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Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: Jüdische Kulturtage

Gedenkveranstaltung und „Balagan-Day“ in Berlin

Zum „Balagan-Day“ am 17. November öffnet die Jüdische Gemeinde an der Fasanenstraße ihre Türen und lädt zu einem bunten kulturellen und kulinarischen Programm ein

Am „Balagan-Day“ bietet die Jüdische Gemeinde Einblicke in Kultur und Kulinarik. FOTO: DAVIDS/SVEN DARMER

Max Müller 

Friedhöfe, Denkmäler, Ruinen alter Gebetshäuser – wer nur die Relikte der Vergangenheit im Blick hat, übersieht leicht, wie präsent das jüdische Leben heute wieder in der Hauptstadt ist. Das liegt zum einen an den jüdischen Kontingentflüchtlingen, die nach dem Mauerfall aus der Sowjetunion nach Deutschland gekommen sind. Das liegt aber gleichsam an den vielen Tausenden Israelis, die Berlin – häufig nach dem Militärdienst – als Wahlheimat auserkoren haben. Nicht jeder Jude, der nach Deutschland kommt oder hier lebt, ist automatisch jüdisch, will heißen: religiös. Dennoch zehrt die Jüdische Gemeinde zu Berlin von den Glaubensbrüdern, rund 10.000 Mitglieder zählt sie und bildet damit deutschlandweit die größte Gemeinschaft mit zahlreichen Gemeindezentren und Gotteshäusern, etwa an der Oranienburger Straße in Mitte, der Rykestraße in Prenzlauer Berg oder der Pestalozzistraße in Charlottenburg.
Ebenso wie im Christentum gibt es auch im Judentum verschiedene Strömungen. So versteht sich die Gemeinde am Fraenkelufer als konservativ, während es in der Joachimsthaler Straße einen orthodoxen und an der Herbartstraße einen liberalen Ritus gibt. Traditionell hat sich die Jüdische Gemeinde in Berlin der Aufklärung (Haskala) verpflichtet, die hier mit dem Philosophen Moses Mendelssohn (nach dem auch das Gymnasium an der Großen Hamburger Straße benannt ist) begründet wurde. Gerade aber auch die orthodoxen Gemeinschaften sind in den vergangenen Jahren gewachsen. So etwa die chassidische Bewegung Chabad, die derzeit an der Westfälischen Straße in Wilmersdorf ein neues Gemeindezentrum erbauen lässt und an deren religiöser Traditionsschule seit einigen Jahren auch Abiturienten ins Leben entlassen werden. Zum 150-jährigen Bestehen putzt sich auch die (von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin unabhängige) Israelitische Synagogen-Gemeinde Adass Jisroel heraus, die derzeit ihr Gemeindehaus an der Tucholskystraße sanieren lässt.
Einen kleinen Einblick in das vielfältige jüdische Leben der Hauptstadt bietet die Jüdische Gemeinde auch in diesem Jahr wieder an der Fasanenstraße. Dieser „Balagan-Day“ hat innerhalb der Jüdischen Kulturtage längst Tradition und ermöglicht es Berlinern, hinter Türen zu schauen, die – auch aus Sicherheitsgründen – sonst verschlossen bleiben. Die Gäste erwartet ein „Food Corner“ mit typisch jüdischen Spezialitäten sowie eine Vielzahl von tänzerischen und musikalischen Aufführungen, im Foyer gibt es mit mit dem Stück „Koscher-Maschine“ ein Puppentheater und in der Bibliothek referiert Hendrik M. Kosche, Kulturreferent der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, über die Geschichte des Hauses.

Ganz ohne die Erinnerung an die Schrecken der Shoah geht es nicht. Beim Gedenken zum 81. Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 sprechen unter anderen Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, und der Regierende Bürgermeister Michael Müller. Die Schauspielerin Nadine Schori rezitiert Texte, Rabbiner Jonah Sievers lädt zum Gebet ein. Zum Abschluss singt Kantor Isidoro Abramowicz das Kaddisch, ein wichtiges jüdisches Gebet zum Seelenheil der Verstorbenen.
 

Termine

Jüdisches Gemeindehaus Fasanenstraße
Fasanenstraße 79-80, Charlottenburg

Gedenkveranstaltung
Fr., 8.11., 14 Uhr

Balagan Day
So., 17.11., ab 12 Uhr
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