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Der uramerikanische Komponist

Unter dem Titel „American Dream – Erinnerungen an George Gershwin“ gedenken Sebastian Knauer und Martina Gedeck des Komponisten

Schauspielrin Martina Gedeck schwärmt seit ihrer HighschoolZeit für Gershwin. FOTO: DORIS SPIEKERMANN-KLAAS

George Gershwins Eltern waren säkularisierte Juden, die Ende des 19. Jahrhunderts mit der Hoffnung auf ein besseres Leben aus St. Petersburg nach New York auswanderten. In Brooklyn erblickte ihr Sohn 1898 als Jacob Gershovitz das Licht der Welt und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Für die Schule konnte er sich nur selten begeistern und verbrachte die meiste Zeit auf der Straße, wo er sich einen Namen als Raufbold machte. Als seine Eltern jedoch ein Klavier kauften, fand er etwas, das ihn begeisterte. Gershwin erhielt Unterricht und begann, eigene Stücke zu komponieren. Mit Anfang 20 hatte er sein erstes Musical geschrieben und avancierte zu einem Superstar: 1925 war er der erste Komponist auf dem Titelblatt des „Time“-Magazins. Zu dem Zeitpunkt war er 27 Jahre alt.

Literarische Intermezzi

Genau wie Sebastian Knauer, als dieser 1998 seine Debüt-CD dem Komponisten widmete – anlässlich dessen 100. Geburtstags. Auf dem Album befindet sich eine Solo-Version der Broadwaymusik „Rhapsody in Blue“. „Es ist eine wunderbare und eingängige Melodik, verbunden mit einzigartigen Rhythmen, die Gershwin aus dem Jazz übertragen hat“, sagt Knauer. „Trotzdem sah er sich auch als Komponisten der sogenannten ernsten Musik, was sein Klavierkonzert besonders gut widerspiegelt“, erklärt der Pianist. Hinzu komme eine scheinbar unendliche Kreativität, unsterbliche Melodien zu schaffen, die immer wieder fasziniere.
Die „Rhapsody in Blue“ hat Pianist Sebastian Knauer verzaubert. FOTO: PIA / PHOTOSHOT
Die „Rhapsody in Blue“ hat Pianist Sebastian Knauer verzaubert. FOTO: PIA / PHOTOSHOT
Eingebettet sind die Gershwin-Stücke, die im Rahmen der Jüdischen Kulturtage erklingen, in authentische Zeugnisse von Freunden und Weggefährten des Komponisten. Auf deren Basis hatte Sebastian Knauers 2018 verstorbener Vater Wolfgang Knauer, ehemaliger NDR-Kulturchef, Texte speziell für dieses Programm geschrieben, darunter auch aus der Sicht von Gershwins Schwester Frances. Diese werden von Martina Gedeck gelesen. Auch sie blickt auf eine frühe Erfahrung mit George Gershwin zurück. Die Schauspielerin hatte während ihrer Zeit in den USA die Möglichkeit, seine Oper „Porgy and Bess“ auf der Bühne zu sehen. Ihre Bewunderung gilt dem Spielerischen, Leichten in der Musik des US-Amerikaners. Aus seinem Jazz und Blues spreche die Kraft, für die Amerika immer stand, konkret die Freiheit, findet die Schauspielerin.

Jetzt freut sie sich auf den Gershwin-Abend und die Texte, die einerseits persönlich sind und andererseits Georg Gershwin in die politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge seiner Zeit stellt: „Frances spricht voller Liebe von ihrem Bruder, von seiner Kindheit, seiner Begeisterung für die Musik von seinem kindlichen Talent und seiner genialischen musikalischen Entwicklung zu einem der größten Komponisten Amerikas. Dadurch wird er vor dem geistigen Auge der Zuschauer lebendig, fassbar und seine Musik kommt einem sehr nahe.“ Trotzdem waren die Zeiten nicht einfach – soziale Ungerechtigkeit, Rassenhass und Antisemitismus gab es auch damals schon. „Als wir mit dem Programm vor einigen Jahren begonnen haben, war mir nicht klar, wie aktuell es einmal wieder sein würde“, meint die Schauspielerin. Aktuell ist das Thema, zeitlos die Musik: „Gershwins Musik ist unsterblich und wird die Menschen noch viele weitere Jahrhunderte überleben“, fasst Sebastian Knauer das Werk des Komponisten zusammen.

„Ich bin wirklich enthusiastisch“

Noa, eine der wichtigsten Jazz-Stimmen Israels, konzertiert in der Synagoge Rykestraße
Noa und ihr langjähriger Gitarrist Gil Dor sind ein eingespieltes Team. FOTO: RONEN AKERMAN
Noa und ihr langjähriger Gitarrist Gil Dor sind ein eingespieltes Team. FOTO: RONEN AKERMAN
1986 verließ die damals 17-jährige Achinoam Nini New York City, um in ihrem Geburtsland Israel den für Frauen zweijährigen, obligatorischen Militärdienst zu leisten. Sie studierte danach in Ramat haScharon im Norden von Tel Aviv Musik. Vor exakt 30 Jahren erschien ihr Debütalbum. Es handelt sich dabei um den Mitschnitt eines Konzerts, das sie Anfang 1990 mit ihrem langjährigen Partner Gil Dor vor 132 Zuschauern in Tel Aviv-spielte. Vor knapp 20 Jahren vertrat sie Israel beim Eurovision Song Contest vor einem Millionenpublikum vor den Bildschirmen. Sie trat im Duett mit der palästinensischen Sängerin Mira Awad auf. Noa setzt sich aktiv für den israelisch-palästinensischen Austausch ein. Menschen verbinden, Brücken zwischen Kulturen und Religionen zu bauen – „was eignet sich dafür besser, als die Musik?“, fragt Noa

Zusammenarbeit mit zahlreichen Weltstars

Obwohl sie auf drei Jahrzehnte Bühnenerfahrung zurückblickt und dabei mit u.a. Stevie Wonder, Sting und Carlos Santana zusammenspielte, stellt das Konzert im Rahmen der Jüdischen Kulturtage etwas Besonderes dar: „Ich bin wirklich enthusiastisch. Man muss sich nur einmal den Namen der Veranstaltung vor Augen halten. Dass man vor dem Hintergrund der Geschichte wieder von jüdischer Kultur und Berlin sprechen kann, ist großartig!“

Zu Berlin hat Noa eine sehr enge Beziehung. Zum einen auf der professionellen Ebene: „Ich spiele hier gern und oft.“ Zuletzt trat sie 2019 in der Passionskirche auf, wo sie ihr Album „Letters to Bach“ vorstellte, das Quincy Jones produziert hat. Noa schrieb zu zwölf Werken des Barock-Komponisten Texte auf Hebräisch und Englisch. Auch privat fühlt sich die Künstlerin in Berlin wohl und verbringt Zeit mit Freunden und mit ihrer Cousine, der Opernsängerin Tehila Goldstein.

Neben Songs aus „Letters to Bach“ erklingen auch Auszüge aus dem brandneuen Album „Afterallogy“, das Jazz-Standards wie „My Funny Valentine“ enthält. Roland Klein

Termine

Synagoge Rykestraße
Rykestraße 53
Prenzlauer Berg
Tel.: 01806 – 999 00 07 07
www.juedische-kulturtage.org

Sebastian Knauer und Martina Gedeck
14. November, 19.30 Uhr

Noa
11. November, 19.30 Uhr

Daniel Barenboim
18. November, 19.30 Uhr 
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