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Themenwelten Berliner Morgenpost
Bewusst genießen

Bunt gespickter Rost

Vegane Varianten für ein gelungenes Barbecue

SELLY HÄUßLER  

Grillfeste sind hierzulande leider immer noch eng mit dem Verzehr von Schweinenackensteaks oder Rostbratwürsten verbunden. Und für Vegetarier oder Veganer gibt’s maximal Grillkäse und Tofuwürstchen. Dabei entfalten auch viele Gemüse- und Obstsorten ihr volles geschmackliches Potenzial beim Garen über der Glut. Und es lohnt sich, ein bisschen Zeit und Mühe in die Vorbereitung für das vegane Grillvergnügen zu investieren.

Mehr Pep fürs Gemüse

Eigentlich ist es auch gar nicht so schwer, den Grillrost bunter zu gestalten und der Star auf dem nächsten Grillfest zu werden. Denn grundsätzlich eignet sich jedes Gemüse – nur die Garzeit unterscheidet sich stark. Deshalb ist es ratsam Kartoffeln, Karotten, Artischocken und Maiskolben etwas vorzukochen. Auch Brokkoli, Blumenkohl und Spargel am besten vorher kurz blanchieren. Typisch fürs Grillen sind Gemüsespieße aus Zucchini, Paprika und Auberginen. Eine Marinade aus Öl, Knoblauch und Kräutern rundet die Kombination ab. Majoran und Thymian sind nie ein Fehler. Auf das jeweilige Gemüse abgestimmt wirkt die Marinade aber noch besser. Rosmarin passt beispielsweise nicht nur beim Kochen gut zu Kartoffeln, und abgeriebene Zitronenschale gibt Brokkoli ein besonderes Aroma. Wer am Lagerfeuer grillt, kann für den ersten Hunger Stockbrot backen.
       
Als Dessert bietet sich Obst an, das aber nur kurz auf oder neben die Glut kommt. Äpfel, Birnen, Bananen, Mangos, Ananas, Pfirsiche oder Feigen: kombiniert mit Sorbet oder veganem Vanilleeis bekommen sie ganz neue Geschmacksnuancen.

Eindruck schinden Veganer vor allem mit kreativen Füllungen. Für gegrillte Avocado kommen zum Beispiel eine Tomatensalsa oder Kichererbsenfüllung in Frage. Kartoffeln können mit Jackfruchtsalat oder veganer „saurer Sahne“ aus Cashewkernen serviert werden und Quinoa- oder Hirsefüllungen eignen sich für Pilze und Tomaten.
       
Nachspeise: gegrillte Banane mit veganem Vanilleeis. FOTOS: PICALOTTA; 5SECOND / ISTOCKPHOTO
Nachspeise: gegrillte Banane mit veganem Vanilleeis. FOTOS: PICALOTTA; 5SECOND / ISTOCKPHOTO
Natürlich greifen einige Veganer, gerade weil sie meist nicht als solche aufgewachsen sind, gern zum Fleischersatz. Aus Tofu, Seitan oder Tempeh gibt es in Bio- oder auch Supermärkten inzwischen eine große Auswahl an fertigen Produkten zum Grillen. Dazu passen selbstgemachte Dips gut, zum Beispiel Tomate-Chili.

Tofuwürstchen und Co. legt man direkt auf den Grill, beim Selbstwürzen von Fleischersatz ist aber Planung gefragt. Bei Tofu muss die Marinade ein paar Stunden einwirken, da er ansonsten geschmacksneutral daherkommt. Wichtig ist, den Tofu zunächst auszupressen, ihn also in Scheiben oder Würfel zu schneiden, zwischen Küchenpapier zu legen und etwa zehn Minuten mit Büchern oder Pfannen zu beschweren. So entweicht geschmacklose Flüssigkeit und der Tofu kann mehr Marinade aufnehmen. Noch besser funktioniert das, wenn der Tofu vorher eingefroren war. Dann mit allen Zutaten der Marinade in einer Schale oder Tupperdose mehrere Stunden im Kühlschrank ziehen lassen, bevor der Tofu auf den Grill kommt. Je länger die Ziehzeit, desto würziger das Ergebnis. Basis für die Marinade bilden zum Beispiel Sojasoße, Kokosmilch oder eine Mischung aus Orangen-, und Agavendicksaft vermengt mit Sesamöl.

Grillkäse selbst machen

Auch auf die klassische Fleischalternative Grillkäse müssen Veganer nicht verzichten. Einen veganen Kräuter-Grillkäse selbst zu machen ist nicht so aufwendig, wie es vielleicht scheint: einfach Sojamilch mit Zitronensaft und Gewürzen kochen, sieben, ausdrücken und über Nacht kaltstellen. Den fertig gegrillten Käse dann zum Beispiel mit frischen Gurken und Tomaten servieren.

Veganes Grillen mag etwas der Übung bedürfen – dafür macht der bunte Rost aber später auch definitiv Lust auf mehr!
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