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Aktiv für das gesamte Wohnumfeld

Genossenschaften engagieren sich vielfältig sozial und stärken so auch das Gemeinschaftsgefühl im ganzen Kiez

Das Trainingsangebot im Kinderzirkus Cabuwazi unterstützt die Genossenschaft Marzahner Tor mit Spenden. FOTO: THOMAS KIEROK

Judith Jenner 

Das gelb-rote Zirkuszelt ist schon von Weitem zu sehen und zu hören. Kinderstimmen tönen aus dem Rondell, Musik erklingt aus der Manege. Umgeben ist das Zelt von bunt bemalten Zirkuswagen – und Plattenbauten. Denn der Kinderzirkus Cabuwazi befindet sich mitten in Marzahn und bildet einen bunten Kontrast zu seiner eher tristen Umgebung.

Dass es hier zirkuspädagogische Angebote gibt, ist auch deswegen möglich, weil sie die Wohnungsgenossenschaft Marzahner Tor seit 2008 finanziell unterstützt. Im Gegenzug bekommen Kinder von Genossenschaftsmitgliedern Ferienworkshops angeboten. Zudem tritt der Zirkus bei Genossenschaftsfesten auf. 2017 erhielt die Marzahner Tor dafür den ersten Preis der Zunkunfts-Awards des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) in der Kategorie Kooperation. Die Jury lobte die Aufwertung des Stadtteils durch das Zirkusprojekt. Es bereichere das Kiezleben und leiste einen wertvollen Beitrag für eine soziale Stadtentwicklung.
GWG Lübbenau
Indem sie mit freien Trägern kooperieren oder eigene Projekte ins Leben rufen, engagieren sich Genossenschaften oft über ihre Wohnanlagen hinaus im Kiez. Damit werten sie für ihre eigenen Genossen das Umfeld auf und leben zugleich die Solidarität, die zum Genossenschaftsgedanken gehört.

Park für den Kiez

Ein weiteres Beispiel befindet sich zweieinhalb Kilometer entfernt vom Zirkus Cabuwazi: der Kiezpark Fortuna. Er entstand auf einem einstigen Schulgelände von rund 11.000 Quadratmetern an der Ecke Sitzendorfer und Schwarzburger Straße.

Der Park ist eine grüne Oase mit Blumenbeeten, Wildwiesen, einem Teich und einem Bachlauf. Seltene Obstsorten wachsen im Garten. Erklärtafeln beschreiben ihre Herkunft und wie sie eingesetzt werden können. Anwohner pflegen eigene Gartenbeete und können sich untereinander über ihre gärtnerischen Erfolge austauschen. Für Kinder gibt es ein Drehwürfelspiel am Wasserspielplatz, für die Erwachsenen ein Gartenhäuschen mit Pergola und gemütliche Sitzgelegenheiten. Es gibt regelmäßige Veranstaltungen, zum Beispiel von KiezNet organisierte Kaffeetrinken.

Hinter der Gesellschaft steht die Genossenschaft Fortuna Wohnungsunternehmen. Die Gründung von KiezNet geht auf eine Befragung aus dem Jahr 2009 durch das Sozialwissenschaftliche Forschungszentrum Berlin-Brandenburg zurück. Die Bewohner von Marzahn-Mitte sollten sich zu ihren Erwartungen an und Erfahrungen mit den sozialen Initiativen von Wohnungsunternehmen äußern. Heraus kam, dass viele in einer Genossenschaft leben, weil sie das soziale Engagement schätzen.

Zu diesem Engagement zählt auch, Angebote zu machen, bei denen sich Nachbarn austauschen können. Eines davon ist das Café am See. Nur 16 Quadratmeter ist der Pavillon am Lindenhof-Weiher in Tempelhof groß. Betrieben wird das Nachbarschaftscafé von der Wohnungsgenossenschaft GeWoSüd. Sein Angebot an Kaffee, selbstgebackenem Kuchen und einem Mittagstisch zu günstigen Preisen stehen nicht nur Genossenschaftsmitgliedern offen. Auch Besucher aus der gastronomisch nicht gerade verwöhnten Nachbarschaft sind willkommen.

Um den sozialen Genossenschaftsgedanken zu leben und vor allem ältere Genossenschaftsmitglieder zu unterstützen, gründen viele Genossenschaften Vereine. Diese organisieren Aktionen und Beratungsangebote. Bereits seit 1993 gibt es den Verein zur Förderung des lebenslangen genossenschaftlichen Wohnens von Mitgliedern der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892. Es richtet sich in erster Linie an „Genossen“, sie stehen aber auch anderen Nachbarn offen, zum Beispiel wenn es um Beratungen zur häuslichen Pflege geht. Denn in einer so sozialen Umgebung wollen die meisten Genossen zu Hause wohnen bleiben, so lange es geht.
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