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Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: Ausbildung & Studium 2020

Chancenlos ohne Schulabschluss?

Welche Perspektiven sich für Schüler ohne Abschluss bieten – und wie sie sich nachträglich qualifizieren können

Auch ohne Schulabschluss haben Jugendliche die Qual der Wahl zwischen verschiedenen Berufen oder Förderprogrammen. FOTO: DRBIMAGES / ISTOCK

Judith Jenner 

Arbeitslosigkeit, Armut, Perspektivlosigkeit – dieses Szenario droht nach Ansicht vieler, wenn man keinen Schulabschluss hat. Wer ohne die sogenannte Berufsbildungsreife (BBR), früher Hauptschulabschluss genannt, die Schule verlässt, steht aber nicht zwingend vor dem Nichts.

Für viele Berufsausbildungen im dualen System sind zum Beispiel keine formalen Zugangsvoraussetzungen vorgeschrieben. Dennoch werden die Anforderungen von den Ausbildungsbetrieben häufig so definiert, dass ein Schulabschluss als Bedingung gilt.

Jobs für Hauptschüler

Welcher Schulabschluss gefordert wird, variiert von Ausbildungsberuf zu Ausbildungsberuf. So hatten in Deutschland im Jahr 2017 etwa 53 Prozent der Anwärter für eine Friseurausbildung einen Hauptschulabschluss, 31 Prozent einen mittleren Schulabschluss und sieben Prozent sogar die Hochschulreife. Die anderen hatten keinen Abschluss. Auch bei der Ausbildung zum Gebäudereiniger stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit Hauptschulabschluss/BBR, teilweise jedoch auch Auszubildende ohne Schulabschluss ein.

"Eine Ausbildung ist ein hohes Gut im Leben: Sie kann einem nicht genommen werden. Damit wird der Grundstein für die berufliche Karriere gelegt."

Bernd Becking, Bundesagentur für Arbeit Berlin-Brandenburg

Bundes- oder Landesrecht, zum Beispiel für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialberufe gelten individuelle formale Zugangskriterien. Einen Überblick bieten die Webseiten www.berufenet.arbeitsagentur.de oder www.planet-beruf.de der Bundesagentur für Arbeit. Diese Seiten listen umfangreiche Informationen zu allen Ausbildungsberufen sowie deren Zugangsvoraussetzungen. Ausbildungsstellen finden sich unter www.jobboerse.arbeitsagetur.de der Agentur für Arbeit.

Fit für die Ausbildung

Wer nicht sofort einen Ausbildungsplatz findet, der kann einen berufsvorbereitenden Kurs besuchen, etwa die Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) der Bundesagentur oder die Integrierte Berufsausbildungsvorbereitung (IBA) des Landes Berlin. Was alle Programme gemeinsam haben: Sie geben Hilfe bei der Berufswahl, vermitteln Grundbildung in einem Berufsfeld, fördern die Ausbildungsreife und ermöglichen das Nachholen von Schulabschlüssen.

So dauert die BvB in der Regel bis zu zehn Monate. Dabei durchlaufen die Teilnehmer mehrere Betriebspraktika und erhalten dadurch einen Einblick in verschiedene Berufe. Zugleich lernt der Praktikumsbetrieb den Schulabgänger kennen und übernimmt ihn im Idealfall als Azubi. Ein weiterer Pluspunkt der BvB ist, dass unter bestimmten Voraussetzungen auch die BBR nachgeholt werden kann.

Um daran teilzunehmen, wenden sich Interessierte an eine der zwölf Berliner Jugendberufsagenturen. Der Besuch lohnt sich aber auch sonst, die Experten der Berufsberatung informieren neutral und kostenfrei. Sie leisten auch ganz konkrete Unterstützung bei den ersten Schritten ins Berufsleben. Für den Fall, dass keine Ausbildungsstelle gefunden werden konnte, beraten die Fachkräfte zu möglichen Alternativen. Auch das Berufsinformationszentrum (BiZ) ist eine gute Anlaufstelle und informiert zu Themen rund um Bildung, Beruf und Arbeitsmarkt.

Häufiger arbeitslos

Eine abgeschlossene Ausbildung mildert das Risiko, arbeitslos zu werden. Laut Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit lag die Arbeitslosenquote im Juli dieses Jahres in Berlin bei 8,0 Prozent. Von den Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung waren allerdings 25,8 Prozent arbeitslos. Bei den Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung waren es nur 4,6 Prozent. Somit ist das Risiko arbeitslos zu werden ohne Berufsausbildung deutlich höher als mit Berufsausbildung.

Bernd Becking, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, fasst es so zusammen: „Eine Ausbildung ist ein hohes Gut im Leben: Sie kann einem nicht genommen werden. Damit wird der Grundstein für die berufliche Karriere gelegt. Wer in jungen Jahren ohne Berufsabschluss bleibt, hat es später immer schwerer, Fuß zu fassen.“

Wer den Schulabschluss begleitend zur beruflichen Ausbildung oder im Anschluss daran nachholen möchte, kann die BBR auf dem Zweiten Bildungsweg nachholen. Verschiedene Bildungseinrichtungen und einige Volkshochschulen bieten dazu Tages- oder Abendkurse an. Wer in Vollzeit zur Schule geht, braucht bis zum Abschluss ein Jahr. Für die erweiterte BBR (EBBR) sollte man zwei Jahre einplanen. Einige Bildungsanbieter setzen allerdings ein Mindestalter von 18 Jahren voraus.

Messen für Einsteiger

- Stuzubi Berlin
für (Fach-)Abiturienten und MSAler, 26. Oktober, Mercure Hotel MOA Berlin, Stephanstraße 41, Mitte
- Jobmesse Berlin
2./3. November, Arena Berlin, Eichenstraße 4, Treptow
- Einstieg Berlin
15./16. November, Messe Berlin / Halle 1.1 (Eingang Süd), Jafféstraße, Charlottenburg
- Lange Nacht der Ausbildung
20. März 2020, Abacus Tierpark Hotel, Franz-Mett-Straße 3 -9, Lichtenberg
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