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Extra: NEUBAUPROJEKTE

Das vernetzte Zuhause

Smart Home ist längst keine Zukunftsvision mehr und gehört zum Grundkonzept vieler Neubauten. Die intelligenten Anwendungen und Lösungen für das eigene Heim können den Alltag effizienter, komfortabler und sicherer gestalten. Ein Überblick

Smart Home wird häufig von Beginn an mitgedacht. FOTO: GETTY IMAGES

Wer in den großen Science-Fiction-Erzählungen des vergangenen Jahrhunderts stöbert, dem wird ein recht düsteres Bild des intelligenten Zuhauses gezeichnet. In den Geschichten von Orwell, Huxley und Co. nehmen sogenannte Smart Homes verschiedenste Ausprägungsformen an, die wenigsten davon jedoch sind positiv. Da sind Häuser so intelligent, dass scheinbar sie ihre Bewohner steuern und nicht umgekehrt. Oder sie dienen einem fiktiven Kontrollstaat dazu, seine Bürger rund um die Uhr zu überwachen. Oder sie halten ihre Bewohner durch permanente Fürsorge vom kritischen Denken ab. Ein Blick auf die inzwischen Realität gewordene Vision des „selbst denkenden“ Zuhauses zeigt: So schlimm ist es bislang nicht gekommen. Willkommen in der Zukunft.
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Ein Smart Home, also ein intelligentes Heim, soll seinen Bewohnern in erster Linie das Leben erleichtern. Es soll den Alltag im Optimalfall vereinfachen, automatisieren und sicherer machen. Dabei mag vielen die Grenze zwischen Spielerei und echtem Nutzen nicht klar sein, wenn etwa Freunde voller Begeisterung vorführen, wie sie ihre neue Lampe nun per Sprachbefehl statt Lichtschalter zum Leuchten bringen. Doch da im vernetzten Zuhause noch weit mehr Potenzial steckt, lohnt ein genauerer Blick auf die aktuellen Trends und Innovationen, die insbesondere bei Immobilien-Neubauprojekten häufig zum Grundkonzept dazugehören.
Schon heute Realität: Vom Saugroboter bis zum automatischen Einschalten der Kaffeemaschine lässt sich der Alltag per App steuern. FOTO: GETTY IMAGES
Schon heute Realität: Vom Saugroboter bis zum automatischen Einschalten der Kaffeemaschine lässt sich der Alltag per App steuern. FOTO: GETTY IMAGES
Zwar gab es schon länger Modellversuche zum cleveren Haus, doch erst im vergangenen Jahrzehnt kam der Trend so richtig in Fahrt. Das hatte vor allem mit der Nutzerfreundlichkeit der Produkte zu tun: Während die ersten Gadgets noch unzuverlässig und mühselig einzurichten waren und somit eher als Spielereien für Technikbegeisterte galten, sind die Anwendungen heute längst den Kinderschuhen entwachsen. Die Produkte sind ausgereift, ihre Bedienung intuitiv und die Einrichtung in den meisten Fällen simpel. Eine riesige Zahl an Herstellern buhlt mittlerweile um die Gunst der Käufer. Und der Markt wächst: Laut einer aktuellen Studie des Branchenverbandes Bitkom nutzen 2021 bereits 41 Prozent der Deutschen Smart-Home-Anwendungen. Vor zwei Jahren waren es noch zehn Prozent weniger.

Doch was kann ein vernetztes Zuhause überhaupt alles? „Grundsätzlich lässt sich alles kontrollieren, was eine Schnittstelle hat“, erklärt Günther Ohland, Vorstandschef des Vereins Smart Home Initiative Deutschland. Der Funktionsumfang von Smart-Home-Anwendungen lässt sich grob in drei Bereiche unterteilen: Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz. Gerade im Bereich Komfort hat ein intelligentes Zuhause so einiges zu bieten. Das bekannteste und beliebteste Beispiel sind vernetzte Leuchtmittel. Die lassen sich per App oder Sprachbefehl an- und ausschalten oder dimmen. Mit einem zusätzlich integrierten Bewegungssensor kann das auch komplett automatisiert beim Betreten eines Raumes geschehen. Besonders praktisch: Da lediglich die Leuchtmittel die entsprechenden erforderlichen Komponenten in sich tragen, kann durch Ersetzen der Glühbirne praktisch jede vorhandene Lampe nachträglich aufgerüstet werden. Eine komplexe Smart-Home-Anwendung ist das aber nicht. „Allein eine Lampe per Smartphone ein- oder auszuschalten ist nicht smart, sondern nur eine Fernsteuerung“, sagt Günther Ohland.
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Mehr Nutzer durch intuitive und einfache Bedienung

Neben schlauen Leuchten gibt es mittlerweile noch eine ganze Palette an Produktlösungen, die dem Nutzer mühselige Aufgaben des Alltags abnehmen sollen. Ein mögliches Szenario: Pünktlich zum Sonnenaufgang fährt die smarte Jalousie automatisch hoch, während zeitgleich die ebenso schlaue Kaffeemaschine frischen Kaffee nach festgelegtem Genussprofil brüht. In der Zwischenzeit backt der smarte Herd die Brötchen auf, noch bevor der Benutzer die Küche überhaupt betreten hat. Die Musikanlage verabschiedet ihren Besitzer mit seiner Lieblingsplaylist zur Arbeit, und alle Lichtquellen schalten sich automatisch aus, sobald er eine bestimmte Entfernung zum Zuhause zurückgelegt hat. Alsdann macht sich der Saugroboter daran, die Spuren seines Herrn ungesehen zu beseitigen.
Intelligentes Heizen per App: Insbesondere bei der Energieeffizienz wächst das Interesse an smarten Lösungen für das Zuhause, durch die sich bis zu 30 Prozent Energie einsparen lassen. FOTO: GETTY IMAGES
Intelligentes Heizen per App: Insbesondere bei der Energieeffizienz wächst das Interesse an smarten Lösungen für das Zuhause, durch die sich bis zu 30 Prozent Energie einsparen lassen. FOTO: GETTY IMAGES
Den Einsatz- und Kombinationsmöglichkeiten unterschiedlicher Anwendungen sind heute kaum noch Grenzen gesetzt. Ihr großer Vorteil ist, dass nicht jedes Gerät einzeln angesteuert werden muss. Alle Geräte lassen sich nämlich in Gruppen bündeln und in Szenarien wie dem obigen zusammenstellen. Mit einem Knopfdruck, Sprachbefehl oder ganz automatisch kann der Nutzer so eine Vielzahl von Geräten ansteuern. Die Einrichtung erfolgt dabei in der Regel über intuitive Apps, die es auch Laien ermöglichen, Automatisierungsprozesse schnell und einfach zu programmieren. Dafür müssen die allermeisten Smart-Home-Produkte jedoch über ein zentrales Steuergerät miteinander verbunden sein. Es reicht nicht, sie im vorhandenen WLAN zu integrieren.

Ein weiteres Feld im Bereich Vernetzung ist die Sicherheit. Der größte Anreiz für Käufer besteht hier darin, ihr Haus oder ihre Wohnung auch von unterwegs überwachen zu können. Eine intelligente Alarmanlage schickt beispielsweise Benachrichtigungen per App an den Benutzer, wenn ein Tür- oder Fensteraufbruch festgestellt wird. Auch Rauch- und Wassermelder informieren bei Gefahr in Echtzeit aufs Smartphone, sodass auch aus der Ferne die nötigen Schritte eingeleitet werden können. Zuletzt können besorgte Anwender über vernetzte Videokameras auch jederzeit von unterwegs in ihrem Heim nach dem Rechten sehen.

Smart-Home-Einbauten steigern Immobilienwert

Auch beim Thema Energieeffizienz wächst das Interesse an smarten Lösungen kontinuierlich. Ihren größten Vorteil spielen sie beim Heizen aus, denn intelligente Heizkörper und Thermostate reduzieren unnötiges Heizen. So muss die Heizung nicht mehr den ganzen Tag angeschaltet sein, damit die Wohnung bei der Ankunft am Abend warm ist. Es reicht, die Heizkörper unterwegs per App rechtzeitig zu aktivieren. Wer morgens ein vorgeheiztes Badezimmer betreten will, muss die Heizung nicht die ganze Nacht auf Hochtouren laufen lassen, sondern programmiert einfach ein, dass der Heizkörper morgens rechtzeitig anspringt. Mit der richtigen Technik erkennt ein Thermostat sogar, wenn ein Fenster im Raum geöffnet wird, und drosselt daraufhin die Heizleistung. So mancher Hersteller verspricht so Energieeinsparungen von bis zu 30 Prozent – ob solch ein Wert unter realen Bedingungen erreicht werden kann, ist jedoch noch nicht erwiesen. Die Einsparpotenziale durch vernetzte Technik sind zudem in älteren Häusern und Wohnungen größer als in Neubauten, die ohnehin besser gedämmt sind. Sparer sollten zudem im Hinterkopf behalten, dass die Stromrechnung durch den vermehrten Einsatz von Technik üppiger ausfallen könnte.

"Grundsätzlich lässt sich alles kontrollieren, was eine Schnittstelle hat."

Günther Ohland, Vorstandschef der Smart Home Initiative Deutschland

Apropos Neubauten: Bauherren haben die Wahl, die Weichen für ein Smart Home bereits beim Hausbau zu legen. Denn die allermeisten Anwendungen sind Funklösungen, die im Nachgang in ein schon bestehendes Heim integriert werden. Diese haben zwar den Vorteil, dass sie beim Umzug einfach abgebaut und mitgenommen werden können. Dafür funktionieren sie durch die drahtlose Übertragung theoretisch langsamer und unzuverlässiger. In einem Neubau hingegen kann der Bauherr gleich die entsprechende Verkabelung integrieren. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Bus-System, also ein Steuerungsnetz für alle Stromempfänger. An dieses werden dann modular alle entsprechenden Steuerungsgeräte angeschlossen, etwa zur Lichtautomatisierung oder Heizungssteuerung. Ein so verkabeltes System ist deutlich wartungsärmer als eine vergleichbare Funklösung, bei der es ab und an schon mal hakt. Im Gegenzug ist beim Hausbau natürlich mit entsprechenden Mehrkosten für die Einrichtung zu rechnen. Mit Blick auf die steigende Popularität von Smart Homes dürfte sich ein solcher Einbau jedoch auch beim Wiederverkauf lohnen.

Dass das vernetzte Zuhause längst mehr ist, als nur eine technische Spielerei, ist übrigens auch schon in der Politik angekommen: Über die Förderbank KfW und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert die Bundesregierung Smart-Home-Lösungen bei Sanierungen und Neubauten von Häusern. Ziel soll dabei sein, Häuser energieeffizienter zu machen, etwa durch intelligente Heizungssteuerung. Sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen sind Zuschüsse und Kredite möglich.

Schon heute sind die Anwendungsmöglichkeiten im Smart Home umfangreich, dabei stehen die nächsten Produkte schon längst in den Startlöchern. Wie wäre es in Zukunft beispielsweise, dem Kühlschrank unterwegs mitzuteilen, was es heute Abend zu essen geben soll? Dieser könnte dann seinen Inhalt scannen und die fehlenden Zutaten einfach per Bringdienst ordern. Auch Haushaltsroboter sind weiter auf dem Vormarsch: Derzeit wird ihr größter Einsatzbereich noch in Pflegeeinrichtungen gesehen, doch auch in den heimischen vier Wänden könnten Roboter in Zukunft immer mehr Alltagstätigkeiten übernehmen. Fakt ist, dass der Aufstieg des Smart Home nicht mehr aufzuhalten ist, bis es irgendwann mal zum Standard wird: Dann wird „smart“ das „neue normal“ sein. MORITZ TRIPP (mit dpa)
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