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Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: Immobilien

Am blauen Band

Berliner Grundstücke am Wasser werden knapper, entsprechend hoch sind die Preise. Doch im Osten und Südosten können Interessenten noch Glück haben

Die Bewohner des geplanten „Achterdeck“ in Köpenick haben es nicht weit zu ihrem Boot am Haussteg an der Dahme. FOTO: KONDOR WESSELS

Wer mitten in der Stadt und zugleich nah am Wasser wohnen will, sollte sich beeilen. Zumindest Neubauprojekte sind mittlerweile rar: Auf einem der letzten freien Grundstücke direkt an der Spree entsteht gerade „Pier 61/63“. Die Investmentgesellschaft Trockland Management errichtet an der Mühlenstraße 61 Mietwohnungen und Serviced Apartments. In rund einem Jahr sollen die Wohnungen bezugsfertig sein.

Soll es hingegen eine Eigentumswohnung sein, muss man schon ein paar Meter Fußweg zum Fluss in Kauf nehmen. In der Marianne-von-Rantzau-Straße baut der Projektentwickler Mikare „Upside Berlin“, das mit 86 Metern und 23 Etagen nach eigenen Angaben höchste reine Eigentumswohnungshochhaus-Projekt in zentraler Lage. Auch wenn das Haus nicht unmittelbar an der Spree liegt, so ist doch immerhin ein freier Blick aufs blaue Band garantiert.
Buwog
Wohnen am Wasser ist für viele ein Traum. Allerdings wird er, zumindest für Berliner, immer schwerer finanzierbar. In der Vergangenheit wurden recht viele Wohnungen in Wassernähe errichtet. Mittlerweile sind die Grundstücke schwer zu bekommen, und wenn überhaupt, kosten sie eine Stange Geld. Selbstverständlich legen die Projektentwickler die Kosten auf die Käufer um. Somit kommen hohe Preise zustande. Für „Upside Berlin“ etwa werden für die günstigste Einheit gut 10.000 Euro pro Quadratmeter fällig.

Auf nach Köpenick

„Wasserlagen sind nun einmal exklusiv“, sagt Till McCourt, Leiter Recherche bei der Berliner Ziegert Gruppe. „Der Wasserfront-Aufschlag im Berliner Prime-Markt beträgt im Schnitt 30 Prozent.“ Dafür hätten die Objekte direkt oder nah am Wasser den Vorteil, dass sie auch in Krisenzeiten besonders wertstabil sind. Das liege schon daran, dass ihre „Verfügbarkeit endlich ist“.
Das Upside in Friedrichshain bietet seinen künftigen Bewohner Sicht auf die Spree – zumindest aus den oberen Etagen. FOTO: ZIEGERT IMMOBILIEN
Das Upside in Friedrichshain bietet seinen künftigen Bewohner Sicht auf die Spree – zumindest aus den oberen Etagen. FOTO: ZIEGERT IMMOBILIEN
Zum Glück ist Berlin groß. Somit kommen als Alternativen Wasserlagen weiter draußen in Betracht. Auch sie sind knapper denn je. Aber hier und dort entstehen noch interessante Bauprojekte. Die meisten Objekte am Wasser entstehen derzeit jedoch in Köpenick. Hier ist der Projektentwickler Kondor Wessels aktiv. Zum einen am Dämeritzer Ufer, also direkt am gleichnamigen See, der Berlin mit Brandenburg verbindet. Hier soll bis 2022 ein Quartier mit 176 Wohneinheiten (zur Miete) und 35 Doppel- und Reihenhäusern entstehen. Nur neun Reihenhäuser hat der Projektentwickler direkt vertrieben, „sie wurden in den letzten Wochen in kürzester Zeit verkauft“, sagt Vincent Mulder, Geschäftsführer der Kondor Wessels Wohnen Berlin.

Das zweite Projekt in Köpenick ist das „Achterdeck“ im Ortsteil Wendenschloss, unmittelbar am Ufer der Dahme gelegen. Der Vertrieb für die 200 Eigentumswohnungen ist Anfang Mai gestartet. Der Baubeginn soll im Frühjahr 2021 sein. Vielleicht trotz, möglicherweise aber auch gerade wegen Quadratmeter-Preisen von durchschnittlich 6000 Euro, „war das Feedback überwältigend positiv“, sagt Mulder. Vielleicht trug dazu bei, dass die Wohnanlage über eigene Stege verfügt. Der Projektentwickler rechnet damit, dass bis Ende des Jahres der Großteil der Wohnungen verkauft sein wird. Vor allem aus der Umgebung kämen die Interessenten, die zugreifen.

Halb Köpenick scheint derzeit Umzugspläne zu schmieden. Denn auch die anderen Neubauten sind beliebt, etwa das Wohnensemble „Am Generalshof“ gegenüber der Baumgarteninsel im Zentrum von Köpenick, genau da, wo Spree und Dahme aufeinandertreffen. Auch für dieses, voraussichtlich Ende 2022 fertiggestellte Projekt mit 83 Wohneinheiten des Berliner Projektentwicklers Incept, sind trotz Preisen von knapp 10.000 Euro pro Quadratmeter aufwärts, genügend Interessenten vorhanden.

Online besichtigen

Gleiches gilt für den gerade entstehenden „Erpepark“ nördlich der Müggelspree und in unmittelbarer Nähe des Flüsschens Erpe. Bereits 17 der 43 Eigentumswohnungen in acht Stadtvillen wurden verkauft. Nicht einmal die Corona-Krise hält die Leute davon ab, sich ihr potenzielles Traumdomizil anzusehen. Im Gegenteil: „In den vergangenen Wochen ist die Zahl der Interessenten sogar gestiegen“, sagt ein Pressesprecher des Fürstenwalder Projektentwicklers Bonava. Als Erklärung gibt er an, dass sich die Wohnungen auch „online per digitalem 360-Grad-Rundgang besichtigen lassen“. Vielleicht ist der entscheidende Grund aber ein anderer: eine tolle Lage, in der dennoch im Schnitt nur 5300 Euro pro Quadratmeter fällig werden. Für Wohnen am Wasser vergleichsweise günstig. Theresia Baldus

Westen baut Wohnlagen am Wasser aus

Von Charlottenburg bis Spandau entstehen neue Wohnungen

Die WMB baut in der Daumstraße, direkt an der Havel. FOTO: WIECHERS BECK
Die WMB baut in der Daumstraße, direkt an der Havel. FOTO: WIECHERS BECK
Sonne möglichst nur am Morgen oder bis tief in die Abenddämmerung hinein? Wer eine Wohnung im „Charlottenbogen“ kaufen will, überlässt nichts dem Zufall. Mittels einer Animation können Kaufinteressenten genau sehen, wie die Sonne über dem potenziellen neuen Wohnobjekt steht. Der Käufer bekommt, was er sieht – kaum anderswo werden die örtlichen Gegebenheiten so exakt dokumentiert wie im Fall dieses Bauprojekts. Bis Ende 2021 entstehen an der Pascalstraße direkt an der Spree insgesamt 164 Eigentumswohnungen mit luxuriöser Ausstattung. Der Clou: Statt gleicher Schnitte gibt es gut 40 verschiedene Grundrisse bei Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern, für 329.000 Euro und aufwärts.

Der „Charlottenbogen“ ist nicht das einzige spannende Neubauprojekt am Wasser im Berliner Westen. Neben vielen großen und kleinen privaten Bauvorhaben gibt es auch ein kommunales Großprojekt. Mit der „Waterkant“ entsteht nordöstlich der Insel Eiswerder ein neues Stadtquartier, das bis zum Jahr 2025 fertiggestellt sein soll. Entlang der Daumstraße werden sukzessive rund 2500 Wohnungen hochgezogen, im Auftrag der landeseigenen Wohnungsbauunternehmen WBM und Gewobag. Das Interesse ist riesig, bislang haben sich mehr als 2400 potenzielle Mieter beworben.

Auf der gegenüberliegenden Seite von Eiswerder baut wiederum die Buwog die Speicher aus. Bis 2021 entstehen 82 Eigentumswohnungen in den historischen Objekten, die zwischen zwei und fünf Zimmer groß sind, wahlweise mit Balkon, Terrasse oder Privatgarten ausgestattet. Dazu kommen noch einmal 100 Neubauwohnungen des anliegenden Projekts „Havelkiesel“. In den drei neu errichteten Häusern entstehen Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Auf den Dächern sind Photovoltaikanlagen installiert, in der Tiefgarage Ladestationen für E-Autos. Das alles hat seinen Preis. Die günstigsten Objekte der „Havelkiesel“ kosten 241.000 Euro. Max Müller
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