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Themenwelten Berliner Morgenpost
Bewusst genießen

Treibstoff für das Gehirn

Bei Kindern ist die Ausgewogenheit der vegetarischen Ernährung besonders wichtig

Die richtige Ernährung ist entscheidend für die Denkleistungen der Schüler. FOTO: ANDRII ZASTROZHNOV / ISTOCK

SELLY HÄUßLER  

Pausenbrote zubereiten, sich selbst für die Arbeit fertig machen und die Kinder ans Zähneputzen erinnern, während das Handy schon wieder klingelt. Ein stressiger Morgen, wie ihn viele Eltern kennen. Um nicht zu spät zu kommen, muss das Frühstück heute ausfallen – und der Sohnemann meckert über den Apfel für den Weg.

Dabei wäre der eine gute Grundlage, damit Kinder den Schulstoff besser aufnehmen. „Ob das Frühstück wirklich die wichtigste Mahlzeit des Tages ist, kann man aus der aktuellen Studienlage heraus nicht sicher sagen. Klar ist aber, dass es darauf ankommt, ob man sich im Laufe des Tages allgemein gesund und vollwertig ernährt“, sagt Anna-Lena Klapp, Fachreferentin für Ernährung und Gesundheit bei ProVeg. „Bei Kindern ist die Bedeutung des Frühstücks größer, da sie sich in der Wachstumsphase befinden.“ Für eine gute Leistung benötigt unser Gehirn neben Glucose aus komplexen Kohlenhydraten wie Obst und Vollkorngetreide auch ausreichend Wasser und eine Reihe von Mineralstoffen. „Beispielsweise hilft Eisen bei der Sauerstoffzufuhr vom Gehirn und Omega-3-Fettsäuren unterstützen die Konzentration“, sagt Klapp.

Pflanzliche Lebensmittel bilden die Basis einer ausgewogenen Ernährung. Trotzdem gelten für die genannten Mineralstoffe Fisch und Fleisch als Hauptlieferanten. Für Klapp ist das kein Grund, sich von einer vegetarischen oder veganen Lebensweise abzuwenden. „Die im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren befinden sich zum Beispiel auch in Walnüssen, Leinsamen, Chiasamen, Hanfsamen und in den daraus erzeugten Ölen. Lediglich die Versorgung mit Vitamin B12 sollte bei einer abwechslungsreichen pflanzlichen Ernährung durch Nahrungsergänzungsmittel oder eine Vitamin-B12-Zahncreme abgesichert werden”, so Klapp. Die Eisenzufuhr kann dagegen durch Hirse, Vollkornmehl, Sonnenblumenkernen und Mandeln erfolgen. Diese sollten für eine optimale Aufnahme mit Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln kombiniert werden. Das können zum Beispiel ein Glas Orangensaft, Äpfel
oder Paprika sein.
           
Wenn ihre Wünsche berücksichtigt werden, freuen sich Kinder aufs Pausenbrot FOTO: DAVIDF / GETTY IMAGES
Wenn ihre Wünsche berücksichtigt werden, freuen sich Kinder aufs Pausenbrot FOTO: DAVIDF / GETTY IMAGES
Kindern gesundes Essen näherbringen

Wenn Kinder skeptisch gegenüber neuen Lebensmitteln sind, hilft es manchmal, sie Schritt für Schritt heranzuführen und die Zucchini zum Beispiel zunächst in der altbekannten Tomatensoße zu pürieren. Eine der effektivsten Strategien von Eltern bei der Ernährungsbildung ist aber, den gesunden Lebensstil vorzuleben. Mit frischem Gemüse zu kochen, führt nicht nur dazu, dass die Kinder sich gesund ernähren, sondern erfüllt auch diese Vorbildfunktion. Heutzutage verbringen Schüler einen Großteil des Tages in der Schule und essen dementsprechend auch außer Sichtweite der Eltern. Einfluss können diese dann nur noch übers Pausenbrot nehmen. „Eine Scheibe Vollkornbrot mit Hummus, frischen Kräutern und Gemüse belegt ist eine gesunde Pausenmahlzeit. Dabei sollten aber immer auch die Wünsche und Vorlieben der Kinder berücksichtigt werden“, meint Klapp. Sonst besteht die Gefahr, dass das Pausenbrot im Müll landet oder auf dem Schulhof getauscht wird.

Für Ernährung während der Schulzeit sind allerdings überwiegend die Schulmensen zuständig. Bei der Auswahl der Schule können Eltern darauf achten, wie oft vegetarische Gerichte angeboten werden und wie die Atmosphäre im Speisesaal wirkt.

„Es empfiehlt sich für Caterer und Schulküchen, sich an den Qualitätsstandards der DGE zu orientieren, die die tägliche Aufnahme von Obst und Gemüse beinhalten. Die Schulverpflegung unterscheidet sich auch regional. In Berlin sind vegetarische Gerichte beispielsweise bereits verpflichtend. Hier wird Fleisch maximal zweimal in der Woche angeboten“, sagt Katleen Haefele, die bei ProVeg die Zusammenarbeit mit Caterern und Schulküchen verantwortet. Verschiedene Aspekte entscheiden darüber, ob Schüler lieber zum nächstgelegenen Imbiss gehen, als in der Mensa zu essen. Typische Leibspeisen von Kindern müssen nicht ungesund sein. So könnten zum Beispiel in der Mensa Spaghetti mit mediterranem Gemüse zubereitet oder Pizza mit einem Teil Vollkornmehl gebacken werden.

Solche Tricks können Eltern auch zu Hause anwenden. Und der Apfel auf dem Weg funktioniert eventuell besser geschnitten. „Lebensmittel, die mit einem Bissen im Mund sind, wirken auf viele Kinder ansprechender. Das hilft übrigens nicht nur bei den Kleinen“, lautet Klapps Tipp. Mundgerechte Stücke, schönes Anrichten und Gewöhnung trägt also bei allen Altersgruppen dazu bei, eine gesunde Ernährung schmackhafter zu machen und so Höchstleistungen beim Lernen und Arbeiten zu erzielen.
           

Ideen für vegane Leckerbissen

- Empfehlenswerte Lebensmittel zum Frühstück sind laut Ernährungsexperten Vollkorngetreideprodukte in Kombination mit Obst oder Gemüse und einer kleinen Portion Fett und Eiweiß. Beispiele hierfür sind Haferflocken mit Mandelmilch und Beeren, pflanzlicher Joghurt mit Müsli, Nüssen und Apfelstückchen oder „Tofurührei” mit Gemüsesticks und Vollkornbrot.

- Wer ein bisschen kreativ sein möchte, kann mit seinen Kindern gemeinsam „Bliss Balls” als Snack für zwischendurch zubereiten. Die Basis dieser kleinen Energiekugeln besteht aus pürierten Datteln und Nüssen und kann mit weiteren Zutaten wie Haferflocken, Kakaopulver oder Kokoschips verfeinert werden.

- „Nice Cream“ aus gefrorenen Bananen statt Sahneeis schmeckt genauso süß und erfrischend und enthält weder gesättigte Fettsäuren noch industriellen Zucker.
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