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Extra: NEUBAUPROJEKTE

Boomtown Spandau

Der Stadtteil im Westen Berlins wächst rasant. Hier entstehen gleich mehrere neue Quartiere mit Wohnraum für rund zehntausend Menschen. Ein Überblick über die spannendsten Neubauprojekte

In drei Bauabschnitten ist das Projekt „Speicherballett“ aufgeteilt. Es schließt die historischen Denkmalspeicher mit ein. FOTO: BUWOG GROUP/SPEICHERBALLETT.DE

Spandau boomt nicht nur, Spandau explodiert förmlich, wie es ein Mitarbeiter einer dort tätigen Wohnungsbaugesellschaft ausdrückt. In kaum einem anderen Berliner Bezirk tut sich in Sachen Stadtentwicklung und Wohnungsbau so viel wie ganz im Westen Berlins.

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen vor allem die Wasserstadt Oberhavel beiderseits der Havel und die „Siemensstadt2“, ehemals „Siemensstadt 2.0“, auf dem ehemaligen Industrieareal und Gründungsort der Siemens AG, der Insel Gartenfeld. Dort entstehen jeweils mehrere neue Stadtquartiere mit Wohnraum für Zehntausende Menschen sowie moderner Infrastruktur.
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Nach der Wiedervereinigung begann zu Beginn der 1990er-Jahre im Bezirk Spandau nördlich der Altstadt mit der Konversion der ehemaligen Rüstungs- und Industriestandorte entlang der Havel die Geschichte der Wasserstadt Oberhavel. Rings um die Insel Eiswerder, wo die Havel eine Seenlandschaft bildet, sollten Wohnungen sowie Flächen für Handel, Büros und sonstiges Gewerbe entstehen, praktisch eine neue Stadt am Wasser. Dazu wurde das insgesamt 206 Hektar große Gebiet in neun Bereiche eingeteilt, die nach und nach entwickelt werden sollten. Einige Quartiere wurden bereits fertiggestellt, andere sind im Bau und einige noch in der Planung – bis 2026 sollen dann insgesamt knapp 13.000 Wohnungen in der Wasserstadt entstanden sein.
Im Quartier Rauchstraße sollen bis Ende 2023 rund 349 Mietwohnungen entstehen. FOTO: WBM RENDERING WIECHERS BECK
Im Quartier Rauchstraße sollen bis Ende 2023 rund 349 Mietwohnungen entstehen. FOTO: WBM RENDERING WIECHERS BECK
Eines der aktuellen Projekte ist das „Quartier Speicherballett“ des privaten Bauträgers Buwog gegenüber der Insel Eiswerder, in dem in drei Bauabschnitten direkt am Wasser insgesamt 228 Eigentumswohnungen entstehen. Auf dem Areal standen ursprünglich drei historische Speicher, Namensgeber für das Projekt, die in den 1930er-Jahren erbaut wurden und zuletzt jahrelang leer standen. Während die beiden südlichen Speicher als Wahrzeichen Spandaus denkmalgerecht saniert werden und dann als Wohnraum mit insgesamt 46 Eigentumswohnungen zur Verfügung stehen, konnte der nördliche fensterlose Speicher abgerissen werden. An seiner Stelle entsteht als dritter Bauabschnitt der „Havel-Speicher“, ein Neubau mit 82 Eigentumswohnungen, der in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt konzipiert wurde, die historischen Außenmaße aufnimmt und das Speicher-Ensemble wieder vervollständigt. Ergänzt wird das „Speicherballett“ durch die Anlage „Havelkiesel“: Die drei modernen Wohngebäude stehen direkt am Flusslauf der Havel. Eines von ihnen ist sanft abgerundet wie ein Kieselstein – daher stammt auch der Name des Ensembles. Die Mehrzahl der 100 Eigentumswohnungen bietet einen direkten Blick auf das Wasser. Neben dem Denkmalschutz spielt auch die Nachhaltigkeit bei dem Bauprojekt eine wesentliche Rolle. So sind etwa Photovoltaikanlagen auf den Dächern ebenso vorgesehen wie Wassereinsparung durch Sammeln des Regenwassers in quartiereigenen Zisternen.
2500 Wohneinheiten entstehen im „Waterkant Quartier“ an der Daumstraße in mehreren Bauabschnitten. FOTO: ANDREAS [FRANZXAVER] SÜß
2500 Wohneinheiten entstehen im „Waterkant Quartier“ an der Daumstraße in mehreren Bauabschnitten. FOTO: ANDREAS [FRANZXAVER] SÜß
Die meisten Quartiere werden in der Wasserstadt in mehreren Teilabschnitten realisiert. So auch bei der „Waterkant“. 2018 begannen an der Daumstraße die Bauarbeiten für die ersten 362 Wohnungen der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) direkt am östlichen Havelufer zwischen Spandauer-See-Brücke und Wasserstadtbrücke. Die Vermietung der 1-5-Zimmer-Wohnungen mit einer Größe von 36 bis 96 Quadratmetern hat inzwischen bereits begonnen. Bis 2025 entsteht in Kooperation der WBM mit der ebenfalls städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag ein neues Viertel mit rund 2500 Wohneinheiten, die zur Hälfte belegungsgebunden sind. Spielplätze, Kita, Bäcker‚ Blumenladen, Apotheken, Kosmetik, gastronomische Einrichtungen, Supermarkt und vielfältige Freizeitangebote inklusive. Auf die Gemeinschaftseinrichtungen wird hier besonders viel Wert gelegt, so gibt es etwa eine Terrasse mit eigenem Bootsanleger an der Havelpromenade.

"Hier in Siemensstadt entsteht ein Stadtteil von morgen und wir haben heute die Chance zu überlegen, wie ein solcher Ort aussehen soll."

Michael Müller, Regierender Bürgermeister

In Kürze geht es auch auf der anderen Havelseite an der Rauchstraße für die WBM los. Am Schnittpunkt von Maselakekanal, Havel und Wasserstadtbrücke entstehen bis Ende 2023 rund 349 Mietwohnungen – 197 davon im geförderten, günstigen Preissegment –, in zwei siebengeschossigen, u-förmigen Gebäuden sowie Gewerbeeinheiten und ein öffentlicher Stadtplatz mit einer Stadtteilbibliothek.

Auf der Insel Gartenfeld gibt es Wohnungsbau im großen Stil

Während auf der Insel Eiswerder ausschließlich Flächen für Kultur, Freizeit und Erholung geplant sind, wird es auf der an der Grenze zu Charlottenburg gelegenen Insel Gartenfeld Wohnungsbau in großem Stil geben. Vor über 100 Jahren errichtete Siemens ein Kabelwerk auf der 59 Hektar großen, vom Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal umschlossenen Insel. Lange war hier eine Industriebrache und ein untergenutztes Gewerbegebiet, dabei gehört es zu den wenigen innenstadtnahen, großen zusammenhängenden Wohnungsbaupotenzialen Berlins. Die Planungen sehen eine Quartiersentwicklung von 3700 Wohnungen, die von Wohnungsbaugesellschaften wie von privaten Bauträgern errichtet werden sollen, sowie Infrastruktureinrichtungen und Gewerbeflächen vor.

Dabei soll das „Neue Gartenfeld“ als nachbarschaftliches Stadtquartier und urbanes Labor für die Erprobung innovativer Stadtentwicklung und Mobilität ein Vorbild für den Städtebau des 21. Jahrhunderts sein, so der Projektentwickler UTB, der federführend zusammen mit der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag Wohnungsbau-Aktiengesellschaft Berlin, der privaten Buwog Bauträger GmbH sowie der jungen Baugenossenschaft „Bessergenossenschaftlich Wohnen von 2016“ eG. (Begeno) das neue Stadtquartier entwickelt. Das Projekt befindet sich derzeit im Bebauungsplanverfahren. Notwendig werden für eine funktionierende Verkehrsanbindung der Insel der Bau einer Hauptverkehrsstraße und einer Tram-Linie.

Apropos Siemens. Wie so vieles in Spandau ist auch ein weiteres Entwicklungsprojekt mit dem Berliner Industriekonzern eng verbunden: „Siemensstadt2“. Die Siemensstadt besteht seit den 1920er-Jahren als Ortsteil. Nun soll das Gelände mit dem Bauprojekt „Siemensstadt2“ als innovative Stadt der Zukunft umfassend neu gestaltet werden. Das Unternehmen investiert auf einem 70 Hektar großen Areal um die bestehende Industriearchitektur herum, um einen Innovationscampus zu schaffen, der Wohnen, Arbeiten und Lernen vereinen soll. Der Standort soll neue Arbeitsmodelle, moderne Forschungs- und Produktionsbedingungen mit Wohnen und Leben vereinbaren. Geplant sind neben Büro-, Forschungs- und Produktionsflächen rund 3000 Wohnungen, eine Schule und Freiflächen. Historische Gebäude bleiben erhalten. Die „Siemensstadt2“ soll ein CO2-neutraler Standort werden. Der Baubeginn ist für 2022 geplant.

Bis die ersten Bewohner einziehen, wird es jedoch noch eine Weile dauern: Die Fertigstellung der nachhaltigen, digitalen und energieeffizienten „Smart City“ wird für das Jahr 2030 erwartet. „Hier in Siemensstadt entsteht ein Stadtteil von morgen und wir haben heute die Chance zu überlegen, wie ein solcher Ort aussehen soll.“, kommentierte Berlins (noch) Regierender Bürgermeister Michael Müller das Vorhaben. UWE LEHMANN
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