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Themenwelten Berliner Morgenpost
Pandas in Berlin

Der tägliche Bärendienst

Bären-Revierleiter Christian Toll betreut die Pandas im Zoo. Er muss ihnen auch beibringen, manchmal still zu sitzen

Bären-Revierleiter Christian Toll am neuen Panda-Gehege mit echtem Bambus und Säulen im Bambus-Look. Sein Chef attestiert Toll eine zu den Pandas passende „ruhige Art“ BM/SERGEJ GLANZE

Nestle Schöller
Es war seine Chance. Christian Toll hat sie sofort erkannt. Als er erfuhr, dass der Zoo zwei neue Große Pandas bekommen soll, sagte er sich: „Das lass ich mir nicht entgehen.“ Der Tierpfleger wollte derjenige sein, der als einziger in Deutschland von sich behaupten kann, Pandabären zu betreuen. Die Stelle des Revierleiters bei den Bären war gerade ausgeschrieben und er gab seine Bewerbung ab. „Die Pandas waren ein zusätzlicher Anreiz, es zu versuchen“, sagt der 34-Jährige. Er bekam den Posten. Zoodirektor Andreas Knieriem ist froh über seine Wahl. „Er hat genau die richtige ruhige Art, die die Bären brauchen.“ So wie er heiße, so sei er auch als Bären-Revierleiter: „Einfach toll“.

Mit der Vorbereitung auf den neuen Job hat er schon im Februar begonnen. Als erstes besorgte er sich Fachbücher über die Panda-Haltung. „Es gibt nicht soviel gute Literatur darüber, weil es nicht die breite Masse anspricht“, sagt Toll. Nach der Theorie folgte die Praxis. Er besuchte den Zoo in Beauval im Norden von Frankreich, der auch ein Panda-Pärchen aus Chengdu hat und sah sich dort die Haltung an. Als nächstes stand eine Reise in den Zoo von Wien auf dem Programm. Auch dort gibt es Pandas, sogar gerade ein neugeborenes Zwillingspärchen. Christian Toll konnte erfahren, was wichtig ist bei der Aufzucht der mittlerweile neun Monate alten Jungtiere. Ein Wissen, das er hoffentlich bald im Berliner Zoo einsetzen kann. Denn Nachwuchs ist dringend erwünscht.

Erster Kontakt mit den Bären im Reservat von Chengdu

Dass der gelernte Tierpfleger sofort einen Draht zu Meng Meng und Jiao Qing hatte, war schon in China zu spüren. Bevor die Bären in Berlin ankamen, verbrachte Toll eine Woche im Reservat Chengdu und konnte dort bereits seine Schützlinge kennenlernen. Langsam kam er mit ihnen in Kontakt. Am ersten Tag verbrachte er eine Stunde an ihren Gehegen. Täglich steigerte er die Dauer, bis er sich den ganzen Tag mit ihnen beschäftigte.

Pandas brauchen nicht nur täglich jede Menge Bambus und die Ansprache einer vertrauten Person. Sie brauchen auch eine gute Erziehung. Das wird vor allem dann wichtig, wenn sie sich verletzt haben und eine leichte Wunde versorgt oder Blut abgenommen werden muss. In der Paarungszeit ist es wiederum wichtig, dass eine Ultraschall- Untersuchung durchgeführt werden kann. Für all diese Fälle muss der Panda lernen, ans Gitter zu kommen und sich hinzusetzen. Dafür gibt es ein spezielles Medical-Training, bei dem der Bär auf Klicken und Pfeifen reagiert. Er muss wissen, dass er bei den Tönen zum Pfleger oder zum Tierarzt zu kommen und sich in eine bestimmte Position zu bringen hat. Haben die Bären mal keine Lust dazu, gibt es noch einen anderen, sehr einfachen Trick. „Pandas sind bestechlich“, sagt der Revierleiter. „Für ein Stück Apfel machen sie alles.“ Sobald sie die Obstschüssel sähen, würden sie sofort ans Gitter kommen.

Glücklich beim Wiedersehen nach einer Woche in Berlin

Nach der einen Woche in China, sei es ihm merkwürdig vorgekommen, dass er wieder wegmusste, erzählt Toll. Der Kontakt sei so intensiv gewesen, dass der Abschied nicht leicht gefallen sei. Beim Wiedersehen eine Woche später in Berlin musste er nicht viel sagen. Ein Blick in sein Gesicht verriet alles: Christian Toll war glücklich, die beiden wieder zu haben.

Jetzt hat er Meng Meng und Jiao Qing jeden Tag um sich. Die vergangene Woche haben die beiden Tiere noch im Innenbereich zugebracht. Zwar waren sie bereits in China vier Wochen in Quarantäne zur Überwachung ihres Gesundheitszustandes. Dennoch mussten sie auch in Berlin zunächst isoliert bleiben, um zu sehen, ob sie die Reise und den Umzug gut überstanden haben. Alle sind zufrieden mit der Eingewöhnung der beiden Bären. Sie machen das, was sie immer tun: Sie fressen und schlafen den ganzen Tag.

Tipps: Wie kann ich die Pandas entspannt erleben?

Am heutigen Mittwoch sind die Pandas den Augen der Staatsgäste vorbehalten. Ab Donnerstag, 6. Juli, empfangen die Bären auch normale Gäste im Panda- Garden. Der Zoo öffnet dann wie üblich um 9 Uhr morgens. Empfohlen wird, die Tickets im Vorfeld online zu kaufen oder das am Bahnhof Zoo gelegene Löwentor zu benutzen, an dem es seit der Sanierung 2016 viele neue Kassen gibt (Details siehe Seite 11).

Ob es zu Warteschlangen kommt, hängt davon ab, wie viele Panda-Fans die Tiere gleich am ersten Tag erleben wollen. Zoochef Andreas Knieriem betont jedenfalls, dass die neue, 5500 Quadratmeter große Panda-Anlage so angelegt worden sei, dass viele Besucher die Pandas auch zu sehen bekommen können. Der beste Platz dafür ist auf die Panda-Plaza des Pavillons. Besucher gelangen durch das chinesische Tor über eine Brücke dorthin. Von der Besucherplattform aus hat man sowohl die Innen- als auch die Außengehege beider Tiere im Blick. Einen guten Blick auf die Anlage des Weibchens Meng Meng haben Besucher auch vom chinesischen Pavillon aus, der in der Nähe des Elefantentores liegt. Allerdings ist von dort aus Jiao Qing nicht zu sehen. Befinden sich die Pandas in ihren Außenanlagen, kann man auch vom Zaun aus versuchen, einen Blick auf sie zu erhaschen.

Außer den Pandas lockt ein chinesisches Fest Besucher in den Zoo. Vom 6. bis zum 9. Juli können sie zum Beispiel chinesische Köstlichkeiten probieren, traditioneller chinesischer Musik lauschen und handgefertigte Produkte aus der Panda-Leibspeise Bambus bestaunen. „Unser Tipp zum Erleben der Pandas wäre, auch für das gesamte chinesische Erlebnis in den Zoo zu kommen und genug Zeit mitzubringen, damit die Entspannung der Pandas auch auf die Besucher übergehen kann“, sagt Zoo-Sprecherin Philine Hachmeister. „Und wer ein Gedränge ganz sicher vermeiden will, sei erinnert, dass die Pandas von jetzt ab 365 Tage im Jahr in Berlin zu besuchen sind.“ BM
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