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Themenwelten Berliner Morgenpost
EXTRA: NEUBAUPROJEKTE

Bau-Boom mit nachhaltigen Nebeneffekten

Vom Wohntower bis zum autofreien Quartier entstehen im Berlin zahlreiche Neubauten, von denen einige zeigen, wie wir in Zukunft bauen und wohnen – ein Überblick

„Die Macherei“ am Halleschen Ufer beherbergt zukünftig sowohl Gastronomie und Skybar als auch Wohn- und Konferenzflächen. FOTO: ART-INVEST REAL ESTATE

Berlin baut: neue Quartiere, Hochhäuser, Wohnungen, Bürokomplexe, Hotels, Gewerbe, ganze Siedlungen. Die Hauptstadt ist baulich immer in Bewegung, daran ändert auch die Corona-Pandemie zunächst einmal nichts. Gebaut wird in der urbanen Mitte ebenso wie auf der grünen Wiese.

Nördlich des Berliner Hauptbahnhofes entsteht unter dem Namen „Europacity“ direkt an der Spree ein Mix aus Wohn- und Bürogebäuden, Gewerbe, öffentlichen Straßen und Plätzen sowie Grünflächen. Herzstück des neuen Areals ist das Quartier Heidestraße, dort entstehen unter anderem 940 Wohnungen, davon 25 Prozent öffentlich gefördert. Mit dem Gebäuderiegel „QH Track“ sind bereits großzügige moderne Büroflächen entstanden. Mit den Gebäuden „HQ Colonnades“, „HQ Straight“ und „HQ Crown South“ sollen bis 2023 weitere Wohn-, Büro- und Gewerbeflächen realisiert werden. Auch eine Kita, ein Hotel und ein Nahversorgungszentrum sind geplant.
Helma Wohnungsbau
Ebenfalls im Herzen Berlins, aber in Kreuzberg, entwickelt die Art-Invest Real Estate mit dem Projekt „Die Macherei“ auf dem Areal des ehemaligen Postscheckamts am Halleschen Ufer ein modernes, klimafreundliches Innenstadtquartier. Entstehen soll ein urbaner Nutzungsmix aus Konferenz- und Eventflächen, Gastronomie mitsamt Skybar, Einzelhandel sowie Wohnungen. Dank innovativer Technik und vorausschauender Planung erwächst hier ein neues Quartier der Nachhaltigkeit, das das Klima durch die Verwendung nachwachsender und recycelter Baumaterialien bereits während der Bauphase entlastet.
Ausgezeichnetes Beispiel für nachhaltige Neubauprojekte: Auf dem ehemaligen Reemtsma-Areal in Schmargendorf entsteht das autofreie Quartier „GoWest“. Gebaut wird im Passivhausstandard, inklusive Dachbauernhof. FOTO: DIE WOHNKOMPANIE
Ausgezeichnetes Beispiel für nachhaltige Neubauprojekte: Auf dem ehemaligen Reemtsma-Areal in Schmargendorf entsteht das autofreie Quartier „GoWest“. Gebaut wird im Passivhausstandard, inklusive Dachbauernhof. FOTO: DIE WOHNKOMPANIE
Ähnlich ressourcenschonend verfährt die IGP Gruppe im Hegauer Weg in Zehlendorf beim Bau eines Niedrigenergie-Gewerbeensembles. Die zwei viergeschossigen Gebäude werden über rund 15.400 Quadratmeter Bruttogeschossfläche verfügen und etwa 600 Arbeitsplätze schaffen. Der Campus soll neben Büro- und Verwaltungsflächen auch ein Labor, Werkstätten, Werkwohnungen sowie eine Tiefgarage mit Lademöglichkeit für E-Autos und EBikes umfassen. Das Gebäudeensemble wird als Holz-Hybrid im Passivhausstandard errichtet. Zudem wird auf den Einbau von Heizung und Kühlung mit fossilem Energieträger verzichtet.

Holz entwickelt sich in Berlin zum Baustoff der Zukunft. So soll in Schöneberg am Tempodrom ein Holzhybrid-Hochhaus mit Gewerbe und Wohnungen für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen gebaut werden. Mit 98 Metern Höhe wird das 29-stöckige Wohnhaus das höchste Holzhaus Deutschlands. Anstelle von Kfz-Stellplätzen soll es stattdessen Carsharing-Angebote, E-Ladestationen und Fahrradgaragen geben.

Das höchste Neubauprojekt in der Hauptstadt ist das Holzhaus jedoch nicht. Nah dran ist der „Edge East Side Tower“, der sich auf 39 Etagen und beachtliche 140 Meter hoch neben dem Bahnhof Warschauer Straße gen Himmel strecken wird. Auf einen Großteil der gut 80.000 Quadratmeter Geschossfläche wird der Internethändler Amazon als Hauptmieter einziehen. Die Fertigstellung ist für 2023 geplant.

In Prenzlauer Berg entstehen günstige Studentenwohnungen

Mit 150 Metern noch ein wenig höher, und damit das höchste Hochhaus Berlins, wird der „Alexander Berlin’s Capital Tower“ am Einkaufszentrum Alexa am Alexanderplatz. Auf die insgesamt 35 Stockwerke entfallen 29 Etagen mit Wohnungen. Vor allem die Penthäuser in den obersten Etagen bieten mit bodentiefen Fenstern einen weiten Blick über die Skyline der Hauptstadt. Die Quadratmeterpreise für die 377 Wohnungen beginnen ab circa 6000 Euro.
Nachhaltigkeit von Anfang an: moderne Büroflächen in Niedrigenergie-Bauweise am Hegauer Weg in Zehlendorf. FOTO: IGP PROJEKT GMBH
Nachhaltigkeit von Anfang an: moderne Büroflächen in Niedrigenergie-Bauweise am Hegauer Weg in Zehlendorf. FOTO: IGP PROJEKT GMBH
Rund eine Milliarde Euro investiert die Wohnkompanie Berlin mit ihren Partnern in das Quartier „GoWest“ auf dem ehemaligen Reemtsma-Areal in Schmargendorf, das später einmal 190.000 Quadratmeter Gewerbefläche umfassen wird. Im Mittelpunkt des Quartiers entsteht ein öffentlicher, begrünter Stadtplatz, um den sich unter anderem Büros, ein Handwerkerhof, kleine Geschäfte, eine Filmschauspielschule und ein Hotel gruppieren werden. Das Gebäude wird im Passivhausstandard errichtet und soll zudem einen Dachbauernhof erhalten. Bereits im Jahr 2019 wurde das Projekt dafür mit dem DGNB-Vorzertifikat in Platin, der höchsten vergebenen Stufe der „Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – Zertifizierungsstelle für Grünes Gebäude“, ausgezeichnet. Das Quartier wird außerdem komplett autofrei, die Wege sind Fußgängern und Radfahrern vorbehalten.

Ein Projekt ganz anderer Art sieht in Prenzlauer Berg auf dem ehemaligen Alten Schlachthof seiner Fertigstellung entgegen. Die Berlinovo Grundstücksentwicklung errichtet auf einem 4600 Quadratmeter großen Grundstück ein U-förmiges Gebäude mit fünf bis sechs Etagen. In rund 230 preisgünstigen Appartements sollen einmal bis zu 300 Studierende leben, eine Kita mit 80 Plätzen ist ebenso geplant wie 5000 Quadratmeter Bürofläche. Die Wohneinheiten sollen modern und funktional ausgestattet werden. Die Fertigstellung erfolgt wohl im Frühjahr 2022. Auf dem Schlachthofgelände investiert HB Revals zudem etwa 350 Millionen Euro unter anderem in einen fünfstöckigen Neubau (Büromieten etwa 28 Euro pro Quadratmeter). Gastronomie zieht in die ehemalige Auktionshalle ein.

An Wohnraum, vor allem an bezahlbarem, fehlt es in Berlin an allen Ecken und Enden, obwohl die großen Wohnungsbaugesellschaften derzeit zahlreiche, auch größere Projekte vorantreiben. Große Wohnbauvorhaben entstehen etwa auch auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tegel und in Spandau – 5000 Wohn- und Gewerbeeinheiten im weltweit größten Holzbau-Ensemble – auf der Insel Gartenfelde auf dem ehemaligen Siemens-Areal. Hier sind insgesamt 3700 Wohnungen in einem familienfreundlichen, sogenannten „Smart City Quartier“ vorgesehen – als Wohnungsbauunternehmen sind die Buwog Group, Begeno16, die Gewobag Wohnungsbau-Aktiengesellschaft Berlin und die UTB Projektmanagement GmbH dabei. Ebenfalls in Spandau wird in einigen Jahren das Viertel „Spandauer Ufer“ fertiggestellt, ein Mix aus Wohnungen, Büros, Hotellerie und Gastronomie, mit dem 80 Meter hohen Uferturm als Herzstück.

Die Stadt und Land wiederum ist eine von zwei Gesellschaften, die sich auf den Buckower Feldern in Neukölln am südlichen Stadtrand Berlins engagiert. Hier vermietet die Wohnungsbaugesellschaft etwa die Hälfte ihrer 900 Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen mit sozialer Bindung, davon werden 30 Prozent gefördert errichtet, 20 Prozent entfallen auf Wohnungen für Senioren oder Geflüchtete. Die Mietpreise liegen bei 6,50/6,70 Euro beziehungsweise 8,00/8,20 Euro pro Quadratmeter.

In Bohnsdorf wiederum baut das Unternehmen in der Johannes-Tobei-Straße knapp 400 Wohnungen, davon etwa die Hälfte öffentlich gefördert beziehungsweise subventioniert. Die Ein-Zimmer-Wohnungen beispielsweise haben Größen von 34 bis 42 Quadratmeter und kosten zwischen 221 und 500 Euro nettokalt zuzüglich Nebenkosten. Die Vier-Zimmer-Wohnungen liegen zwischen 980 und 1400 Euro nettokalt.

Für die Degewo, die gerade ein Projekt für Mehrgenerationenwohnen – 282 moderne Wohnungen für Senioren, Studierende und Familien – realisiert, bestätigt Pressesprecher Paul Lichtenthäler ein ähnlich günstiges Preisniveau: „Unsere Mieten betragen durchschnittlich über den gesamten Bestand unter 6,50 Euro pro Quadratmeter. Und das Gesetz MietenWoG (auch: Mietendeckel) haben wir fristgerecht umgesetzt.“ UWE LEHMAN
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