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Themenwelten Berliner Morgenpost
Pandas in Berlin

Im Lebensraum der Bambusbären

Die Agentur Dan Pearlman hat das neue Pandagehege im Zoo gestaltet

Das Tor zur Welt der Pandas. Im Hintergrung zu sehen ist der Pavillon, dessen Säulen an Bambus erinnern, der das Dach durchbricht SERGEJ GLANZE

Bank of China Berlin Branch
Die Berliner Pandas sind Leihgaben des chinesischen Staates. Und die Leihgeber achten sehr streng darauf, dass die Pandas professionell versorgt werden und angemessen wohnen. So wurden auch die Pläne für das neue Panda-Gehege genauestens geprüft. Zum Glück für Berlin wurde die Anlage für gut befunden. Das liegt nicht zuletzt an den Planern von Dan Pearlman. Hinter dem Namen versteckt sich eine Berliner Kreativagentur, zu deren Spezialitäten die Gestaltung von „Erlebnisarchitektur“ gehört.

Die 1999 gegründete Agentur sitzt in einem ehemaligen Industriebau am Landwehrkanal in Alt-Treptow. Hier berichtet Kieran Stanley, einer der Gründer von Dan Pearlman, über die Anfänge. Stanley hatte in seinem Heimatland Irland Architektur studiert und arbeitete dann 1995 für ein Büro in Hannover. „Ich bekam den Auftrag, Entwürfe für den Zoo Hannover zu machen, dem es damals sehr schlecht ging, weil immer weniger Besucher kamen.“

Naturnahe Lebensräume statt vergitterte Käfige

Das Team um den neuen Zoodirektor Klaus-Michael Machens und den damaligen Chefveterinär (und heutigen Berliner Zoochef) Andreas Knieriem wollte den veralteten Tierpark mit Käfigen und Gitterstäben in einen Erlebnis-Zoo verwandeln. „Wir haben die Tiere aus dem Käfig herausgeholt“, beschreibt Kieran Stanley die Idee für den Umbau. „Wir holen den Besucher ab und bringen ihn dahin, wo die Tiere eigentlich wohnen, indem wir möglichst natürliche Habitate bauen.“

Die Lebensräume der Tiere wurden in realitätsnahen Szenarien nachgebildet, die Sicherheitsbarrieren möglichst diskret angelegt. „Was in vielen Zoos heute selbstverständlich ist, war damals eine Pionierleistung, die europaweit beachtet wurde“, erinnert sich Stanley. Die Besucherzahlen im Zoo Hannover vervielfachten sich. Nach dieser Erfahrung hat Kieran Stanley dann auch viele andere Tiergehege verwirklicht: Etwa das Südamerikahaus in Köln, die Giraffensavanne im Tierpark Hellabrunn oder die Pazifikinseln im im englischen Chester Zoo.

Ein besonderer Auftrag kam für Dan Pearlman 2014 aus Asien. Südkorea sollte als 14. Land Pandas aus China erhalten. Als ihre neue Heimat wurde das Everland Resort südlich von Seoul auserkoren, und Dan Pearlman durfte die 2016 eröffnete Panda-Welt bauen. „Das war ein spannendes Projekt und natürlich eine gute Vorbereitung auf das Panda-Gehege in Berlin“, sagt Stanley. Auch die chinesischen Zoologen freuten sich, mit Dan Pearlman einen Pandaerfahrenen Partner an der Seite zu haben.

In Berlin hat Dan Pearlman am langfristigen Ziel- und Entwicklungsplan von Zoo und Tierpark mitgearbeitet. Erstes Projekt war das neu gestaltete Löwentor am Bahnhof Zoo, an dem ein moderner Eingangsbereich mit zusätzlichen Kassen und Souvenirshop entstand.

Der neue Pandabau hat knapp zehn Millionen Euro gekostet. Kieran Stanley beschreibt, was den Besucher erwartet: „Das Tor im chinesischen Stil ist eine Art Demarkationslinie, hinter der ein Stück China beginnt. Wer hindurchgeht, betritt über eine Brücke das Habitat der Pandas. Dahinter empfängt den Besucher ein Nebelschleier, der ihm ein Gefühl für das kühle Bergklima vermittelt, in dem die Pandas leben.“

Dort liegt die überdachte, zentrale Panda-Plaza, von der aus man die beiden Außen- und Innenanlagen der Pandas im Blick hat. Da die Tiere Einzelgänger sind, leben sie in getrennten Zonen, die nur in den wenigen Tagen des Jahres, die für die Paarung in Frage kommen, verbunden werden.

„Die Architektur des Panda-Pavillons ist so gestaltet, dass die Grenze zwischen Mensch und Tier verwischt wird. Es gibt keine Gitterstäbe, sondern Glaswände“, sagt der Architekt. Auch die Grenze zwischen Architektur und Natur wird verwischt: Die Säulen im Stil von Bambusstämmen durchbrechen das Dach. Die Außenanlagen hat Kieran Stanley so gestaltet, dass sie die Tiere aktivieren. Es gibt Klettermöglichkeiten, einen Wasserlauf und eine Rutsche. Eine Rutsche? „Ja, Pandas sind sehr verspielt. Die Besucher werden die beiden hoffentlich auch mal beim Rutschen beobachten können.“

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