Pläne eingehalten werden, 2027 werden. Die ersten Nutzer werden dann die Beuth Hochschule in Terminal A sein, das Gründungs- und Technologiezentrum in Terminal B sowie die Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie in den Hangars.

In den darauffolgenden Jahren entstehen in weiteren Bauabschnitten das „Schuhmacher Quartier“ sowie, nördlich an die „Tech Republic“ anschließend, ein mehr als 200 Hektar großer Landschaftsraum, der allen Berlinern zur Verfügung stehen soll. Neben einem zweiten Park sind außerdem weitere 4000 Wohnungen in den benachbarten Quartieren „Cité Pasteur“ und „TXL Nord“ geplant. THERESIA BALDUS
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