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Der Unermüdliche

Zum Abschluss des Festivals spielt Daniel Barenboim drei eher unbekannte Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven

Beethovens Musik sei universell und spreche daher zu allen Menschen, sagt Pianist und Dirigent Daniel Barenboim. FOTO: SILVIA LELLI

Woher nimmt dieser Mann bloß seine Energie? Es gibt eigentlich nur eine Erklärung: Daniel Barenboim, gefeierter Solist, Chefdirigent der Staatskapelle Berlin – und das auf Lebenszeit – sowie Mit-Initiator des West-Eastern Divan Orchestra brennt für die Musik. Er lebt sie, in all ihren Facetten.

Natürlich war Barenboim auch beim Neustart der Kultur ganz vorn dabei: Vor wenigen Wochen lud er sämtliche Berlinerinnen und Berliner zum Open-Air-Konzert „Staatsoper für alle“ auf den Bebelplatz ein. Sein neuestes Projekt widmet sich der musikalischen Früherziehung. An der 48. Grundschule in Prenzlauer Berg erteilen Pianisten der Daniel-Barenboim-Stiftung fortan Schülern einer jahrgangsübergreifenden Klasse Einzelunterricht – eine einmalige Chance. Zum Auftakt des Projekts Ende September war der Maestro höchstpersönlich vor Ort anwesend und machte den Kleinen Lust auf klassische Musik – schließlich hat er auch mal klein, mit gerade fünfeinhalb Jahren, mit dem Klavierspielen begonnen.

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Daniel Barenboim brilliert auch am Piano. FOTO: VYACHESLAV PROKOFYEV
Daniel Barenboim brilliert auch am Piano. FOTO: VYACHESLAV PROKOFYEV
Barenboim bewundert Beethovens Musik

Vom Klassenzimmer in den Konzertsaal ist es zumindest für Barenboim nur ein Sprung. Und so sieht man ihn demnächst wieder auf einer Bühne – einer ganz besonderen, der der Synagoge Rykestraße. Das von Johann Hoeniger kurz nach der Jahrhundertwende errichtete Gotteshaus im neuromanischen Stil zählte einst zu den größten in Europa. Besonders beeindruckend ist der farbenfroh ornamentierte Bogen über dem Toraschrein. Ein fesselnder Anblick.

In diesem außergewöhnlichen Ambiente tritt der 78-Jährige nun im Rahmen der Jüdischen Kulturtage auf, deren fulminantes Abschlusskonzert er als Solist gestaltet. Zur Aufführung bringt er drei eher unbekannte Sonaten Ludwig van Beethovens, die gebündelt als Opus 31 erschienen. Diese schrieb er unmittelbar im Anschluss an die gerade erst vollendete „Mondscheinsonate“ (1801).

Virtuosität als roter Faden in den Partituren

Die zwischen 1803 und 1805 veröffentlichten Klaviersonaten sind ganz unterschiedlichen Charakters. Was sie eint, ist ihr Verlangen nach Virtuosität. Beethovens Schüler Carl Czerny gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er über die Klaviersonate Nr. 17 d-Moll spricht. „Diese Sonate ist vollkommen. Die Einheit der Idee und des tragischen Charakters, die, durch keine Episode gestörte Kunstform, das Romantisch-Pittoreske des ganzen Tongemäldes werden nie verfehlen, die größte Wirkung zu machen, wenn die Fantasie des Spielers mit seiner Kunstfertigkeit auf gleich hoher Stufe steht.“ Dass das bei Barenboim der Fall sein dürfte, ist glasklar. Max Müller
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