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Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: City-Lauf „S 25 Berlin“

Berlins ältester Straßenlauf feiert großes Jubiläum

Nach einjähriger Zwangspause ist der „S 25“ zurück – und feiert 40-jähriges Bestehen. Der Traditionslauf zieht nach wie vor Spitzensportler an. Einige stellten in der Vergangenheit sogar Weltrekorde in Berlin auf

Startschuss für den allerersten „25 km de Berlin“ am 3. Mai 1981. FOTO: PRIVAT

Hand in Hand liefen die Namensvetter Mehmet Yurdadön und Mehmet Terzi 1981 im Berliner Olympiastadion ins Ziel: Sie entschieden sich für den gemeinsamen Sieg dieses damals neuen Rennens, das von den französischen Alliierten initiiert wurde. Major Jaques Bride hatte die Idee für diesen Lauf, der die freundschaftlichen Bande zwischen den Alliierten und der Berliner Bevölkerung stärken sollte. Zugleich war es der erste Citylauf überhaupt, der in der West-Stadt stattfand. Ein Novum, das sogleich die Aufmerksamkeit der sportlich ambitionierten Berliner auf sich zog. Mehr als 3000 von ihnen nahmen am „25 km de Berlin“ teil und folgten Yurdadön und Terzi auf dem Weg zu den berühmten blauen Bahnen des Olympiastadions, wo noch heute – 40 Jahre später – das Rennen mit einem fulminanten Zieleinlauf gekrönt wird. „Eine einmalige Atmosphäre, die ihresgleichen sucht“, findet Christoph Kopp.
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Er muss es wissen. Seit der ersten Stunde gehört Kopp, damals als Vertreter des Berlin Marathons und später des Berliner Leichtathletik-Verbandes, zum Organisationsteam des „Franzosenlaufs“. Noch heute ist er als Athletenmanager beim „S 25“ dabei, wie der Volks- und Straßenlauf seit 2017 und dem Einstieg der Berliner Sparkasse als Hauptsponsor heißt. Lebhaft erinnert sich Kopp an die Anfänge. „Die französische Militärverwaltung hatte die Idee, die Berliner auf sportlichem Weg hinter sich zu bringen“, sagt er. „Zugleich war die geglückte Premiere von ‚25 km de Berlin‘ der Türöffner für andere innenstädtische Laufveranstaltungen. Noch im selben Jahr erhielt der Berlin-Marathon die Genehmigung, vom Grunewald in die Innenstadt zu ziehen.“
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In diesem Jahr mehr als 8000 Läufer erwartet

Trotz der zunehmenden Konkurrenz entwickelte sich der Lauf in den folgenden Jahren positiv. Die immer schneller werdende Strecke erregte die Aufmerksamkeit der Weltelite. „Seit jeher ist der ‚S 25‘ ein international beliebtes Rennen“, sagt Kopp. Er erinnert sich an Rosa Mota, Marathon- Olympiasiegerin von Seoul, die bei ihrer ersten Teilnahme in schlechter Form war, bei der zweiten im Jahr 1989 dann aber wenig überraschend den Sieg holte. „2010 gab es gleich zwei neue Weltrekorde. Der kenianische Langstreckenläufer Samuel Kiplimo Kosgei schaffte die 25-Kilometer- Distanz in 01:11:50. Seine Landsfrau Mary Jepkosgei Keitany in 01:19:53.“ Die heute noch gültige Weltbestmarke von 01:11:18 stellte 2012 schließlich Dennis Kipruto Kimetto auf. Zwei Jahre später knackte der Kenianer beim Berlin-Marathon ebenfalls einen Weltrekord. „Zudem sind beim ‚S 25‘ einige Karriere gestartet wie die von Lonah Chemtai Salpeter oder Patrick Makau, die vor ihren Auftritten in Berlin niemand auf dem Schirm hatte.“
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„Die Eliteläufer sind das Salz in der Suppe“, sagt Christoph Kopp. „Das Hauptziel war es jedoch schon immer, die Berliner Hobbysportler zur Teilnahme zu motivieren.“ Im Jahr der Wiedervereinigung meldeten sich mehr als 14.000 Läuferinnen und Läufer zum Traditionsevent.

"Die Eliteläufer sind das Salz in der Suppe. Das Hauptziel war es jedoch schon immer, die Berliner Hobbysportler zur Teilnahme zu motivieren."

Christoph Kopp, Athletenmanager

Dieses Jahr werden am 10. Oktober mehr als 8000 Teilnehmer erwartet. Darunter dürften nicht wenige Newcomer sein, die das Laufen in Zeiten der Krise für sich entdeckten. Trainiert haben sie allein, jetzt können sie das erste Mal gemeinsam auf die Strecke gehen.
Am 10. Oktober können Teilnehmer die klassische 25-Kilometer-Distanz absolvieren, zehn Kilometer einen Halbmarathon oder einen Staffellauf für Teams (5x5 Kilometer). FOTO: JUERGEN ENGLER
Am 10. Oktober können Teilnehmer die klassische 25-Kilometer-Distanz absolvieren, zehn Kilometer einen Halbmarathon oder einen Staffellauf für Teams (5x5 Kilometer). FOTO: JUERGEN ENGLER
Die Strecke gleicht einer Sightseeingtour

Dieses Gemeinschaftserlebnis betont auch Martin Seeber, Geschäftsführer der Top Sportevents GmbH. Die organisiert seit diesem Jahr den „S 25 Berlin“ als Teil der „Berlin läuft!“-Serie. „Der ‚S 25‘ hat in den vergangenen 40 Jahren viele sportliche Geschichten geschrieben und eine einmalige Symbiose aus Spitzen- und Breitensport geschaffen“, sagt Seeber, der 1985 als passionierter Tennisspieler nach Berlin kam und hier dank des „S 25“ die Freunde am Ausdauerlauf entdeckte. „Internationale Top-Athleten werden auch in diesem Jahr an den Start gehen. Im Fokus steht aber nach der langen Durststrecke für alle Aktiven das Erlebnis, wieder gemeinsam durch unsere schöne Sportmetropole zu laufen.“
Berlins ältester Straßenlauf feiert großes Jubiläum Image 1
„Wir sind sehr froh, dass wir in diesen herausfordernden Zeiten dieses besondere Jubiläum mit den Läuferinnen und Läufern feiern dürfen“, sagt Seeber. „Wir arbeiten mit einem detaillierten Hygienekonzept, das auf der 3GRegel basiert. Wir haben viele Dinge der aktuellen Situation angepasst und an vielen kleinen Stellschrauben gedreht, beispielsweise erfolgt die Startnummernausgabe in der Mall of Berlin, wo Abstände besser eingehalten werden können.“ Das Tragen einer medizinischen Maske auf dem Veranstaltungsgelände ist für die Läuferinnen und Läufer Pflicht. Zudem dürften lediglich die teilnehmenden Kinder im Start- und Zielbereich am Olympiastadion von weiteren Personen begleitet werden.
Seit 1981 hat sich viel verändert. Gleich geblieben ist die Tradition, am Olympischen Platz zu starten. Vorbei an den bekannten Sehenswürdigkeiten wie Siegessäule, Brandenburger Tor, Gendarmenmarkt, Potsdamer Platz, Kurfürstendamm, Gedächtniskirche und Funkturm führt der Weg zurück ins Olympiastadion. Neben der klassischen 25-Kilometer-Distanz gibt es einen Wettbewerb über zehn Kilometer, einen Staffellauf für Teams (5x5 Kilometer) und für den Nachwuchs einen Kinderlauf. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Kids, die heute mitrennen, eines Tages auf die große Strecke gehen werden. MAX MÜLLER
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