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Extra: Jüdische Kulturtage

Yasmin Levy: Die Freiheit zu sein, was man ist

Die israelische Soul-Sängerin Yasmin Levy hält mit ihren Liedern das Ladino lebendig

Die Arrangements von Yasmin Levy zeichnen sich durch spanische Gitarren und arabische Instrumente aus. FOTO: ALI TASKIRAN

Barbara Hoppe 

Wenn Yasmin Levy am 17. November auf die Bühne der Synagoge Rykestraße tritt, erwartet das Publikum wohl einen der glücklichsten und zugleich traurigsten Menschen der Welt. Geboren in Jerusalem, wuchs die Sängerin in einem kulturellen Schmelztiegel auf. Beeinflusst von persischer, türkischer, arabischer, armenischer und griechischer Musik, geprägt von Flamenco, Jazz und Klassik sei sie, so die Sängerin, das Ergebnis dieses wunderbaren Mixes. Und doch trage sie auch die unendliche Traurigkeit Jerusalems in ihrer Seele. Eine Seele, die sie sich manchmal so unglaublich alt fühlen lasse, als hätte sie schon viele Leben gelebt. Eine Seele, die etwas spüre, was der Geist nicht fassen könne.

"Ladino ist eine Sprache der Vergangenheit, die durch die Liebe der Menschen zu ihr überlebte. Sie bringt so viele Gefühle von Heimat, Schmerz, Verlust und Trauer hervor."

Yasmin Levy, Sängerin

So wundert es nicht, dass Yasmin Levy das Ladino zu ihrer künstlerischen Sprache erwählt hat. Bereits ihr Vater, ein Sänger, Kantor und Komponist, widmete sich ein Leben lang dem Ladino und dessen Liedern. Die Sprache entstand, als 1492 die Juden aus Spanien vertrieben wurden. In der neuen Heimat mischte sich das Spanische mit der Landessprache. So entstanden viele Mischformen, je nachdem, wohin die Juden gegangen waren. „Ladino ist eine Sprache der Vergangenheit, die durch die Liebe der Menschen zu ihr überlebte. Sie bringt so viele Gefühle von Heimat, Schmerz, Verlust und Trauer hervor“, erklärt die Sängerin. „Eine Sprache ist so viel. Sie ist eine ganze Welt.“ Heute ist Ladino jedoch vom Aussterben bedroht. Nur noch rund 100.000 Menschen beherrschen die Sprache. Yasmin Levy ist aber davon überzeugt, dass die Ladino-Lieder überleben werden. „Sie hatten schon ein eigenständiges Leben, bevor ich kam. Und sie werden auch nach mir weiterleben. Ich bin glücklich, meinen Teil dazu beitragen zu können.“

Die vielen Einflüsse im Leben von Yasmin Levy spiegeln sich auch wider in ihrem aktuellen Engagement als Botschafterin für „Children of Peace“, einer überparteilichen Kinderhilfsorganisation, die israelische und palästinensische Kinder durch Kunst-, Bildungs-, Gesundheits- und Sportprogramme zusammenbringt. „Ich glaube daran, dass wenn Kinder schon in sehr jungen Jahren miteinander spielen, sie sich auch zukünftig mit Respekt begegnen werden. Nur das kann uns langfristig Frieden bringen“, ist die Sängerin überzeugt. Auch weil so viele ihrer eigenen Träume in Erfüllung gingen, möchte sie etwas zurückgeben, am liebsten mit einer Musikschule für Kinder aus aller Welt, die sich den Unterricht normalerweise nicht leisten könnten. „Aber“, so Yasmin Levy, „das ist bisher noch ein Traum von mir.“

Bis dahin steht sie weiter auf den großen und kleinen Bühnen dieser Welt. Ob in der Carnegie Hall in New York, am Opernhaus in Sydney oder in einem kleinen Dorf in Usbekistan, spielt für sie dabei keine Rolle. Für Yasmin Levy ist die Hauptsache, ihr Publikum zu erreichen und es für den Ausflug in ihre Welt zu öffnen.

So hat die Sängerin mit der eindringlichen Stimme und der dunklen Ausstrahlung für ihr Berliner Publikum eine Reise durch ihr musikalisches Leben vorbereitet. Sephardische Lieder stehen ebenso auf dem Programm wie argentinischer Tango und spanische Melodien mit einem Hauch von Flamenco. „Es wird ein romantisches Konzert, mit viel Leidenschaft und Trauohrigkeit“, sagt Yasmin Levy. Begleitet wird sie von Musikern wie dem Gitarristen Yechiel Hasson, mit dem sie seit 15 Jahren zusammenspielt. Sie alle, betont die Sängerin, seien nicht nur Weggefährten, sondern auch Inspirationsquellen ihrer eigenen musikalischen Lebensreise. Indem die Musiker im gemeinsamen Spiel nichts änderten und ganz bei sich blieben, sei immer wieder Neues entstanden, das weit über die ursprünglichen Interpretationen hinausgehe.

Fragt man sie danach, was das Publikum aus ihren Konzerten mitnehmen solle, antwortet sie mit einer Anekdote. Vor Jahren schrieb ihr ein sehr konservativer Pole, dass seine Kultur es ihm nie erlaubt hätte, in seinem Leben Gefühle und Lebenslust zuzulassen. In ihrem Konzert hätte er dies das erste Mal gespürt und er sei sehr glücklich darüber. Und das, so die Sängerin, wünsche sie sich für alle: die Freiheit, zu sein, was man ist.
 

Termin

Synagoge Rykestraße
Rykestraße 53
Prenzlauer Berg
Karten unter Tel.: 01806/999 00 06 06 (0,20 €/Verbindung aus dt. Festnetz, max. 0,60 €/Verbindung aus dt. Mobilfunknetz) oder unter www.ticketmaster.de

Yasmin Levy & Band
So., 17.11., 19 Uhr

Mit dem Gebetsbuch statt Bling-Bling

Rap und orthodoxes Judentum passen zusammen. Das beweist Nissim Black
Nissim Black – der „Rapper mit der Kippa“. FOTO: MARKO DESHEV
Nissim Black – der „Rapper mit der Kippa“. FOTO: MARKO DESHEV
Ronald Klein

Der US-amerikanische Rapper D. Black bediente im vergangenen Jahrzehnt zahlreiche Klischees. In seinen Videos schmückten ihn teure Accessoires und schöne Frauen. Doch mit seinem zweiten Album „Ali’yah“ (2009) deutete sich ein Richtungswechsel an. Spirituelle Themen und gesellschaftskritische Reflektion ersetzen das bisherige Gangster-Pathos. Wenig später kündigte Black an, sich aus dem Musikgeschäft zurückziehen. Dies währte jedoch nur kurz, 2012 kehrte er als Nissim Black auf die Bühne zurück. Sein neues Pseudonym ist dem Hebräischen entlehnt und bedeutet: Wunder. Entsprechend verwundert schienen langjährige Weggefährten vom neuen Lebensentwurf. Der Rapper war inzwischen konvertiert und lebt seitdem als orthodoxer Jude, der gemeinsam mit seiner Familie den Lebensmittelpunkt nach Jerusalem verlegte. Der Schritt sei für ihn wichtig, doch muss er sich noch viele Konventionen aneignen. „Meine Sinne arbeiten hier auf Hochtouren“, sagt Black. „Meine Persönlichkeit ist dadurch mit Sicherheit gewachsen, denn ich muss lernen, wie das Leben hier funktioniert. Das schlägt sich auch in meinen Songs nieder. In der Vergangenheit wirkten diese bestärkend, jetzt reflektiere ich auch mein tägliches Abstrampeln.“ Dennoch habe er den Umzug nie bereut. „Ich lebe als Afroamerikaner viel sicherer in Jerusalem als in Seattle.“ Obwohl er sich für das orthodoxe Leben entschieden hat und zu Hause ohne Fernsehen und Internet lebt, möchte er niemandem vorschreiben, wie man zu leben habe. „Mein Anliegen ist es, Brücken zu bauen zwischen den Menschen und unterschiedlichen Kulturen. In der Vergangenheit hatte ich das Privileg, Juden einfach als Juden zu sehen, ohne Kenntnis der unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Was aber viel wichtiger ist: Ich sehe Menschen einfach als Menschen.“ Diese Botschaft vermittelt er in seinen Songs. Die Fans warten noch immer auf das Anfang 2018 angekündigte Album. „Es gibt einen Titel: ,Gibor’. Ich habe mehr als 40 Songs aufgenommen“, sagt Black. „Es gab mehrere große Labels, die sich für dieses Material interessierten.“ Den Zuschlag bekamen ShineBox Records. „Das Album wird eines Tages veröffentlicht werden, aber eher still und leise“ und somit ohne Promo-Aktivitäten. Einen Teil des Materials stellt Nissim Black beim Konzert im Rahmen der Jüdischen Kulturtage vor. „Ich bin sehr gespannt auf Berlin“, gibt der Rapper zu. „Ich kenne die Stadt noch gar nicht und freue mich sehr, die Berliner in ihrer Heimatstadt kennenzulernen.“

Termine

Columbia Theater
Columbiadamm 9-11
Tempelhof
Karten unter Tel.: 01806/999 00 06 06 (0,20 €/Verbindung aus dt. Festnetz, max. 0,60 €/Verbindung aus dt. Mobilfunknetz) oder unter www.ticketmaster.de

Nissim Black
Mi., 13.11., 20 Uhr
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