Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Shalom Berlin

Ein innovativer interreligiöser Dialog

Beim „Religious Poetry Slam“ im Pfefferberg-Theater buhlen eine Jüdin, eine Christin und ein Buddhist um die Gunst der Zuhörer

Jesko Habert moderiert das neue Slam-Format. FOTO:THOMAS MÜLLER

„Dichterschlachten“, sogenannte Poetry-Slams, entwickelten sich im Chicago der 1980er-Jahre. Wenig später schwappten diese literarischen Wettbewerbe nach Europa über. Vor allem in Deutschland entwickelte sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine äußerst vitale Szene. Neben regelmäßigen Reihen gibt es hierzulande auch nationale Wettbewerbe, bei denen die Slammer ganz besonders um die Gunst der Zuhörenden wetteifern. Dabei geht es um den Text und um den Auftritt. Die Form des Slam-Beitrags ist hingegen nebensächlich: Lyrik steht neben Prosa, kurze und pointierte Gedichte neben Erzählungen, die sich erst ganz zum Schluss auflösen – und hoffentlich in tosendem Applaus münden.

Anlässlich der Jüdischen Kulturtage findet ein besonderer Slam statt: Es handelt sich um einen „Religious Poetry Slam“. Auf der Bühne des gläsernen Pfefferberg-Theaters stehen eine Jüdin, eine Christin und ein muslimisch geborener Buddhist. Sarah Borowik-Frank, Veronika Rieger und Yusuf Rieger verbindet eins: Sie sind religiös und laden in Form von Monologen zu einem außergewöhnlichen interreligiösen Dialog ein.

Der bietet eine junge Sichtweise auf Religion und Religiosität. Das ist spannend, gerade auch in einer Stadt wie Berlin, in der viele Kulturen und Religionen tagtäglich aufeinandertreffen – und wo Verständnis für den jeweils anderen so wichtig für das harmonische Miteinander ist.

Borowik-Frank ist Bildungsreferentin, Filmemacherin und Host von „Hustle Tov“, einem für seine Idee bereits prämierten, aber bislang noch nicht realisiertem Podcast-Projekt, das jüdisches Leben aus der Perspektive von Juden zeigen will. Veronika Rieger wiederum ist evangelische Theologiestudentin und will Pfarrerin werden, sie versteht sich als Feministin und als christliche Influencerin. Als solche denkt sie viel – häufig auch gemeinsam mit ihrer Instagram-Community – über die Zukunft der Kirche nach. Yusuf Rieger wollte eigentlich Journalist werden. Nachdem er im Jahr 2015 seinem ersten Poetry-Slam beiwohnte, verwarf er diese Idee jedoch zugunsten der Dichterkarriere. Seitdem ist er als Slammer und Host in Berlin und Umgebung unterwegs. Als Konvertit kennt er sich in zwei religiösen Welten bestens aus.

Wettstreit der Texte – nicht der Religionen

Die Moderation übernimmt Jesko Habert von den Kiezpoeten Berlin. Der Poetry-Slam-Veteran ist selbst wenig überrascht von dem speziellen Format. „Der ‚Religious Poetry Slam‘ unterscheidet sich vor allem darin: dass sich die vorgetragenen Texte dem Thema Religion widmen“, sagt Habert. „Die drei Auftretenden bringen ihre Erfahrungen und Gedanken in eigens geschriebene Slamtexte ein. Als Moderator bin ich dabei neutral. Der Wettstreit an sich ist nicht religiös, sondern die Texte. Insofern ändert sich bei mir gar nicht so viel: Ich sorge dafür, dass sich alle wohl und respektiert fühlen, dass das Publikum einen guten Abend hat und dass vor allem die Künstlerinnen und Künstler zu Wort kommen.“

Normalerweise geht es bei Slams ums Gewinnen. „Das Gewinnen ist bei einem Slam nie das Wichtigste“, sagt allerdings Jesko Habert. „Eine slamtypische Redensart heißt in Bezug auf die Jurypunkte: ‚The points are not the point‘.“ So kann man sich auf einen spannenden und mit Sicherheit auch kurzweiligen interreligiösen Wettstreit freuen. Max Müller
    

Romantiker und Realist

Nachwuchsstar Noah Levi präsentiert im Pfefferberg Theater neue Songs
Noah Levi ist musikalisch breit aufgestellt. FOTO:NISALPS
Noah Levi ist musikalisch breit aufgestellt. FOTO:NISALPS
Zum Konzept der Jüdischen Kulturtage Berlin gehört der generationsübergreifende Ansatz. Für Alt und Jung stellt das in diesem Zusammenhang alles andere als eine Floskel dar. Der sympathische Balagan-Day ist seit vielen Jahren ein Familienhighlight – eine Mischung aus jüdischem Foodcourt und lebendigem Miteinander, das viele Programmpunkte für die Jüngsten beinhaltet. Jugendliche Konzertbesucher hat die künstlerische Leitung ebenfalls im Blick – so legten israelische DJs House und Techno auf und die bekannteste Metal-Band des Nahen Ostens, Orphaned Land, brachte einen Kreuzberger Club zum Kochen.

In diesem Jahr tritt Noah Levi im Rahmen des Festivals auf. Mit gerade einmal 13 Jahren setzte er sich 2015 beim TV-Format „The Voice Kids“ gegen die anderen Teilnehmer durch. Kein Wunder, denn die Musik zählt seit der Grundschulzeit zu seinen wichtigsten Hobbys. Neben dem Klavier beherrscht er auch das Spiel der Gitarre. Noah Levi blieb nach dem Finale 2015 bodenständig, brachte die Schule zu Ende und reifte als Künstler. Anders als in der Castingshow wollte der Berliner eigene Songs singen. So wirkte er bei seiner Debüt-EP „Jung und naiv“ als Songschreiber mit. Erstaunlich reflektiert heißt es im Titeltrack: „Vielleicht sehen wir uns in zehn Jahren / Und sagen, dass am Ende alles richtig und gut war / Haben gefunden, was wir in uns gesucht haben / Blicken darauf zurück, als wir noch jung und naiv waren.“

Mit „Indigo“ hat er im Frühjahr dieses Jahres sechs neue Songs vorgelegt, die die Achterbahnfahrt der Gefühle thematisieren. Auf das heftige Verliebtsein folgen der erste Streit und die Versöhnung – um schließlich die endgültige Trennung zu vollziehen. Mit seinen gerade einmal 20 Jahren ist Noah Levi Romantiker und Realist. Das gilt auch für die Musik. Trotz des gegenwärtigen Erfolgs von Deutsch-Pop will er sich darauf nicht festlegen lassen. Seine Musik ist urbaner, die Rhythmen flirten mit R’n’B, Hip-Hop und Latin – ein beeindruckender Groove, der unmittelbar die Hüften schwingen lässt. Hanna Falkenstein        

Termine

Pfefferberg Theater 
Schönhauser Allee 176
Prenzlauer Berg
Tel.: 030 – 93 935 85 55

Religious Poetry Slam
10. November, 19.30 Uhr

Noah Levi
13. November, 20 Uhr
Weitere Artikel