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Extra: Toplagen in Berlins Westen

Berlins Westen: Siemensstadt 2.0 mit Wissenschaftsstandort in Spandau

Auf dem historischen Firmengelände in Spandau soll das smarte Arbeits- und Wohnquartier der Zukunft entstehen

Vision Siemensstadt 2.0: Mit dem neuen Wissenschaftsstandort soll auch jede Menge Wohnraum entstehen. GRAFIK: SIEMENS AG

Jan Ahrenberg 

Forschen, Arbeiten, Wohnen – dass ist der Dreisatz, auf den sich die Pläne für die Siemensstadt 2.0 bringen lässt. Auf der 70 Hektar großen Fläche – so groß wie rund 130 Fußballfelder – in Spandau soll bis zum Jahr 2030 ein „moderner Kiez der Zukunft“ entstehen. 600 Millionen Euro will der Konzern dafür ausgeben. Und der Senat pumpt mindestens noch einmal genauso viel in Infrastruktur wie Schulen und Kitas, wie Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) Anfang des Jahres schätzte. Auch eine mögliche Reaktivierung der Siemensbahn wird diskutiert. Dann fließen eher ein paar Milliarden.

Viele Vorzüge der Lage

„Wir sprechen hier von einem schlafenden Riesen“, sagt Dirk Wohltorf, Immobilienmakler im Nordwesten der Stadt. „Die Nähe zu Charlottenburg, eingerahmt von Schifffahrtskanal und Spree – die Lage hat ungeheures Potenzial.“ Entscheidend sei nun wohl, was die Ergebnisse des gerade gestarteten städtebaulichen Wettbewerbs bringen werden. Er soll Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Aber schon jetzt ist klar, dass der Kiez einige Vorzüge bietet, nach denen man sich andernorts die Finger leckt: „Bereits heute ist das Gebiet mit der U7, dem Saatwinkler- und Siemensdamm bestens angebunden“, so Dirk Wohltorf, der auch Vize-Vorsitzender des Immobilien Verbandes IVD ist. Entwicklungsgebiete im nördlichen Pankow oder Weißensee sind infrastrukturell deutlich lückenhafter erschlossen. Die Wiederherstellung der Siemensbahn hält Wohltorf daher auch für zweitrangig: „Das Geld wäre zum Beispiel für die Verlängerung der U8 zum Märkischen Viertel sinnvoller aufgewendet. Hier leben Tausende Menschen ohne schnellen Verkehrsanschluss.“

Ob mit oder ohne neue Infrastruktur: In jedem Fall wird in den kommenden Jahren viel Geld in eine Ecke Berlins gespült, die bislang noch nicht gerade als eine der Toplagen gilt. Neben Laboren, Hotels, Gründer- und Hochschulzentren soll auch eine Menge Wohnraum entstehen.

Von der geplanten 200.000-Quadratmeter-Fläche sind 30 Prozent für sozialen Wohnraum vorgesehen, um den Rest dürfte sich eine solvente Klientel aus Wissenschaftlern, Hochschullehrern und Managern bewerben.

Sorge um den Bestand

Das dürfte selbst den Immobilienmarkt in den angrenzenden Stadtvierteln in Schwung bringen. Schließlich wartet mit dem Flughafen Tegel gleich nebenan ein weiterer Entwicklungskiez auf den Startschuss. Und wenn dort der Grundstein für die Nachnutzung gelegt wird, hat auch der Fluglärm ein Ende.

„Wir hoffen nur, dass von den Entwicklungen auch der Bestand profitiert“, sagt Wohltorf. Momentan herrsche noch sehr einfacher Mietraum mit teils dringendem Modernisierungsbedarf vor. „Ob das Geld reicht, um Vorgärten und Fassaden aufzuhübschen und so die Attraktivität des Kiezes voranzubringen, bleibt abzuwarten.“
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