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Berlins Top 200 Spezial

Berliner Arbeitgeber bleiben weiter auf Wachstumskurs

Zum elften Mal in Folge haben die 200 größten Arbeitgeber ihr Personal aufgestockt – trotz Pandemie

Mit 24.126 Beschäftigten belegt die Deutsche Bahn erneut den vordersten Rang unter den Top 200. FOTO: QUERBEET / GETTY IMAGES

Fast 467.000 Berliner und Brandenburger waren im vergangenen Jahr bei den 200 größten Arbeitgebern der Hauptstadtregion beschäftigt – das sind 2,8 Prozent mehr als noch im Jahr 2019. Das ergab eine Umfrage der Berliner Morgenpost bei den größten Arbeitgebern aus der Wirtschaft der Hauptstadtregion. Damit haben die Top 200 ihre Belegschaften zum elften Mal in Folge aufgestockt. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 rekrutierten die größten Arbeitgeber Berlins 1,5 Prozent mehr Mitarbeiter, 2018 waren es 1,9 Prozent und 2017 etwa 2,9 Prozent. Trotz Pandemie haben im vergangenen Jahr insgesamt 98 der 200 Top-Unternehmen Personal eingestellt, nur 49 haben abgebaut. Bei dem Rest blieb die Zahl konstant oder die Unternehmen konnten keine aktuellen Zahlen nennen.

Die Deutsche Bahn liegt weiter auf Pole Position

Konkret nachgefragt hat die Berliner Morgenpost in diesem Jahr, ob die Top-200-Unternehmen ohne die Corona-Pandemie zum Jahresende mehr Beschäftigte gehabt hätten. Darauf antworteten 79 mit „Nein“ und 26 mit „Ja“. „Die erste Welle hatte noch vergleichsweise geringe Auswirkungen“, sagt Ingo Müller, Human-Resources-Manager bei der Deutschen Kreditbank. „Mit Einsetzen der zweiten Welle im Herbst gingen die Zahlen dann aber spürbar zurück.“ Nichtsdestotrotz hat die DKB im Gesamtjahr kräftig eingestellt – zum Jahresende arbeiteten rund 3300 Menschen (plus 12,1 Prozent) in den DKB-Niederlassungen in Berlin und dem Umland.

"Die Talsohle ist durchschritten, die Berliner Unternehmen sind für die Zukunft recht optimistisch gestimmt."

Claus Pretzell, Investitionsbank Berlin (IBB)

Ähnliches hat auch Stephan Natz, Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe, erlebt: „Viele Einstellungen ergeben sich bei uns aus Praktika – und die haben wir in der ersten Jahreshälfte 2020 kräftig heruntergefahren.“ Auch bei den Wasserbetrieben hätten sich die Bewerber anfangs eher zurückgehalten. „Wir haben laufend offene Stellen ausgeschrieben und trotz Corona auch ordentlich eingestellt. In manchen Bereichen fehlen allerdings auch in der Pandemie die Fachkräfte am Markt.“ Zum Jahresende beschäftigten die Wasserbetriebe 4733 Mitarbeiter – ein Plus von 6,9 Prozent. Weitere 80 neue Kollegen sollen in diesem Jahr hinzukommen.

Personal abbauen mussten hingegen die Gebäudedienstleister – so zum Beispiel Gegenbauer: 9,2 Prozent der Stellen sind hier im vergangenen Jahr weggefallen. Der Grund: „Das Corona-Jahr 2020 beeinträchtigte insbesondere unsere Dienstleistungen an Flughäfen sowie unser Eventgeschäft und Leistungen für Großveranstaltungen“, sagt Claus Kohls, Human-Resources-Manager bei Gegenbauer. Insgesamt vermeldeten die sieben in den Top 200 gelisteten Gebäudemanager rund sechs Prozent weniger Personal. Andere Branchen haben hingegen kräftig aufgestockt – allen voran die IT- und Digitalunternehmen, die Ende des vergangenen Jahres 9,8 Prozent mehr Personal verzeichneten. Insgesamt arbeiteten 22.625 Mitarbeiter zum Jahreswechsel bei den IT- und Digitalfirmen aus den Berliner Top 200.

Die Banken haben 9,1 Prozent mehr Personal eingestellt. In der Gesundheitswirtschaft, seit Jahren schon einer der am stärksten wachsenden Sektoren der Hauptstadtregion, arbeiteten Ende 2020 fast sechs Prozent mehr Menschen.

Als größter Arbeitgeber der Wirtschaft in der Hauptstadtregion steht mit 24.126 Beschäftigten (plus 4,6 Prozent) nach wie vor die Deutsche Bahn inklusive S-Bahn auf dem ersten Platz des Rankings. Auch die Plätz zwei und drei sind mit der Charité und den Vivantes Kliniken unverändert. Kräftig eingestellt hat auch die BVG. Mit einem Plus von 4,9 Prozent auf 15.705 Mitarbeiter belegt die Nahverkehrsgesellschaft nun den vierten Platz. Den prozentual größten Mitarbeiterzuwachs im Ranking verzeichnet mit plus 51,7 Prozent Tier Mobility. Der Anbieter von Leih-E-Scootern ist mit 713 Beschäftigten zum ersten Mal in den Top 200 vertreten. Kräftig eingestellt haben auch Delivery Hero (plus 45,1 Prozent), SAP (plus 33,3 Prozent) und die Helios Kliniken (plus 27,3 Prozent). Insgesamt weisen 21 Unternehmen ein Beschäftigungswachstum im zweistelligen Bereich auf. Mit minus 52,7 Prozent auf 5200 Mitarbeiter ganz unten in der Rangliste der Beschäftigungsveränderungen steht der Berliner Traditionskonzern Siemens, der von Rang 6 auf Rang 19 gefallen ist. Der Grund liegt in der Abspaltung der Siemens Energy AG von der Muttergesellschaft.

Zahl der Erwerbstätigen sinkt um 0,4 Prozent

Befragt nach der Beschäftigungsprognose für 2021 gaben 45 der Top-200-Arbeitgeber an, bis zu 5440 neue Stellen schaffen zu wollen. Zudem wollen 62 Unternehmen die Belegschaftszahlen konstant halten. Hingegen gehen neun Unternehmen davon aus, dass sie rund 680 Arbeitsplätze abbauen werden. Keine Angaben dazu machten 84 Firmen.

Die positive Grundstimmung nimmt auch Claus Pretzell, Volkswirt bei der Investitionsbank Berlin (IBB), wahr: „Die Talsohle ist durchschritten, die Berliner Unternehmen sind für die Zukunft recht optimistisch gestimmt.“ Das liege vor allem an der immer schneller steigenden Impfquote und der damit verbundenen Hoffnung, dass die Erkrankungswelle im Herbst ausbleiben werde. So rechnet die IBB schon für das Gesamtjahr 2021 mit einem steigenden Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent. Nach dem Abschwung des vergangenen Jahres – in Berlin sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 3,3 Prozent – gelingt demzufolge also die Rückkehr auf den Wachstumspfad. „Die Corona-Krise ist nicht so hart ausgefallen wie anfangs befürchtet“, sagt Volkswirt Pretzell.

Viele kleine und mittlere Firmen aus Berlin sind allerdings nicht ganz so souverän wie die Top-Arbeitgeber durch die Krise gekommen. So hat sich die Zahl der Erwerbstätigen in der Hauptstadt insgesamt im vergangenen Jahr um 0,4 Prozent verringert. Doch auch hier glaubt Pretzell an eine schnelle Erholung: „Die Erfolgsgeschichte von Berlin ist noch lange nicht zu Ende. Die Hauptstadt ist sehr attraktiv für Nachwuchs- und Fachkräfte und Unternehmen – und das wird sie auch bleiben.“ MICHAEL GNEUSS UND KATHARINA LEHMANN
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