Anzeige
Themenwelten Berliner Morgenpost
Extra: NEUBAUPROJEKTE

Berlin kann auch hoch

Hallo Skyline: Zahlreiche Neubauprojekte verändern Stück für Stück das Antlitz der Innenstadt. Die Pläne zeigen, dass Nachhaltigkeit und Lebensqualität auch in luftiger Höhe eine maßgebliche Rolle spielen

Der „Steglitzer Kreisel“ verwandelt sich in den modernen Wohnturm „ÜBerlin“. FOTO: FUCHSHUBER ARCHITEKTEN

Berlin ist wahrlich nicht Manhattan. Die deutsche Hauptstadt ist nicht für eine markante Skyline mit zahlreichen eindrucksvollen Hochhäusern bekannt. Da hat selbst die Banken-Metropole Frankfurt am Main einiges mehr zu bieten. Und New York besitzt allein mehr Wolkenkratzer als ganz Europa zusammen. An der Spree hat schon die berüchtigte Berliner Traufhöhe von 22 Metern neuen Hochhäusern jahrzehntelang einen Riegel vorgeschoben. Doch ganz allmählich wandelt sich auch hier das Bild. An verschiedenen Orten in der Stadt wachsen die Baukräne immer weiter in die Höhe.
Helma Wohnungsbau
Möglich macht dies das am 25. Februar 2020 vom Senat beschlossene Hochhausleitbild für Berlin. „Vor dem Hintergrund des anhaltenden Stadtwachstums werden verstärkt Hochhausprojekte an den Senat und die Bezirke herangetragen. Die große Präsenz von Hochhäusern im Stadtbild begründet die hohen Ansprüche an städtebauliche Verträglichkeit, architektonische Qualität, angemessene Funktionalität und Nachhaltigkeit dieser Gebäude. Das Hochhausleitbild gibt den Rahmen vor, um bei künftigen Hochhausvorhaben qualitätsvolle, nachhaltige und mehrwertschaffende Lösungen zu finden. Das Hochhausleitbild gilt in Berlin zukünftig als Orientierungsrahmen für die verbindliche Bauleitplanung“, kommentierte die damalige Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Katrin Lompscher, den Beschluss.
98 Meter Innovation: Das geplante „WoHo“ in Kreuzberg soll Deutschlands höchstes Haus aus Holz werden. FOTO: MAD ARKITEKTER
98 Meter Innovation: Das geplante „WoHo“ in Kreuzberg soll Deutschlands höchstes Haus aus Holz werden. FOTO: MAD ARKITEKTER
In der dynamisch wachsenden Stadt Berlin seien die räumlichen Entwicklungspotenziale begrenzt. Hochhäuser könnten deshalb einen Beitrag dazu leisten, der anhaltend hohen Flächennachfrage für Wohnungen, Büros, Handel, Infrastruktur und Kultur zu begegnen. Zur Anwendung kommt das Hochhausleitbild im Regelfall für Vorhaben, die den prägenden Höhenmaßstab ihrer Umgebung deutlich, das heißt um mehr als die Hälfte, überschreiten. In den nach wie vor durch die „Berliner Traufe“ geprägten Innenstadtbereichen wird dies zumeist bei Hochhäusern ab einer Höhe von etwa 35 Metern der Fall sein. Etliche Gebäude, die diese Höhe überschreiten, sind bereits im Bau oder in der Planung. Dabei handelt es sich längst nicht nur um Bürohochhäuser.

Auch der Wohnungsbau schießt mancherorts immer stärker in die Höhe. Für zahlreiche Kaufinteressenten scheint die Eigentumswohnung mit Aussicht äußerst attraktiv zu sein. So auch bei einem in die Jahre gekommenen Berliner Wahrzeichen, dem Steglitzer Kreisel. In den letzten Jahren wurde das weithin sichtbare, 120 Meter hohe ehemalige Verwaltungsgebäude asbestsaniert und entkernt und wird nun von der Adler Group unter dem Namen „ÜBerlin“ in einen lichtdurchfluteten Wohnturm aus Glas, Stahl und Aluminium umgewandelt. Die 329 Eigentumswohnungen sollten bis 2022 fertiggestellt werden. Pandemiebedingt verzögert sich das Projekt um circa zwei Jahre. „Das Projekt ,ÜBerlin‘ ist eines der derzeit größten deutschen Wohnbauprojekte, das auch in technischer Sicht sehr anspruchsvoll ist. Denn es handelt sich eben nicht um einen vollständigen Neubau, sondern um einen Neubau im baulichen Bestand, wo neueste Technologie und moderner Wohnraum mit der vorhandenen Baustruktur zusammengebracht werden müssen. Die Bau- und Planungsarbeiten am gesamten Ensemble schreiten aber ununterbrochen voran und der Bauantrag zu den Sockelgebäuden wird gerade erstellt“, erläutert Matteo Twerenbold von der Adler Group. Aktuell werden am Steglitzer Kreisel unterschiedliche Baumaßnahmen durchgeführt. Der Turm wurde bereits vollständig eingerüstet.
Startprojekt für ein neues Quartier: Am Alexanderplatz wurde der Wohnkomplex „Grandaire“ mit 65 Stockwerken errichtet. FOTO: DIEPHOTODESIGNER.DE SCHLUCHTMANN EK
Startprojekt für ein neues Quartier: Am Alexanderplatz wurde der Wohnkomplex „Grandaire“ mit 65 Stockwerken errichtet. FOTO: DIEPHOTODESIGNER.DE SCHLUCHTMANN EK
Alexanderplatz ist ein Zentrum des Hochhausbaus

So weit sind andere Projekt noch nicht. Fast überall gibt es pandemiebedingte Verzögerungen. Zügig voran geht es jedoch auch am Friedrichshainer Spreeufer beim Projekt des Projektentwicklers Mikare. Die beiden Wohntürme in unmittelbarer Nähe zum Wasser werden auch Max und Moritz genannt. Im Sommer 2017 wurde mit den Rohbauarbeiten für das Gesamtensemble begonnen. Neben den beiden 96 und 86 Meter hohen Türmen entstehen sechs- bis siebenstöckige Sockelbauten mit Wohnungen und Gewerbeflächen. Im sogenannten Max Tower, der als „Upside Berlin“ vermarktet wird, entstehen 179 Eigentumswohnungen, die schon zu einem großen Teil verkauft wurden. Der 96 Meter hohe Moritz wurde an einen internationalen Investor veräußert. Im Zentrum des Ensembles befindet sich ein rund 1500 Quadratmeter großer Platz, um den sich Restaurants und Cafés, Geschäfte und ein Fitnessstudio gruppieren sollen.

Der Alexanderplatz ist quasi ein Zentrum des Hochhausbaus. Schon der Masterplan von Hans Kollhoff aus dem Jahr 1993 für den Alexanderplatz sah hier einige Wohntürme vor.

"Das ,ÜBerlin‘ ist eines der derzeit größten deutschen Wohnbauprojekte, das auch in technischer Sicht sehr anspruchsvoll ist."

Matteo Twerenbold, Adler Group

An der Voltairestraße direkt am Alexanderplatz wurde das „Grandaire“ errichtet. Der Komplex mit einer Gesamtwohnfläche von rund 20.000 Quadratmetern besteht aus zwei kubischen Gebäudeeinheiten, die im Erdgeschoss durch eine großzügige Lobby miteinander verbunden sind. Der Wohnturm mit 20 Etagen und einer Höhe von 65 Metern umfasst 164 Eigentumswohnungen mit Wohnflächen von 54 bis 280 Quadratmetern. In dem 40 Meter hohen und zwölfgeschossigen Kubus befinden sich 105 bereits vermietete exklusive Wohnungen mit Flächen zwischen 37 und 143 Quadratmetern. Das „Grandaire“ ist das Startprojekt für ein neues Stadtquartier zwischen Alexanderplatz und historischem Klosterviertel, das Berlin um eine neue Skyline bereichern wird.

Noch im Bau befindet sich hingegen der „Alexander Berlin’s Capitol Tower“. Mit 35 Stockwerken bei 150 Metern Höhe wird das Gebäude das höchste Wohnhaus Berlins und eines der höchsten Deutschlands. Die Fertigstellung der 377 Eigentumswohnungen ist für das Jahr 2023 geplant.

Dagegen ist der Status des geplanten Hines-Hochhauses unbekannt. Angrenzend an den Saturn-Sockelbau auf dem Alexanderplatz, soll ein weiteres 150-Meter-Hochhaus entstehen.

Mit dem „WoHo“ befindet sich noch ein ungewöhnliches Projekt in einer frühen Phase. Anfang des Jahres gewannen Mad Arkitekter aus Oslo den Realisierungswettbewerb für das 98 Meter hohe Wohnhochhaus „WoHo“ in Kreuzberg. Damit liegt nun ein Entwurf für Deutschlands höchstes Haus aus Holz vor.

Von den 18.000 Quadratmetern Nutzfläche sind 15 Prozent für die soziale Infrastruktur vorgesehen, 25 Prozent für Gewerbe und 60 Prozent fürs Wohnen. Letzteres gliedert sich zu je einem Drittel in mietpreisgebundene Wohnungen, bezahlbare genossenschaftliche Objekte und Eigentumswohnungen. Dabei werden unterschiedliche Typologien berücksichtigt, darunter Wohnformen für soziale Träger wie betreutes Wohnen von Jugendlichen und Demenzerkrankten, aber auch Studentenstudios und sogenannte „Jokerzimmer“ für kurzfristigen Mehrbedarf an Platz.

„Das Projekt ist im Bebauungsplanverfahren. Mit einem rechtskräftigen Bebauungsplan rechnen wir im übernächsten Jahr, also 2023. Erst danach können wir einen Bauantrag einreichen. Zurzeit bereiten wir die frühzeitige Trägerbeteiligung vor und lassen Grundlagen durch Gutachter erarbeiten, die die Auswirkungen des Hochhauses – zum Beispiel in Sachen Verkehr, Verschattung, Emissionen etc. – untersuchen“, erklärt Marion Schumacher, Leiterin Kommunikation und PR des Bauherrn UTB Projektmanagement GmbH. UWE LEHMANN
Weitere Artikel