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Lang Dr. Klaus Lederer lebe der König des Klezmer!

Bei den Jüdischen Kulturtagen tritt Giora Feidman gleich zweimal auf: zur Eröffnungsfeier und gemeinsam mit dem Rastrelli Cello Quartett

Die Klarinette ist für Feidman mehr als ein Instrument: der Ausdruck der inneren Stimme. FOTO: LIS KORTMANN

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Er gilt als „König des Klezmer“ und gehört zu den populärsten Klarinettisten Deutschlands. Und selbst mit beachtlichen 85 Jahren denkt Giora Feidman noch lange nicht ans Aufhören. Im Gegenteil: Mit beeindruckender Kraft ist er dieser Tage im Land unterwegs und feiert hier seinen 85. Geburtstag nach, der eigentlich schon im März war. Die Feierlichkeiten gehen nun in die Verlängerung. Im Rahmen der Jüdischen Kulturtage tritt Feidman gleich zweimal auf: zum einen bei der Eröffnung des Festivals, das im Zeichen von 1700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland steht, zum anderen an einem intimen Abend, bei dem Feidman gemeinsam mit dem Rastrelli Cello Quartett in der Synagoge Rykestraße auftreten wird.

Zu den beiden großen Jubiläen gesellt sich noch ein drittes, bislang weniger beachtetes: 1971, vor genau 50 Jahren, gastierte Feidman das erste Mal in Deutschland. Den Sohn bessarabischer Juden, die nach Buenos Aires auswanderten, verschlug es mit 21 Jahren nach Israel. Dort wurde er Klarinettist beim Israel Philharmonic Orchestra. Die Berliner Philharmoniker luden das Ensemble in jenem Jahr ein: zum Austausch, vor allem aber als Zeichen der Versöhnung. Ein zweites Mal kam Feidman in den 1980er-Jahren, er wurde als Musiker für Peter Zadeks Inszenierung von Jehoschua Sobols „Ghetto“ angefragt. Wieder eine Konfrontation mit der Vergangenheit, mit der Shoah, aber eben auch eine Möglichkeit des Austauschs. Das Stück wurde ein Erfolg. Heute sagt Feidman: „Ich liebe Deutschland. Ich fühle mich hier zu Hause.“
Beim Eröffnungskonzert spielt Giora Feidman an der Seite von Andrej Hermlin und seiner Band, die sich den großen jüdischen Komponisten der 1920- er-, 1930er- und 1940er-Jahre widmen werden. Auf der Bühne steht auch das Jerusalem Duo, bestehend aus Hila Ofek (Harfe) und André Tsirlin (Klarinette), bevor den zweiten Teil des Abends der Kantor und Musical-Star Dudu Fisher gestaltet.

Melange aus Klezmer, Jazz und Musical

Daneben kann man Feidman noch intensiver an einem weiteren Abend erleben. Gemeinsam mit dem Rastrelli Cello Quartett lädt der Klarinettist zu einem zweiten Konzert in die Synagoge Rykestraße ein. Dort präsentiert das Quintett ein facettenreiches Potpourri von klassischen Kompositionen über Jazz- und Musical-Nummern bis hin zu Klezmer-Stücken – dem Genre, dem Feidmans Familie seit Generationen treu ist. Und das durch ihn auch in Deutschland wieder en vogue wurde. Und hoffentlich noch lange sein wird. Feidman jedenfalls wird weitermachen. Und sei es bis zu seinem 100. Geburtstag. Max Müller

Termine

Synagoge Rykestraße
Rykestraße 53
Prenzlauer Berg
Tel.: 01806 – 999 00 07 07
www.juedische-kulturtage.org

Galakonzert: 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland
6. November, 20 Uhr

Giora Feidman & Rastrello Cello Quartett
7. November, 19.30 Uhr

Grußwort des Senators für Kultur und Europa, Lang Dr. Klaus Lederer

Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass – nachdem die Jüdischen Kulturtage im vergangenen Jahr aufgrund der Pandemie ausgefallen sind – sie in diesem Jahr vor Publikum wieder durchgeführt werden können! Die Kulturtage laden wieder dazu ein, sich an jüdischer Musik, jüdischem Schauspiel und Humor zu erfreuen. Insbesondere, weil in diesem Jahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland gefeiert wird. Die Kulturtage sind ein Zeichen der beeindruckenden Vielfalt jüdischer Geistigkeit in allen Bereichen der Kultur. José Ortega y Gasset hat einmal darauf hingewiesen, dass Juden kosmopolitischer fühlen als irgendein anderes Volk. Berlin hat von diesem Sinn für das Grenzenüberschreitende jahrhundertelang lernen können, wenn auch leider oftmals viel zu wenig. Wir sind für dieses Miteinander sehr dankbar und wünschen den Kulturtagen, dass viele Berlinerinnen und Berliner und natürlich auch Menschen von überallher Freude an den zahlreichen Veranstaltungen dieser zwölf Tage haben werden.

Herzlich Ihr

Klaus Lederer
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